Freitag, 25. Dezember 2009

Merry Christmas, everyone

Dieses Jahr war Weihnachten nicht ganz so idyllisch wie sonst - dafür fehlte hier einfach die übliche Weihnachtsstimmung. Wir haben dennoch das Beste aus unserem ersten Weihnachtsfest außerhalb Europas gemacht: Wir waren mit Freunden im Stefano's essen. Aber natürlich haben wir keine Minute die Menschen vergessen, die uns am Herzen liegen. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten euch allen!


Zumindest im Restaurant war alles schön weihnachtlich geschmückt. Der Baum war übrigens echt!


Und das sind Mimi und Ehab - unsere zwei neuen Freunde.


Hier noch eine kleine lustige Impression aus den Schaufenstern Alexandrias. In Ägypten weiß man, worum es bei Weihnachten vor allem geht ;-)

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Aisa bizza

Habe heute das erste Mal auf Arabisch bei Domino's Pizza bestellt - und ich wurde verstanden! Erst als es Probleme mit meiner Telefonnummer gab (ziffre - wachet - tessa - tessa - sitta - sitta - etniin - wachet - etniin - arbar) musste ich passen. 
Immerhin: Meine Arabischlehrerin Heba wäre ganz stolz auf mich, wenn sie das wüsste. Habe ich schon erwähnt, dass ich in meiner ersten Klausur ein A bekommen habe? In diesem Sinne: Ma'asalama. :-)

Montag, 14. Dezember 2009

Encore une fois - Monatsexamen

Es war mal wieder soweit: Das monatliche Examen wurde geschrieben. Es zeichnen sich erste Erfolge ab! Fast alle Kinder haben die Examensregeln befolgt (Blatt nicht vorzeitig umdrehen etc.), es kamen nur wenige Fragen, noch weniger verzweifelte Blicke - und in jeder vierten Klasse haben nur maximal zwei Kinder geheult. 
Anders die Lage in den fünften Klassen. Fast die Hälfte hat geheult und kaum einer konnte was mit dem Wort konjugieren anfangen, obwohl wir die letzten zwei Wochen kaum was anderes gemacht haben. Ach, es ist nicht so einfach, das Lehrerdasein. Vor allem arbeitsintensiv. Auf mich warten erst einmal 140 Schülerarbeiten, die korrigiert werden sollen - bis morgen, versteht sich.

Sonntag, 29. November 2009

Rätsel der Woche

Mit etwas Verspätung hier noch ein kleines Fundstück. Gesehen, belächelt und abfotografiert in der City Star Mall in Kairo. Wer meint zu wissen, was das Plakat seinem Leser sagen möchte, darf seine Interpretation des Textes gerne als Kommentar hinterlassen.



Ich geb Gas, ich geb Gas!

29. November 2009


Zwar gibt es in Ägypten Strom - und billigen noch dazu -, aber er fällt oft aus. Deswegen kochen hier alle mit Gas. Und das macht besonders viel Spaß, denn es brennt so schön. Seit mein Herd dank der vereinten Anstrengungen von Nagwa (unserer Putzfrau), mir und zwei Flaschen voll Fettlöser benutzbar ist, übe ich mich deshalb fleißig im Kochen mit Feuer. Die Zeiten von griechischem Salat mit Fetakäse gehören deshalb vorerst der Vergangenheit an. 
Nach ersten Anfangsschwierigkeiten (der Henkel eines Topfes ist mir abgeflackert und heute kokelte der Topflappen - als meine Hand drin steckte!), komme ich mit der neuen alten Technik inzwischen zurecht. Nagwa musste mir zwar den Sinn des Stromkabels am Herd erklären (der ist nur für das Licht!), aber den Rest hab ich selbst rausgefunden (viel gab es da ja nicht rauszufinden). Den Ofen muss ich noch einweihen - aber ansonsten fühle ich mich den ägyptischen Küchengeräten gewachsen. Mittlerweile traue ich sogar der Dichtung in der Gasflasche und drehe den Gashahn nicht jedes Mal wieder zu. Bisher bin ich noch nicht über Nacht erstickt oder habe mich beim Anzünden eines Streichholzes in die Luft gejagt. Mein Überleben sehe ich als Hinweis, dass ich alles richtig mache. Obwohl: Zuviel Vorsicht hat auch noch keinen umgebracht. Vielleicht überlege ich mir das mit dem Gashahn nochmal. Wäre übrigens sehr dankbar über Hinweise, wie man mit Gasherden (uralten Gasherden) korrekt umgehen sollte. Irgendwie habe ich so im Gefühl, dass einem ein Fehler mit einem Gasherd nur einmal passiert. 
Übrigens: Aus aktuellem Anlass wünsche ich euch allen einen schönen ersten Advent!

