Am günstigsten kommt man wie überall weiter: per pedes. Dagegen spricht allerdings die auch im August noch unerträgliche Hitze. Schon nach wenigen Metern werden die Schritte spürbar langsamer. Und es braucht weniger als einen Kilometer, bis das Leben an Qualität verliert: Der Durst nagt, der Mund ist trocken, die Brille staubig. Zusätzlich zerstört die unablässige Meeresbrise jede Frisur, die feuchte Luft erledigt den Rest. Als verschwitzter Wischmob erreicht man sein Ziel. Ich frage mich, wie die Ägypterinnen es schaffen, so gut auszusehen?
Erschwerend kommt bei jedem „Spaziergang“ hinzu, dass man mit jedem Schritt eine Nase voll Abgase einatmet. Auch der Schmutz auf den Straßen kann zum Hindernis werden. Im besten Fall werden die Schuhe und Füße dreckig. Im schlechtesten rutscht man - wie ich heute - in einer schlammigen Müllpfütze aus, die sich plötzlich vor einem auftut. Also immer schön darauf achten, wo man hinläuft. Es liegt nämlich nicht nur Müll auf der Straße, es kann sich auch aus dem Nichts ein riesiger Stein oder ein tiefes Loch auf dem Weg befinden:

Zusätzlich ist zu Fuß gehen auch die gefährlichste Variante, denn im Verkehr gilt: Autos haben Vorfahrt. Aufgemalte Zebrastreifen, die man ab und an besonders in der Altstadt findet, sind nur Zierde! Also besser erst über die Straße gehen, wenn man sich wirklich sicher ist, dass kein Auto kommt. Und immer schön Abstand zu Kreuzungen halten, denn es wurden schon Fahrer beobachtet, die mit quietschenden Reifen um die Ecke heizten und dabei fast aus der Kurve geworfen wurden - für einen Fußgänger hätten diese Autos nicht mehr bremsen können. Jedenfalls kann es nicht schaden für den Notfall noch einmal die Flugrolle zu wiederholen.
Gelb-schwarze Taxis

