Die Halbjahresexamen haben begonnen. Das Gute daran: Als Lehrer ist man von der Unterrichtspflicht entbunden, sobald die Klasse, die man unterrichtet, ihr Examen geschrieben hat.
Das Gewöhnungsbedürftige: Die ägyptische Korrekturtechnik. Die Halbjahresexamen dürfen das Schulgebäude nicht verlassen. Nachdem das Examen geschrieben ist, wird es von der Koordinatorin - in unserem Fall Dina - im Kontrollraum abgeholt. Alle Examen wurden von der Kontrolle in der Zwischenzeit nummeriert und anonymisiert. Es müssen alsdann drei Fachlehrer anwesend sein, ehe mit der Korrektur begonnen werden darf. Da helfen alle Freistunden nichts - sie verstreichen ungenutzt, bis genügend Lehrer anwesend sind. Sobald drei da sind, bekommt jeder eine Aufgabe zugewiesen, die dieser Lehrer für alle Kinder korrigiert. Hört sich einfach an... ist es auch, nur eben eine Menge Arbeit, denn es sind pro Klassenstufe ca. 100 bis 170 Kinder und 4 bis 8 Aufgaben.
Nachdem die Aufgabe korrigiert ist - mit Rotstift -, liest ein zweiter Lehrer gegen - und korrigiert mit Schwarzstift. Dann werden die Ergebnisse ausgerechnet (und natürlich gegengecheckt). Die undankbarste Aufgabe hat Dina. Sie muss mit Grünstift nochmal jedes Examen nach Korrekturfehlern durchsehen - und das dauert. Wenn dann endlich, nach ungefähr fünf Stunden das Prozedere ein Ende erreicht, müssen nur noch die Examen nach Sitznummern sortiert werden - dann dürfen wir gehen. Natürlich bedeutet die Tatsache, dass wir 5 Stunden nach Unterricht noch dableiben müssen nicht, dass wir später kommen dürfen. So haben die Korrekturtage rund 12,5 Stunden. Drei Examen sind vorbei - noch drei, ehe die Ferien beginnen. Und ich glaube nicht, dass ich schon mal dringender Ferien gebraucht habe...
Montag, 25. Januar 2010
Sonntag, 17. Januar 2010
Hitler and the "Cemetery for garbage"
Nagwa war heute wieder zum Putzen da. Beim Abendessen haben wir uns lang unterhalten. Ich konnte ihr mit meinem rudimentären Wissen rund um den zweiten Weltkrieg und in stockendem Englisch die Schrecken des Holocaust schildern und ihr sagen, warum man als Deutscher nicht gerne wegen Hitler gemocht wird.
Hitlers "Mein Kampf" (in der arabischen Übersetzung) ist hier übrigens eine gern gelesene Lektüre. Und im Fernsehen wird durchaus mal behauptet, alles was Israel über Hitler erzählen sei erstunken und erlogen. Da war Nagwa natürlich überrascht, einmal die andere Seite der Geschichte zu hören. Vor allem als ich ihr hochdramatisch klar gemacht habe, dass Hitler - würde er noch leben - alle Muslime killen würde, weil sie auch nicht zur Herrenrasse gehören. Im Lauf des Gesprächs habe ich beschlossen, dass ich Nagwa "Schindlers Liste", "Das Leben ist schön" und "Das Tagebuch der Anne Frank" besorgen werde - sozusagen als emotionale Aufklärung (wenn schon nicht wissenschaftliche). Und am Ende waren wir uns zumindest in einer Sache sehr einig: Hitler war verrückt und was er getan hat ein riesiges Verbrechen.
Zwei Wortschöpfungen von Nagwa müssen hier jetzt doch einmal festgehalten werden, weil ich sie so schön fand: "The body's self-defense army" (= Immunsystem) und "Cemetery for garbage" (= Müllhalde). Beides hat natürlich mit Hiltler überhaupt nichts zu tun - aber es passt so gut in den Titel (und erinnert an Harry Potter, dessen Plot ja bekanntlich auch was mit den Ereignissen im dritten Reich zu tun hat).
Hitlers "Mein Kampf" (in der arabischen Übersetzung) ist hier übrigens eine gern gelesene Lektüre. Und im Fernsehen wird durchaus mal behauptet, alles was Israel über Hitler erzählen sei erstunken und erlogen. Da war Nagwa natürlich überrascht, einmal die andere Seite der Geschichte zu hören. Vor allem als ich ihr hochdramatisch klar gemacht habe, dass Hitler - würde er noch leben - alle Muslime killen würde, weil sie auch nicht zur Herrenrasse gehören. Im Lauf des Gesprächs habe ich beschlossen, dass ich Nagwa "Schindlers Liste", "Das Leben ist schön" und "Das Tagebuch der Anne Frank" besorgen werde - sozusagen als emotionale Aufklärung (wenn schon nicht wissenschaftliche). Und am Ende waren wir uns zumindest in einer Sache sehr einig: Hitler war verrückt und was er getan hat ein riesiges Verbrechen.