Bloody Friday

27. November 2009


Wir wurden gewarnt: Geht ja nicht auf die Straße während des Opferfests. Blut, überall Blut! Scheinbar ist meine Vorstellungskraft dank vieler Vampirfilme bereits auf enorme Mengen von Blut konditioniert. Ich befürchtete Szenen wie in Blade 1. Kniehohe Blutlachen auf den Straßen, rote Ströme, die aus den Abläufen der Balkone auf die Straßen ergießen. Hatte gestern bereits Bedenken, ob ich Wäsche auf meinem Balkon zu trocknen soll. Falls über uns geschlachtet wird und Blut auf den Balkon tropft. Und die Realität: Weder waren die Todesschreie von Schafen und Kühen zu hören (vielleicht war einfach das Hupen der Autos zu laut), noch steht in den Straßen das Blut. Außer einem etwa 2 qm großen Fleck sind in unserer Straße überhaupt keine Blutspuren zu erkennen. 

Einige Impressionen zum Opferfest:



Hmm... leckere Schafshaxen. 


Natürlich wird alles von den Tieren genutzt. Deshalb fahren durch die Straßen Eselskarren, die Tierhäute einsammeln.



Wie gesagt: Die Blutströme sind eher Rinnsale. Dennoch: Die Straßen rochen etwas unangenehm. Gut, dass die zahlreichen Katzen bereits dabei waren, die Straßen sauber  zu lecken.

Ein Handwerker im Haus...

25. November 2009


... erspart Abrissarbeiten. 
Heute wurden unsere Klimaanlagen installiert. Und ganz pünktlich noch dazu - nur eineinhalb Monate später als vereinbart! Leider bin ich selbst erst dazugekommen, als die Anlagen bereits an der Wand hingen. Dennoch bekam ich ob der kunstfertigen, allen ästhetischen Ansprüchen genügenden Installation einen halben Herzinfarkt. Im Wohnzimmer (das man hier Reception nennt), hängt jetzt ein weißes Monster, mit einem fetten Schlauch, der ca. 50 cm an der Wohnzimmerwand entlang läuft und dann durch ein schlecht verputztes Loch auf unseren Balkon verschwindet. Dass der Balkon durch riesige Kühlmaschinen verunstaltet werden würde, war mir bewusst. Aber dass der Kondenswasser-Schlauch zu kurz sein würde, um zum Ablauf zu reichen und das Wasser jetzt auf unseren Balkon tröpfelt, das war mir neu. Gott sei Dank ist das nicht unsere Wohnung, sonst hätte ich die mal ganz schön rund gemacht für diesen Dilettantismus. Unser leicht dementer Vermieter (der Chris den ganzen Vormittag über Kriegsgeschichten erzählt hat, obwohl ihm Chris wiederholt und zunehmend verzweifelt in Zeichensprache zu verstehen gab, dass er kein Arabisch verstehe) war jedoch ganz freudig bei der Sache. Daher nehmen wir an, dass die Handwerker für ortsübliche Verhältnisse außergewöhnlich gute Arbeit geleistet haben. Jedenfalls machen die Dinger kühl und warm - und das ist die Hauptsache. 

Wir entspannen Mall

19. bis 23. November 2009


Chris hat sich vier Freiübernachtungen im Intercontinental CityStars in Kairo erschlafen (nein, nicht wie ihr denkt... Für Bonusübernachtungen muss man scheinbar nur oft genug in irgendeinem IC-Hotel geschlafen haben). Also haben wir uns diesen kleinen Luxus gegönnt und sind fünf Stunden nach Kairo gegurkt. Tipp für alle zukünftigen Reisenden: Nehmt den Zug! Die Autofahrt nach Kairo nervt. Man steht nur im Stau, schnüffelt Abgase, es wird einem schlecht - und länger als mit dem Zug dauert es auch noch. Und es ist ungefähr fünfmal so teuer. Ich weiß auch nicht, warum wir mit dem Auto gefahren sind. 
Das Hotel war super. So toll, dass wir es nur verlassen haben, um zum Japaner zu gehen. Soghun - sehr empfehlenswert... und wir wissen, wovon wir sprechen. Wir waren in vier Tagen fünfmal dort... Chris fand das allerdings nicht so lustig *g*.
Außerdem waren wir im Kino („2012“) und sind durch die größte Mall Kairos gestiefelt. Vier Tage lang. Und wir haben es nicht bereut. Ein kleines schlechtes Gewissen hab ich allerdings schon. Wir alten Kulturbanausen. Aber die Pyramiden haben wir ja schon letztes Jahr gesehen. Kennt man eine... 


Hier stehen wir vor der einzigartigen Kulisse einer der großartigsten Attraktionen, die die Weltmetropole Kairo ihren Besuchern zu bieten hat.