Gut an den gelb-schwarzen Taxis (meist der Marke Lada) ist, dass diese Taxis zuhauf durch die Straßen cruisen. Meist muss man sie nicht einmal herwinken. Unentschlossen in der Luft herumschauen genügt bereits, dass einer ein Geschäft wittert und auffordernd hupend eine Vollbremsung hinlegt. Übrigens: Um einen potentiellen Fahrgast zu ergattern wird durchaus auch laut hupend über diverse Spuren gewechselt. Don‘t panic. Bei diesen vermeintlich riskanten Aktionen passiert meist überraschend wenig. Im ägyptischen Verkehr gilt: Jeder achtet nur auf das, was vor einem passiert.
Problematisch an den gelb-schwarzen Taxis ist, dass der Fahrtpreis eine freie Erfindung des Fahrers ist und stark von dessen Laune abhängt. Nur mit viel Verhandlungsgeschick schafft man es, für dieselbe Strecke zweimal denselben Preis zu bezahlen.
Hinzu kommt, dass die Fahrer oft nur sehr rudimentär Englisch sprechen, wenn überhaupt. Auf jeden Fall ist es zu empfehlen, den Preis immer VOR dem Einsteigen auszumachen. Ist man erst einmal eingestiegen, gibt es - bis das Ziel erreicht ist - kein Aussteigen mehr. Und erstaunlicher Weise sind die Preise sehr viel höher, wenn man erst im Taxi in Preisverhandlungen geht. Wahrscheinlich lässt die Tatsache, dass man für kurze Zeit eine wehrlose Geisel ist und nicht um Hilfe schreien kann, den Fahrer mutig werden. Noch ein Tipp: Man darf davon ausgehen, dass der Preis, den der Fahrer nennt, bereits überteuert ist - und sowohl den Ausländer- als auch den Dreistigkeitszuschlag beinhaltet. Die Hälfte als Gegenangebot ist also Pflicht, sonst zahlt man sich dumm und dämlich. Und man sollte sich besser gar nicht darauf einlassen, dem Fahrer selbst einen Preis zu nennen. Von dessen eigener Preisvorstellung lässt sich der tatsächliche Fahrtpreis, den Einheimische bezahlen würden (= genannter Preis durch vier), viel besser einschätzen.
Noch schwieriger als die Preisverhandlung gestaltet es sich aber, dem Fahrer klar zu machen, wo man gerne hinmöchte. Sofern man nicht gerade zu prominenten Landmarken will, scheitern die Zielerläuterungen an der Sprachbarriere und an den mangelnden Ortskenntnissen des Fahrers. Doch letztlich ist es egal, ob der Fahrer verstanden hat, wo‘s lang gehen soll: Man wird natürlich immer mitgenommen. Erst während der Fahrt wird einem dann klar, dass der Mann am Steuer null Plan hat, wohin er fahren soll. Die Fahrt kann in einem solchen Fall durchaus eine gute Stunde beanspruchen (selbst wenn das Ziel nur wenige Minuten vom Einstiegsort entfernt ist). Genug Gleichmut, um den Fahrer nicht ungeduldig anzuschreien, während er sich dienstbeflissen von Straße zu Straße fragt (hier haben Männer keine Scheu, sich nach dem Weg zu erkundigen - im Gegenteil: Das gehört zum guten Ton) sollte man unbedingt mitbringen. Das Gute: Ankommen ist garantiert. Die Frage ist nur wann. Übrigens: Eine Karte zu haben bringt überhaupt nichts. Besser ist, man hat bei Bedarf einen Einheimischen am Handy, der den Weg auf Arabisch erklären kann.
Dass dieser Fahrer mit der Klapperkarre den Koran als Schutzvorrichtung braucht, versteht sich eigentlich von selbst.
Funk-Taxis
Sind nicht gelb-schwarz! Und meist sind die Wagen in besserem Zustand als der durchschnittliche Lada. Die Funk-Taxis werden angerufen (hier die Nummer des fast touristic transport: 19 559) und kommen dann. Angeblich sind diese Taxis die besten. Etwas teurer als ihre gelb-schwarzen Verwandten, dafür fahren sie mit Taxameter. Man erspart sich das mühsame Verhandeln.
Rote Doppeldecker-Busse
Die roten Doppeldecker-Busse verkehren - wie man uns sagte - nur auf der Corniche. Gut klimatisiert kann man für 3 LE pro Person kilometerweit fahren. Allerdings verstehen die Fahrer noch weniger Englisch als die Taxifahrer. Wie kommt man in einen roten Bus? Einfach an den Straßenrand stellen, wenn einer auftaucht. Blickkontakt mit dem Fahrer aufnehmen, Hand raus und winken. Aussteigen ist genauso einfach. Man sagt, wo man rauswill und der Bus hält am Straßenrand. Ganz bequem. Nur die genauen Fahrtzeiten haben wir noch nicht ganz raus. Morgens scheinen sie im 10- bis 15-Minuten-Takt die Corniche entlang zu rauschen. Aber abends sind sie plötzlich verschwunden.
Linienbusse
Als Ausländer weiß man natürlich nicht, welche Linien die Busse fahren. Sie sehen sehr klapprig aus, haben keine Türen und jedes Ziel steht nur in arabischen Lettern am Fenster. Die Landessprache zu sprechen ist also unumgänglich. Fahrpläne haben wir auch noch keine entdeckt (wobei die mit Sicherheit auch nur auf Arabisch sind).
Mini-Vans
Mini-Vans sind die Höllenhunde der Straße. Meist bis zum Platzen gefüllt brettern sie über die Straße, mit geschätzten 80 bis 100 km/h überholen in waghalsigen Rechts-Links-Kombinationen alle anderen Autos. Risikofreude und kuscheliges Dicht-an-Dicht mit Einheimischen wird belohnt: Für günstige 1.00 - 1.25 LE rast man zum Zielort. Es scheint dabei offizielle Umsteigepunkte zu geben. Meist an zentralen Kreuzungen. Straßenbahn
Gemütlich durch Alex geht‘s mit der Straßenbahn. Wer Zeit hat fährt hier sehr preiswert: nur 25 Piaster pro Person. Und wenn man Glück hat, kommt ein Waggon aus original viktorianischer Zeit, innen holzvertäfelt.
Nichts für Tierfreunde: Kutschen
Ja, es gibt sie noch. Alles was es braucht ist ein halbverhungerter Gaul und einen alten Anhänger. Leider hat das wenig von dem Charme einer Kutschfahrt durch den Central Park in NY (nicht, dass ich das schon mal gemacht hätte *g*). Die armen Tiere müssen auf rutschigem Asphalt durch den mörderischen Verkehr galoppieren. Natürlich verlieren sie oft den Bodenkontakt. Aber ein aufmunternder Peitschenhieb hilft den faulen Kläppern schon wieder auf die Beine. Okay, ganz so schlimm ist es nicht. Aber einem vom Tierschutz geprägten Deutschen fällt der Anblick schon sehr schwer. Dafür habe ich jetzt eine neue Erfindung, die ich demnächst auf den ägyptischen Markt bringen werden. Hufeisen-Untersätze aus alten Autoreifen. So können die Tiere wenigstens mit genug Grip ihre überfüllten Wagen ziehen.
Wie verhungert dieses Exemplar aussah, kann man auf dem Foto nur erahnen (man beachte die sich abzeichnenden Rippen).
Die Hühas, die für Touristen die Landauer ziehen,
sind da schon besser gepflegt - und bekommen auch mehr zu futtern.



Ich bin eindeutig für zu Fuß. Hört sich alles aber super spannend an. mehr davon.
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Nicole
Die Ägypter halten uns Zu-Fuß-Geher für total bekloppt. Wer geht denn schon zu Fuß? Und warum? Und wohin? Sogar ein einfacher Spaziergang am Strand entlang sorgt bereits für verstörte Blicke.
AntwortenLöschenUnd man vergesse nicht die hupenden Taxis, sobald man im Park die Straße entlang geht! Ja, die Parks in Alexandria sind anders ;)
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