Wie wir gerade aus einem Reiseführer (1) erfahren, gibt es Experten, die behaupten, dass Jesus in Alexandria war, weil dort zu seiner Zeit die größte jüdische Gemeinde lebte. Das verändert natürlich gleich mal das Lebensgefühl. Vielleicht hat Jesus dasselbe Meer gesehen wie wir jetzt? Obwohl, man sieht ja nie dasselbe Meer. So wie man auch nie dasselbe Alexandria sieht. Hier ist alles im Fluss - ständiger Umbruch und vor allem Abbruch scheint Alltag zu sein. Irgendwie gleicht Alexandria darin dem Meer, an das es gebaut wurde: Wie bei den Wogen des Meeres unternimmt man nichts, um die Schönheit des Moments einzufrieren bzw. zu erhalten, sondern man überlässt alles dem Gang der Dinge. Wenn der Zenit eines Gebäudes überschritten ist, verwittert es. Anstatt das alte Haus zu renovieren, baut man einfach ein neueres, schöneres direkt neben die Ruine. So stehen die schönsten Häuser neben reinsten Schutthalden. Als Europäer steht man verständnislos vor sich hinbröckelnden Häusern im Kolonialstil, die bei uns ein Vermögen wert wären. Hier wartet man nur ab, dass sie endlich in sich zusammenstürzen, damit man was Neues errichten kann. Oft liegt der vergammelte Zustand der Gebäude aber auch daran, dass sich wegen der Mietpreisbindung aus König Faruks Zeiten, kaum ein Hausbesitzer um Instandsetzungsarbeiten kümmert. Mir gefällt das Zitat aus Jobbins‘ Reiseführer: „‘Alexandria, you will be told by former generations of Egyptophiles, is not what it was.‘“ (Leonard Cottrell). Stimmt, das ist es nicht! Aber es könnte passieren, dass Sie Alexandria genießen, wenn Sie aufhören nach Geistern zu suchen.“
Quelle:
(1) Jobbins, Jenny et. al. 2006. Alexandria and the Egyptioan Mediterranean. AUC press, Cairo.
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