Und das ist unser Hotel 
(habe ich schon erwähnt, dass es fünf Sterne hat?)



Bereits die Empfangshalle ist pompös. Aber wenn schon, denn schon!



Zum Frühstück begaben wir uns in unsere Club-Lounge.



Und der Blick auf den Pool war fantastisch. Leider waren uns knappe 23 Grad Außentemperatur doch etwas zu kalt zum Baden.

Juche - ich komm ins Fernseh

18. November 2009


Die Lösung für den Unterrichtsausfall ist gefunden: Wir machen Videoaufnahmen, die den Kids geschickt werden bzw. die sie online schauen können. Heute hatte ich meine erste Aufnahme - und ich war so nervös, dass mir doch tatsächlich eine Hand gezittert hat. Dennoch war‘s nur halb so wild. Das Gute an den „Telekolleg-Stunden“ ist: Sie sind nur halb so lang wie die richtigen Stunden. 

Juchu - die Schule ist zu!

12. November 2009


Seit heute sind wir offiziell geschlossen. Zwei Fälle in unserem Gebäude, zwei an der Schwester-Schule. Natürlich bedeutet das nicht, dass wir Lehrer frei haben. Aber es ist schön, in Ruhe arbeiten zu können und sich neu zu organisieren. Vorerst ist bis nach dem Opferfest zu. Allerdings weiß ich immer noch nicht so genau, wann das Opferfest eigentlich ist...

Dienstag, 10. November 2009

Aaaahhh - wir werden alle sterben!

Sie ist da: die Rache der Schnitzel. Heute Morgen wurde ich von Dina mit den Worten begrüßt: „In der Play School ist gestern ein Kind H1N1-positiv gewesen. Diese Klasse ist ab heute dicht. Beim zweiten Fall von Schweinegrippe wird die Schule geschlossen.“
Scheinbar war die Angelegenheit auch schon groß in den Nachrichten. Auf dem Schulhof: eine klaffende Lücke, weil die ganze Klasse abwesend war. Wenn das mal nicht Verdacht erregt. Nach der kleinen Pause wurde dann erstmals auch die Lehrer aufgefordert einen Mundschutz zu tragen. Und zur Sicherheit hat man auch den Kindern noch mal Masken in die Hand bzw. ins Gesicht gedrückt. Da es sowieso schon kein Geheimnis mehr war, habe ich - als mich die Kinder also fragten, ob wir Schweinegrippe in der Schule hätten - genickt. Ein schwerer Fehler. Die ersten fingen an zu kreischen, in der Klasse rumzurennen und zu plärren „We will all die!“ Dina kam sofort und sagte: „Miss Andrea is joking.“ - und sie klärte mich darüber auf, dass wir den Kindern natürlich nichts erzählen dürfen, weil sonst Panik ausbricht. Ich ruderte also zurück. Als mich die Schüler erneut fragten, sagte ich, dass wir die Masken bekommen hätten, weil vielleicht Leute vom Ministerium kommen (was ja auch stimmt) - und bis dahin tragen wir Lehrer die Masken so (und hab mir das Ding auf den Kopf gesetzt). Das fanden die meisten komisch und wir konnten mit dem Unterricht beginnen. 
Nach der großen Pause wurden die Reihen lichter. Eltern evakuierten ihre Kids "unauffällig" - zwar brachte uns das in Erklärungsnot, aber es ließ den Unterricht auch sehr angenehm werden , da plötzlich die Gruppen angenehm klein waren. Seltsamer Weise blieben in den meisten Klassen die ungezogenen Kinder weiter in der Schule - vielleicht wollten die Eltern ihr Glück versuchen? Okay, das war jetzt arg. Ich muss hier auch mal was Gutes über meine Gören erzählen. Sie haben sich echt zum Positiven gewandelt! Heute war beispielsweise der erste Tag, an dem ich selbst in meinen beiden schwierigen Klassen richtig Spaß hatte!
Nach dem Unterricht hab ich also direkt mal ein Experiment gestartet: Ich hab auf meine Maske einen Mund mit Vampirzähnen, Nasenlöcher und roten Bäckchen gemalt, hab sie aufgesetzt und bin den Flur entlang gestiefelt. Jetzt bin ich mal gespannt, ob morgen die ersten Kinder mit bunten Masken kommen. Falls die Schule dann noch offen ist. Jedenfalls überlege ich schon, ob ich den Kids den Schweinegrippe-Song beibringe: „Kein Schwein steckt mich an. Keine Sau infiziert sich bei mir.“ Das hebt bestimmt die Stimmung! :-)


