Samstag, 29. August 2009

Van-tastisch - Die erste Fahrt mit den „Höllenhunden“

Für 1.25 LE einmal um die ganze Stadt. Dank meiner neuen Kollegin Andrea, bei der ich über den Ramadan unterkommen kann, habe ich jetzt raus, wie man die Mini-Vans benutzt. Es gibt - wie vermutet - Ein- und Umsteigestellen. Der Fahrer sagt sein Ziel (zumindest den Zielort sollte man also auf Arabisch kennen) und wenn man auch dorthin möchte, dann steigt man ein. Das Fahrtgeld gibt man jeweils dem Gast, der vor einem sitzt, der wiederum seinen Anteil drauflegt und es weiterreicht. Etwas skeptisch war ich schon, ob der Mann vor uns das Geld wirklich weitergeben würde (er hat es verdächtig lange gezählt). Aber alles lief reibungslos. Etwas länger als die Fahrt im roten Doppeldecker war die Fahrt schon, dafür spannender, weil die Mini-Vans eigene Strecken fahren und auch mal die Corniche (die ich jetzt schon fast auswendig aufmalen kann) verlassen. So sind wir eine Parallelstraße entlang gegurkt. Der Fahrer hatte dabei immer im Blick, wieviele Leute gerade in seinem Gefährt saßen. Der Beifahrer hat - wenn Mitfahrwillige an der Straße standen - das Ziel aus dem Fenster gerufen, während der Fahrer mit seinen Fingern angezeigt hat, wie viele Plätze noch zur Verfügung standen. Unser Mini-Van schien übrigens durchaus noch durch den TÜV zu kommen. Das sei anders, wenn man tiefer in die Stadt vordringe, so Andrea. Da sei durchaus davon abzuraten in eines der klapprigen Gefährte zu steigen. Der äußere Schein trüge nicht! Oft hat man auch den Eindruck, die Bremsen der Autos würden nicht so toll funktionieren. Aber solange die Hupe geht (und die wird ja sekündlich getestet) kann nichts schief gehen. Und langsam gewöhnt man sich auch daran, unangeschnallt bei einem Mördertempo über die Straßen zu rauschen. Man kann Vieles über die Ägypter sagen, aber nicht, dass sie kein gutes Augenmaß besäßen. Keine Straße ist zu schmal, kein Lücke zu eng, als dass man nicht noch durchpasste. Selbstverständlich kann man mit dieser speziellen Begabung auch haarscharf an Fußgängern vorbeibrettern. Wem‘s zu gefährlich wird, springt sowieso zur Seite. Wichtig: In einem solchen Fall nicht panisch nach links auf die Straße springen, sondern die rettende Flugrolle immer nach rechts ausführen!
Bei Andrea fühle ich mich übrigens vorerst einmal angekommen. Ich konnte nach zwei Wochen endlich meine Koffer vollständig entpacken, habe Essen und Getränke und einen wundervollen Ausblick über die Dächer der Stadt. Einzig die Tatsache, dass Andrea von der Expat-Weisheit: „Never without air condition!“ scheinbar nichts wusste, macht es etwas anstrengend, bei ihr zu wohnen. Während es mir in den Hotels ständig zu kühl war, könnte ich jetzt sterben vor Hitze. Überhaupt bin ich hier äußerlich nicht mein bestes Ich. Verschwitzt und zerrupft stapfe ich durch die windige Stadt und komme dann auch noch verstaubt an. Mittlerweile denke ich ernsthaft darüber nach, mir auch ein Tuch um den Kopf zu wickeln...
Weiteres Manko bei Andreas Wohnung: Es ist sehr laut. Nachts mit offenen Fenstern schlafen geht gar nicht. Ob das nach dem Ramadan, wenn die durch Lautsprecher verstärkten Korangesänge aufhören, besser ist, wage ich zu bezweifeln. Jede halbe Stunde kommt auch der Zug nach Irgendwo (ich glaub der Name der Stadt beginnt mit A.). Erst hupt er, dann bremst er, dann faucht er - und endlich rattert er quälend langsam über die Schienen davon. Natürlich auch mitten in der Nacht. Das ist selbst mit verstöpselten Ohren gut zu hören. Die Tatsache, dass man - will man überhaupt ein Auge zutun - die Fenster schließen muss, verschlimmert natürlich die sich stauende Hitze in den Räumen. Aber Andrea meint, man gewöhnt sich sehr schnell an das andere Klima. Als sie vor drei Jahren den ersten Winter mitgemacht hat (man bedenke: nach Ramadan ist der Sommer vorbei!), wäre sie noch in kurzen Ärmeln durch die Straßen. Heute hätte sie einen Mantel an, weil ihr kalt wäre.
Notiz: Ich war schon zweimal im Meer schwimmen. Und auch beim Schwimmen kann man ein wenig seekrank werden von den Wellen.

3 Kommentare:

  1. Okay, vielleicht gebe ich den Minibussen auch mal eine Chance. Scheinbar ist die Fahrt trotz allem ein Abenteuer.

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  2. wow ... ich kriege so fernweh. es hört sich alles sehr exotisch an. brauchst du eigentlich ein carpaket mit essen oder süßigkeiten? stell ich dir gerne alles zusammen.

    glg nicole

    p.s.: würde - glaube ich nicht - in so einen bus steigen.

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