21. August 2009
Engländer, die golfen und Cricket spielen. Zwei Swimming Pools - und vor allem viel Grün mitten in der Stadt. Dass der Sporting Club, in dem sich einst Gentlemen und Ladies vergnügt haben, nicht mehr das ist, was er noch zu Kolonialzeiten war, darauf waren wir schon vorbereitet. Aber auf das Stück Grün freuten wir uns dennoch. Mit der Bimmelbahn (= Straßenbahn von Alexandria) sind wir also - wie immer aus unerklärlichen Gründen naiv hoffnungsvoll - nach Sporting gefahren. 50 Piaster für zwei Personen. Das ist günstig. Dafür wurde unterwegs auch die Bahn gestoppt, Fahrer und Kontrolleur sind ausgestiegen, um zu beten. Zehn Minuten in einem Metallwaggon, der regungslos in gleißender Hitze steht, können sehr lang sein. Außerdem waren wir im falschen Abteil - das, in das nur Frauen dürfen. Aber als Europäer wurde uns wohl direkt verziehen, keiner hat versucht uns zu verjagen. Am Sporting Club wurden wir direkt schon am Eingang auf Arabisch aufgehalten. Am Eingang sprach man natürlich kein Wort Englisch. Zeichensprache gerade soviel, um uns verständlich zu machen, dass wir Eintritt (30 LE - natürlich pro Person!) zahlen müssten. Sehr überteuert dafür, dass wir ja nur mal reinschauen wollten. Aber wie hätten wir erklären sollen, dass wir uns für eine Mitgliedschaft interessieren? Dann die Enttäuschung: überall betoniert. Ein großer Parkplatz, lauter Autos. Irgendwo ganz weit hinten zwei Pools, zu denen wir erst einmal tappen. Die Hitze drückt uns ungnädig gen Asphalt und schon nachdem wir den Parkplatz überquert haben, habe ich keine große Lust mehr weiterzugehen. Einer der Pools wird gerade geputzt. Im anderen schwimmt nur eine einzige Frau (ansonsten nur Männer und Kinder). So wie es aussieht, ist sie mit ihren normalen Klamotten ins Wasser gesprungen, Kopftuch inklusive. Männer baden ganz normal. Überall nur Ägypter. Wo sind die Expats, die wir zu treffen hofften? Ein Sicherheitsbeamter fragt nicht gerade freundlich nach unseren Tickets. Wie‘s aussieht, hält sich die Freude über Neuankömmlinge in Grenzen. Auch sonst kümmert sich kein Personal darum, uns eine Mitgliedschaft schmackhaft zu machen. Wir schleppen uns also ziellos durchs Gelände, entdecken Tennis- und Cricketplätze und einen großen grünen Fleck. Vielleicht der Golfplatz? Bei näherer Betrachtung lässt sich das nicht genau ausmachen. Es liegt Müll drauf und alles ist umzäunt. Man kommt nicht einmal auf den Platz. Enttäuscht ziehen wir zur Gymnastikhalle weiter, der ich eine Chance geben möchte. Scheint geschlossen zu sein. Dafür gibt es einen kleinen Vergnügungspark für Kinder, Essenbuden und einen eigenen McDonald‘s. Wo wird denn hier Sport gemacht? Und: Where the hell are all the expats? Nach knapp 20 Minuten haben wir mehr als genug, verlassen den „Club“, sind 10 Euro ärmer und um eine Erfahrung reicher: nichts für uns.
Vom Sporting Club ist unser nächster Stopp ein Café. Hier werden wir Zeugen eines Unfalls auf der Corniche. Eigentlich ist nichts zu erkennen außer sich zunehmend stauende Autos und eine größer werdende Menschenmenge, die durch ihre Leiber das Geschehen vor neugierigen Blicken abschirmen. Man muss schon aus dem Auto aussteigen, um zu sehen, was los ist. Was auch einige eilig tun. Irgendwann stabilisiert sich die Menge, das Verkehrsknäuel löst sich auf. Ich nehme es als Hinweis, dass nichts Schlimmes passiert ist.
Gegen 16 Uhr werden wir endlich von unserem Schicksal im Mercure erlöst. Für 30 Euro weniger pro Nacht schlafen wir jetzt im Sheraton (einen echten und gefühlte fünf Sterne besser) - und sind endlich wieder in der Zivilisation angekommen. Wir haben ein Zimmer, in das nicht nur zwei Betten, sondern zusätzlich auch zwei Menschen passen. Dazu einen Balkon mit einem einzigartigen Meerblick (siehe unten). Und ein Bad mit Badewanne! Pool, Fitnessraum, Sauna, zwei Restaurants - hier lässt es sich definitiv aushalten. Und wie aus dem Nichts sind Chris und ich gleich viel besser gelaunt und voller Tatendrang.
Das ist der Montazah-Palast.
Und hier sieht man das Mittelmeer und den Strand vor unserer Tür.
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