Mittwoch, 4. November 2009

She walks in beauty... like the beast

Eines der besten Dinge an Alexandria ist, dass ich hier als exotische Schönheit gelte. Besonders an Tagen, an denen man total zerfleddert vor sich hin schlappt (wirres Haar, zerknitterte Kleider, staubige Brille mit schmierigen Sichtfensterchen, versiffte Schuhe, weil man mal wieder durch ein riesiges Wasserloch waten musste), fühlt es sich an, als wolle einen die ganze Stadt verarschen. Mädchen, die mich mit glasigem Blick und wirrem Grinsen anhimmeln. Kinder, die Fotos mit mir machen wollen. Männer, die mit einem halb geflüsterten „so beautiful“ fast ehrfürchtig an mir vorbeigehen. Schülerinnen, die sich meine Haare wünschen - selbst, wenn sie gerade wie ein Mop aussehen. 
Auch wenn mittlerweile die „Welcome to Egypt“-Rufe ein wenig lästig werden: Ich fühle mich noch immer sehr willkommen. Und wenn dann ein Autofahrer höflich bremst, um der attraktiven Ausländerin im mörderischen Verkehr eine Überlebenschance zu geben, dann weiß man die „power of attraction“ wieder zu schätzen. Natürlich gibt es auch jene, die Gas geben, sobald ich die Straße betrete. Aber das kommt eher selten vor und ich nehme es nicht persönlich. Wie heißt es doch so tiefsinnig auf einem Plakat in unserer Schule „You have to take the bad with the good“.
Was die Arbeit betrifft, muss ich sehr viel „bad“ für das bisschen „good“ hinnehmen. Aber ich mag die kleinen Monster inzwischen irgendwie. Auch wenn heute mein spezieller Freund Adham Mohamed mit zerknülltem Papier nach mir geworfen hat. Seine kongeniale Ausrede: „Ich habe versucht den Papierkorb zu treffen.“ (Irgendwie kommt mir die Ausrede bekannt vor - nur das ICH damals wirklich meinen Schwarm Jan treffen wollte und nicht das Haar der Englischlehrerin). Dass der Papierkorb in einer anderen Ecke stand als ich, schien Adham dabei nicht zu irritieren. Mich aber schon. Dafür sitzt er am Sonntag mit mir Strafe anstatt in den Sportunterricht zu gehen. Ebenso wie mein zweites Schätzchen Brillen-Youssef, der immer laut und aufständisch ist. Und so ist das Gleichgewicht in der Welt wieder hergestellt. Spätestens dann werden beide ihr „I‘m sorry Miss!“ auch wirklich ernst meinen.

Work, work, work

30. Oktober 2009


Die Arbeit nimmt am Monatsende leider kein Ende. Die ersten Tests wurden am Dienstag und Mittwoch geschrieben. Für mich bedeutet das: Ich musste ca. 200 Arbeiten korrigieren und zensieren. Korrigiert ist mittlerweile alles - und die Kinder wussten leider weniger als erhofft. In der Klassenstufe 4 muss wohl ein Vokabeltest geschrieben werden, damit sich die Kids verbessern können. Einige hatten bei „Stelle dich kurz vor“ doch tatsächlich die drei Zeilen darunter mit „Stelle dich vor, Stelle dich vor, Stelle dich vor“ vollgeschrieben. Dabei hatte ich ausführlich auf Englisch erklärt, was zu tun sei. Andere haben gar nichts geschrieben - überhaupt nichts (außer ihren Namen). Etwa zehn Kinder brachen in Tränen aus und waren nicht mehr zu beruhigen. Vielleicht hätte ich doch keine Schreibschrift als Schriftart wählen sollen... 
Drei Eltern haben bereits in der Schule angerufen, weil der Test zu schwer war. Natürlich die Eltern der Kinder, die überhaupt nicht zugehört haben, als ich erklärte - und sogar währenddessen den Unterricht so sehr störten, dass ich in zwei Klassen den Test vorzeitig einsammelte, weil die Kinder zu laut waren (worüber ich die Erzeuger gleich mal am Telefon ausführlich aufgeklärt habe... was wortreiche Entschuldigungen über das Verhalten ihrer Sprösslinge hervorrief). Irgendwie sind Kinder sehr schwer einzuschätzen. Der Test der Klasse 4 kam mir beim Aufsetzen so leicht vor, dass er mir fast peinlich war. Beim Test der Klasse 5 hatte ich bedenken, ob die Kinder das in einer Stunde schaffen. In real life waren die Viertklässler sichtbar überfordert - und die Fünftklässler zum Großteil in zehn Minuten fertig. Zum Lehrersein gehört vor allem eines: viel Erfahrung!

Workshop mit Hindernissen

22. bis 24. Oktober 2009 


Ein Workshop! Yippie! Drei Nächte durfte ich in der ägyptischen Hauptstadt verbringen und alles Nützliche zum „Deutschen Sprachdiplom“ erfahren. Natürlich war die Reise mit kleineren Hürden ausgespickt. 

