Freitag, 28. August 2009

Yippie: Meine Zeugnisse existieren noch!

Nachdem sie einen Monat bei der ägyptischen Botschaft in Berlin verschollen waren, sind sie jetzt wieder aufgetaucht. Über 30 Tage konnte mir niemand der Botschafts-Mitarbeiter sagen, wo sich mein Einschreiben mit meinem Originalabizeugnis und -magisterzeugnis befindet. Jetzt endlich Entwarnung aus Berlin. Der Brief wurde gefunden. Ich hatte ihn an die falsche Adresse geschickt. Dass es die war, die mir gesagt wurde, ist jetzt auch egal. Hauptsache die Unterlagen sind wieder da und ich darf hoffen, dass sie mich in naher Zukunft erreichen.
Mit Einschreiben habe ich nämlich kein Glück. Der Arbeitsvertrag, den ich am 26. Juni nach Ägypten geschickt hatte, kam laut Nachforschungsauftrag zwar schon am nächsten Tag in Ägypten an. Seitdem verlieren sich jedoch die Spuren. Ist nicht so schlimm. Den kann man ja noch einmal unterschreiben. Aber neue Zeugnisse organisieren, das wäre aufwendig geworden. Und die Zeit wird auch etwas knapp. In zwei Wochen läuft das Touristenvisum aus. Ich werde mich heute mal bei einer alten Veteranin kundig machen, wie ich dieses Visum verlängern kann, ohne ausreisen zu müssen (wozu ich ja auch ein Flugticket bräuchte). Denn auch wenn mein Vertrauen in die ägyptische Botschaft jetzt wiederhergestellt ist - ich habe keinen Grund zur Annahme, dass die Zeugnisse in zwei Wochen bei mir sein werden.
Entwarnung gibt‘s auch auf dem Wohnungssektor. Ja, sie existieren, die schönen Wohnungen, in denen man sich auch als Europäer ein Leben vorstellen kann. Gestern haben wir das charmanteste Apartment gesehen: zwei Zimmer, sauberes kleines Bad, gepflegte kleine Küche, Wohnzimmer, Garten, eigenes Eingangstor. Wunderschön. Allerdings teuer. Da wir spontan verliebt waren haben wir schon zu rechnen begonnen. Schließlich wollten wir unsere einzige Chance auf ein schönes Zuhause nicht entgehen lassen, nur weil es über unserem Budget lag. Doch heute Morgen dann die erleichternde Erkenntnis: Wir waren bei meiner zukünftigen Kollegin Andrea und ihre Wohnung kostet nur halb so viel wie das Schmuckstück in Maamoura, ist ca. 120 qm groß und europäischer Standard. Wir müssen also einfach nur etwas suchen. Auf jeden Fall sollten wir bis nach Ramadan warten, so Andreas Tipp. Schweren Herzens verabschieden wir also von der wunderschönen Wohnung - und suchen uns etwas, das mehr in unserer Preisklasse liegt.
Kulturnotiz: Gestern hatte der Makler gebeten, dass Chris sich zu ihm auf den Beifahrersitz setzt. Chris, der mich auf der Rückbank nicht alleine lassen wollte, hat natürlich abgewunken. Ich ahnte schon, dass das mehr eine höfliche Aufforderung als eine Bitte gewesen war. Unterwegs fragte Aiman, ob es Chris was ausmachen würde, bei ihm zu sitzen, was Chris verneinte. Prompt hielt Aiman den Wagen an und ließ Chris nach vorne einsteigen. Die Erklärung: Wenn er alleine vorne sitzt, wird ihn jeder - egal, welches Auto er fährt oder welche Kleidung er trägt - als Fahrer behandeln. Denn nur wenn man einen Fahrer hat, sitzt man hinten! Ich habe Aiman dann Christians Weigerung erklärt, denn in Deutschland wäre es unhöflich gewesen, die Frau in einem fremden Wagen alleine hinten sitzen zu lassen. Darauf hat er sich mehrfach bei mir entschuldigt, was überhaupt nicht nötig gewesen wäre.
Kulturnotiz 2: Dinge, die man in Ägypten häufig sieht: rauchende Kinder. Und einen Fleischtransport - im Kofferraum eines siffigen gelb-schwarzen Taxis hat ein Händler halbherzig in Karton verpacktes Fleisch ausgeladen, um es einem Metzger an der Straße zu bringen. Wie gut, dass ich Vegetarierin bin.

1 Kommentar:

  1. Wochenlang hat sich der Typ von der Botschaft nicht gemeldet, es nicht für nötig erachtet, mich mal anzurufen - jetzt nach meinem Fax an seinen Chef: ein Anruf vom Zuständigen. Er wollte mir praktisch durch die Blume sagen, dass ihn keine Schuld träfe, weil ich die Zeugnisse ins falsche Gebäude geschickt habe. Aber wie gesagt: Die Anweisung war "Einfach an die Botschaft schicken". Turns out: So einfach war's dann doch wieder nicht.

    AntwortenLöschen