Zwei Wortschöpfungen von Nagwa müssen hier jetzt doch einmal festgehalten werden, weil ich sie so schön fand: "The body's self-defense army" (= Immunsystem) und "Cemetery for garbage" (= Müllhalde). Beides hat natürlich mit Hiltler überhaupt nichts zu tun - aber es passt so gut in den Titel (und erinnert an Harry Potter, dessen Plot ja bekanntlich auch was mit den Ereignissen im dritten Reich zu tun hat).
Montag, 11. Januar 2010
Yoga mit Ralf
"Hier einen Moment verweilen, dann erneut beginnen!" - Die Acht Bewegungen der Wirbelsäule scheinen mir doch irgendwie mehr als acht Bewegungen zu sein! Immerhin ist meine DVD mit Ralf Bauer, der gestylt wie Daniel San - und umgeben von vier gleich gekleideten Frauen - in der Wüste den Yogi-Meister gibt. Wer in sich das Bedürfnis verspürt, sein Yoga mal wieder aufzufrischen: "Yoga mit Ralf Bauer - 1 + 2" (ja, ich habe mir beide Teile gegönnt) ist wirklich kein Fehlkauf! Sehr entspannend. Selbst wenn man nur - wie ich gerade - zusieht. JA! Ich bin selbst für Yoga zu unfit. Schon erstaunlich wie schnell man das Fitnesslevel einer Stampfkartoffel erreicht - und wie hart es dagegen ist, auch nur ein wenig Kondition zu halten.
Freitag, 8. Januar 2010
Wie schwer kann das schon sein? Teil 1001 - Kofferschlösser reparieren
Wieder einmal hat sich meine Theorie bestätigt: Nichts ist wirklich Raketenwissenschaft - und Kofferschlösser reparieren ist gar nicht so schwer, wie man denkt. Und so begann meine 20-minütige Karriere als Schlösserdoktor.
Chris (gereizt): Beim kleinen Koffer ist jetzt auch das Schloss kaputt.
Ich (genervt): Was hast du jetzt schon wieder gemacht? Neulich ging es noch!
Chris (noch gereizter): Ich hab gar nichts gemacht. Es geht einfach nicht mehr.
Ich: Schau halt mal im Internet nach, vielleicht ist das ein übliches Problem mit den Titan-Zahlenschlössern.
Vorgeschichte: Einer unserer anderen Titan-Koffer ging neulich auch nicht mehr auf. Der steht jetzt verschlossen in Deutschland, bis wir wissen, wie wir ihn öffnen, ohne ihn zu zerstören. Wenigstens ist das jetzige Problem nicht ganz so schlimm. Der Koffer ist geöffnet und nicht geschlossen. Im schlimmsten Fall kann er mit Vorhängeschloss benutzt werden...
Während Chris im Internet nachschaut, übe ich mich als Schlossknacker und versuche herauszufinden, ob man wirklich Geräusche hört, wenn man die richtige Zahl eindreht. Ich glaube Geräusche zu hören - aber das Schloss geht trotzdem nicht auf.
Chris findet inzwischen heraus, dass das Personal am Flughafen Generalschlüssel für TSA-Schloss-Koffer hat und die Tatsache, dass das Schloss nicht mehr aufgeht, ein Hinweis dafür sein könnte, dass der Koffer vom Zoll geöffnet und dabei irgendwas im Schloss verschoben wurde. Weiter findet er heraus, dass man aus diesem Grund auf Flugreisen das Zahlenschloss gar nicht erst schließen soll.
Ich verliere die Lust am Safeknacker-Dasein und beschließe: Was angeschraubt wurde, kann auch abgeschraubt werden. Ehe ich das Innenfutter des Koffers aufschneiden kann, sehe ich Gott sei Dank den großen Reißverschluss in der Mitte und benutze diesen, um ans Schloss zu kommen.
Ich schraube also das ganze Teil ab. Natürlich haben wir nur scheiß Schraubenzieher, die sich mitdrehen. Die schwerste Schraube lasse ich darum Chris mit brachialer Gewalt aufdrehen. Ergebnis: Das Schloss springt auf - und das ganze Innenleben des Schlosses heraus.
Ich (entnervt): Na toll! Jetzt kriegen wir das nie wieder zusammen.
Chris (sehr gereizt): Ich hab gar nichts gemacht, es sind Federn drinne.
Ich (kämpferisch): Mal schauen, vielleicht kann ich es nochmal zusammenbauen.
Und ich weiß nicht wie, aber 20 Minuten später hab ich das Schloss mit allen Rädchen und Federn wieder zusammen gehabt und zwar so, dass man es wieder öffnen und schließen kann! Mit der neuen Zahlenkombination 888. Da der Erfolg dieser Aktion zugegebener Maßen etwas unwahrscheinlich war, musste ich diese Leistung gleich mal in einem Blog-Eintrag festhalten. :-)
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