  • Für mich war irgendwie kein Hotel da gewesen. Also musste ich mich allein um ein Zimmer kümmern (wobei mich Barbara unterstützt hat). Als einzige war ich im Hotel Longchamps untergebracht - wie sich später herausstellen sollte, eine glückliche Fügung. Denn die Besitzerin war super nett und ich brauchte nur fünf Minuten zum Gebäude des DAAD, wo unser Workshop stattfand.
  • Ich hatte meinen Personalausweis mit - nicht meinen Reisepass (was mir natürlich erst kurz vor Kairo auffiel). 
  • Ich hatte den Zettel mit dem Namen meines Hotels in meiner Schultasche vergessen. Immerhin hatte ich die Telefonnummer. So konnte der Taxifahrer zumindest eine Wegbeschreibung bekommen.
  • Ich hatte nur 30 L.E Bargeld mit - und meine nutzlose Kreditkarte (die, mit der ich kein Geld abheben kann, weil ich die PIN nicht habe... die andere hatte ich zu Hause liegen lassen).

Nachdem wir Barbara und ihren Serge am Hotel Pyramisa abgesetzt hatten, fuhren Fahrer Ahmed und ich zu meinem Hotel. Ich war der Annahme, es heiße President (weil der Mann am Telefon immer davon sprach). In Wahrheit wollte er uns nur mitteilen, dass das von uns gesuchte Hotel nur wenige Minuten vom Hotel President entfernt ist. Das hatten natürlich weder der Fahrer noch ich verstanden. Ich wurde also im Hotel President abgesetzt, verabschiedete mich von Ahmed und ging glücklich ins Hotel - nur um festzustellen, dass man dort meinen Namen nie gehört hat. Ob ich vielleicht im „New President“ untergebracht sei (nur eine Tür daneben). Mir fiel direkt ein Stein vom Herzen und ich schleppte Sack und Pack zum „New President“ - wo man mich auch nicht kannte.
Verzweifelt sprach ich mit vor Panik gebrochenem Englisch auf ihn ein. Wir hätten doch gerade eben telefoniert! Der Fahrer sei jetzt weg und ich wüsste nicht, wo ich sei. Ich zeigte dabei auf die Nummer auf meinem Handy. Der nette Mensch an der Rezeption klärte mich darüber auf, dass das nicht die Nummer dieses Hotels sei. Also rief ich nochmal an - um festzustellen, dass ich im falschen Hotel war. Ohne Geld, ohne Auto, in einem fremden Moloch... mir wurde ganz mulmig. Ich gab das Telefon an den netten Menschen, der mir eine Karte zeichnete und meinte, dass ich nur fünf Gehminuten von meinem Hotel entfernt sei. Irgendwie glaubte ich das nicht so ganz, machte mich aber dennoch mutig auf den Weg. Ich mit meinem Koffer, allein durch das Dunkel Kairos (zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich mich in einer besseren Gegend befand... in Gedanken stellte ich mich schon auf etwaige Straßenkämpfe ein). Nach ein paar Minuten sah der Straßenverlauf nicht mehr ganz so aus, wie eingezeichnet. Also bat ich einen Polizisten um Hilfe. Dann kam ich ins Zielgebiet, aber es waren keine Hausnummern an den Häusern. Erneutes Nachfragen half erheblich weiter und ich fand ca. 10 Minuten nachdem man mich am falschen Hotel abgesetzt hatte, das richtige. Ich wurde sehr freundlich begrüßt - und das Sandwich gegen den Hunger ging aufs Haus. Der Mann an der Rezeption war sehr nett. Allerdings offenbarte er mir, dass er mir kein Zimmer geben könne, weil ich meinen Reisepass nicht mithätte. Ich schaute ihn sehr erschrocken an und brabbelte nur noch was vor mich hin. Als er merkte, dass ich das jetzt wirklich sehr ernst nahm, klärte er mich darüber auf, dass er nur einen Scherz gemacht hätte und sagte mir, ich solle mich beruhigen. Komisch fand ich das nicht wirklich, aber erleichtert war ich ungemein. 


Der Workshop war interessant. Vor allem der Austausch mit anderen Lehrern aus Ägypten und dem Libanon. Allen ergeht es wie uns hier. Und selbst die von Deutschland gesendeten Lehrer haben bereits nach Tag drei darüber nachgedacht, wieder nach Hause zu gehen. 


Zamalek ich übrigens richtig toll. Dieser Stadtteil Kairos wirkt so normal, dass man dorthin immer wieder gerne geht! Und ich hab einen super Buchshop gefunden - allerdings kamen mir die Preise etwas teuer vor. Und ich war ja ohne Geld unterwegs, also hab ich nur geblättert. Und wenn ich dorthin nochmal gehe, dann natürlich nur ins Longchamps - nicht nur, weil man dort Deutsch spricht, sondern vor allem, weil Frau Hebba so nett zu mir war (und diese Werbung hat sie sich wirklich verdient!).

Freitag, 9. Oktober 2009

Home sweet home!

Endlich, endlich gehören auch wir nicht mehr zu den "Obdachlosen". Seit gestern sind wir stolze Mieter im Sheraton Building 4 und genießen vom Balkon aus die schönsten Seiten von Alexandria.


Doch wie alles Gute kommt auch die neue Wohnung mit einem Haken: Sie ist total verlottert. Jetzt darf ich mein Wochenende erst einmal putzend verbringen - und das, obwohl ich die Erholungszeit dringend gebraucht hätte. Eine Woche Lehrerin sein hat meine Stimme schon so stark angegriffen, dass ich seit gestern etwas heiser bin. Ich hoffe inständig, dass sich die kleinen Monster nächste Woche besser benehmen...


Sobald das Apartment in vorzeigbarem Zustand ist, gibt es natürlich sofort Bilder! ;-)

Montag, 5. Oktober 2009

Den letzten fressen die Kinder!

Selbst die Schweinegrippe konnte ihn nicht verhindern: den ersten Schultag. In Ägypten sieht der - wie man sich denken kann - etwas anders aus als in Deutschland. Ich wurde gewarnt. Aber wie immer hat mich die Realität trotz aller Warnungen eiskalt erwischt.


Ein kurzer Abriss der Ereignisse:


6 Uhr. Der Wecker reißt mich aus dem unruhigen Schlaf. Das nächtliche Gehupe weckt die niedersten Instinkte in mir. Ich möchte mich bewaffnen und jedem einzelnen Störenfried den Garaus machen - nur wer einmal Alex bei Nacht erlebt hat, wird diese Aggression verstehen!


6.25 Uhr. Frisch geduscht frühstücke ich erst einmal und bereite mich mental auf den ersten Schultag vor. Zugegeben, etwas nervös bin ich schon. Fünf Stunden vor einer fast 30 Kinder starken Klasse können selbst den Toughsten nachdenklich machen. Nachdenklich kaue ich also vor mich hin...


7.29 Uhr. Pünktlich wie eine Schweizer Uhr trage ich mich in die Anwesenheitsliste ein und hetze ins Lehrerzimmer. Erster Schock: Ich habe die Arbeitsblätter nicht kopiert (wie konnte ich nur denken, ich hätte dafür noch vor Schulbeginn Zeit? Es ist mir ein Rätsel). Dina rettet mich und läuft zum Kopierraum.
Da ich die erste Stunde habe, muss ich die Kinder vom Schulhof ins Klassenzimmer führen. Ich weiß nur eins: Meine Klasse heißt Junior 4 Violet (jaaaaa... alle Klassen haben Blumennamen).


7.35 Uhr. Ich stehe kurzsichtig auf dem Schulhof herum, wage mich letztlich zaghaft vor die Schüler, um den Klassenlisten zu entnehmen, welche Kinder zu mir gehören. Um diesen Satz zu verstehen, braucht man natürlich Hintergrundwissen. Morgens um 7.30 Uhr stellen sich alle Kinder (also knapp 1.000 - momentan sind aber noch nicht alle Kinder in der Schule!) zum Fahnengruß in Zweierreihen hinter ein Schild, auf dem der Name ihrer Klasse steht. 


7.40 Uhr. Langsam dämmert mir, dass auf der Hofseite, die ich inspiziere, nur die dritten Klassen stehen. Etwas verwirrt schaue ich mich um - und bemerke erst jetzt, dass unser Schulleiter Mr. Nabil eine Ansprache hält und ich (anstatt brav bei den übrigen Lehrern zu stehen) deutlich verwirrt in jenem Kreis herumrenne, der sich ehrfürchtig um ihn gebildet hat. Eilig stelle ich mich zur Lehrerschar und entdecke dabei auf der anderen Seite des Schulhofs weitere Klassen. Während Mr. Nabil auf Arabisch spricht, versuche ich mit zusammengekniffenen Augen zu erkennen, welche der gemalten Blumen ein Veilchen darstellen soll. 


7.45 Uhr. Man klärt mich auf, dass Mr. Nabil über die Schweinegrippe informiert und Lehrern sowie Schülern das richtige Verhalten in Zeiten der von Allah geschickten Pandemie nahelegt. Meine Kollegin Heba (sie unterrichtet Englisch) zeigt mir währenddessen die Violet-Klasse. Ich schleiche mich unauffällig davon und stelle mich hinter meine Klasse. Dass es sich dabei wahrscheinlich nicht um die nächsten Einsteins handelt, wird schnell klar, als drei von ihnen beim In-Reihen-Aufstellen über ihre Schultaschen stolpern, hinfallen und fast die restliche Klasse mitreißen. Dennoch: Ihre Tolpatschigkeit rührt mich.  


7.50 Uhr. Eigentlich hätte der Unterricht schon längst beginnen sollen. Wir stehen immer noch auf dem Schulhof. Einer der Schüler steht in der Mitte und schreit Sätze ins Mikrofon. Die restlichen Schüler schreien nach. Dann spielt man endlich die Nationalhymne - in bester Grammophon-Qualität. Die Kinder singen lauthals mit. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.


7.53 Uhr. Ich stehe am falschen Ende meiner Reihe. Die Fluraufsicht scheucht mich nach vorne. Zu den Klängen von Celine Dions „My heart will go on“ (jaaaa - das läuft jeden Morgen, direkt nach der Hymne *g*), gefilmt vom schuleigenen Kameramann marschiere ich mit meiner Klasse hinter den anderen her ins Treppenhaus. Mit Schrecken bemerke ich, dass das Treppenhaus an dieser Gebäudeseite keine Stockwerk-Schilder hat und ich vergessen habe mitzuzählen. Bedauerlicher Weise bin ich hinter einer 5. Klasse hergelaufen, die ihren Raum ein Stockwerk höher hat als der, in den ich sollte. Mit Anhang musste ich also zurück marschieren. Immerhin: Die Kinder haben sofort verstanden, dass wir wieder runter müssen. :-)


8.00 - 9.10 Uhr. Der Unterricht beginnt. Meine erste Doppelstunde. Vorstellungsrunde (Mein Name ist Frau Andrea. Wer bist du! usw.). Schreck: Die Kinder können sich schon vorstellen und bis 20 zählen - das war der Unterrichtsgegenstand der ersten zwei bis drei Stunden (laut Lehrbuch)! In meiner Verzweiflung habe ich deshalb schon nach 10 Minuten das Arbeitsblatt ausgeteilt. Jetzt zeigten die Kinder erste Überraschung. Ich höre Zwischenrufe à la: Heute gibt‘s schon Arbeit?
Der Lärmpegel in der Klasse nähert sich dem kritischen Level. Ich stehe ruhig vor der Klasse, warte bis Stille einkehrt und versuche mich darauf zu konzentrieren in der Wartezeit Autorität auszustrahlen - mit zweifelhaftem Erfolg. Immerhin: Für ca. 5 Minuten habe ich ihre Aufmerksamkeit. 
Ich lese die Übung vor und lasse wiederholen. Nachsprechen können die Kids nicht schlecht. Leider verstehen sie nicht, was sie sprechen. Beinahe so, als würde man einem gelehrigen Papagei Deutsch beibringen. Immer wieder muss ich auf Englisch erklären. Dabei bemerke ich, dass mein Englisch gar nicht mal so gut ist. In peinlichstem Denglisch rette ich mich über die Runden. 
Schon bald stellt sich heraus, dass mein Arbeitsblatt viel zu leicht ist. In einem Verzweiflungsakt entschließe ich mich für ein nicht geplantes Gruppenspiel. Großer Fehler. Der Lärm nimmt kein Ende. Nachdem jeder ungefähr verstanden hat, was er tun soll, geht es los: Jede Gruppe sammelt so viele deutsche Jungen- und Mädchennamen wie möglich. Wer die meisten hat gewinnt. Namen, die bereits auf dem Arbeitsblatt stehen, sind nicht erlaubt. Einigen sehe ich im Gesicht an, dass sie immer noch nicht verstanden haben, was sie tun sollen. Andere schreiben irgendwelche Namen auf. Ich sage ihnen, dass die Namen deutsch sein müssen. Sie schauen mir an, als käme ich vom Mond. Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist, dass etwa die Hälfte der Klasse trotz aller Widrigkeiten ungefähr weiß, worum es geht. Eifrig sammeln sie Namen. Einer der Jungen fragt mich, ob Ballak ein deutscher Name sei. Ich frage ihn, wie denn Ballack mit Vornamen heißt. Seine Augen leuchten - er schreibt enthusiastisch „Mickle“ auf sein Blatt (ganz falsch ist das ja nicht *g*). 
Die Gruppenarbeit war von Beginn zum Scheitern verurteilt. Meine Regeln waren unklar. Die Kinder waren fassungslos, dass ich Namen, die bereits auf dem Arbeitsblatt standen, nicht habe gelten lassen. Die Empörung war grenzenlos, als ich sagte, dass Namen, die jede Gruppe hat, nur die Hälfte zählten (okay, das hätte ich vorher vielleicht schon sagen sollen - aber zu meiner Verteidigung: Das andere hatte ich gesagt *g*). Team A, das zu Beginn in Führung lag, hat aufgrund des komplexen Regelwerks am Ende doch nicht gewonnen. Karim (Team A) rüttelte aufgeregt an seiner Bank, um auf diese maßlose Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen. Die anderen standen ihm "Why? Why?" schreiend zur Seite.
Eins ist klar: Meine erste Doppelstunde habe ich versemmelt. Ich habe im Chaos sogar vergessen, den Kindern zu sagen, welche Hefte sie zur nächsten Stunde mitbringen müssen. Naja... das nächste Mal wird's besser. Dann steht als TOP 1 an: Es wird umgesetzt, damit die Ruhigen neben den Lauten sitzen.
Ach ja: Aufgrund der Schweinegrippe müssen natürlich Türen und Fenster offen bleiben - und die Ventilatoren ausgeschaltet. Es ist somit noch lauter und heißer, als es ohnehin schon wäre.


9.10 - 9.38 Uhr. Ich rette mich ins Lehrerzimmer und verdaue meine Niederlage. Langsam erinnere ich mich wieder daran, warum ich nie Lehrer werden wollte. Ich suche Trost bei Barbara und Dina.


9.40 - 11.10 Uhr. Auf ins Gefecht! Nächste Doppelstunde. Ich bin wild entschlossen, die Fehler der ersten Stunde nicht zu wiederholen. Es klappt schon besser. Dennoch: Wie zuvor sind die Kinder sehr laut. Als ich zum Vorstellen den Ball auspacke, sind sie wie kleine Hunde ganz aufs Bällchen fixiert. Ich: „Mein Name ist Frau Andrea. Wer bist du?“. Der Ball schafft es nicht immer zur Person, die ich anschaue, weil er vorher von einem fußballbegeisterten Schüler per Hechtsprung abgefangen wird. Die Mädchen sind erstaunlich untalentiert im Fangen. Mir kommen erste Zweifel, ob das eine gute Idee war. Doch wenn der Ball einmal im Spiel ist, muss er auch bei jedem einmal gewesen sein, sonst droht Meuterei.
Wir buchstabieren die Namen der Kinder auf Deutsch. Sie können das Wort „Ypsilon“ nicht aussprechen. Mehrmals muss ich mit ernster Miene vorne stehen und warten, bis Ruhe einkehrt. Immerhin: Die Kinder wollen mitmachen. Bis auf ein paar in den letzten Reihen. Aber die werden das nächste Mal umgesetzt. Ich denke sogar daran, den Kindern zu sagen, was sie zum nächsten Mal mitbringen müssen - und dass bei mir kein Arabisch erlaubt ist. Hausaufgaben hab ich auch aufgegeben (okay, das war vielleicht etwas überreagiert *g*). 
Die Fluraufsicht betritt den Raum und klärt mich darüber auf, dass ich Pausenaufsicht habe. In Zweierreihen gehen wir - einigermaßen geordnet - nach unten. 
Einer der Schüler von der Violet-Gruppe bietet mir ein Chips an. Ein Bestechungsversuch?


11.35 Uhr. Freistunde! Ich entspanne beim Krisengespräch mit Dina, Miriam und Barbara, die mir mit hilfreichen Tipps zur Seite stehen.


12.20 - 13.10 Uhr. WAS? Freistunde schon um? Ich hetze zur nächsten Klasse. Dieses Mal verstärkt durch Miriam, die hospitieren will. Ich versuche schon vorab meine schwache performance zu entschuldigen. Zaghaft optimistisch gehe ich in die Junior 5 Tulip/Rose. Die Klassen unterrichte ich zusammen mit Dina. Sie hat die A-, ich die B-Gruppe. 
Als wir am Klassenraum ankommen, ist die Französischlehrerin noch im Raum. Kaum trete ich ein, redet sie auf Französisch auf mich ein. Ich verstehe nicht wirklich viel. Den Sinn der Worte bekomme ich jedoch mit: Die Kinder sind schrecklich, ich muss mich in acht nehmen. Sie zeigt auf einige Übeltäter in den letzten Reihen. Sofort setze meine strenge, hoffentlich bedrohlich wirkende Miene auf. Gerade will ich ansetzen, die Gruppe zu teilen, als Mahmoud (der Sportlehrer) mit der Französischlehrerin reinkommt. Ehrfürchtige Stille. Mahmoud spricht leise - er erhebt nur einmal seine Stimme. Mir ist klar: Irgendwas Schlimmes ist als Strafe über die Kinder hereingebrochen. Ich vermute, einige dürfen nicht am Sportunterricht teilnehmen (die fürchterlichste Disziplinarmaßnahme, wie man mir sagte). Nach diesem Zwischenspiel sind sie handzahm. Dennoch: Nach dem Teilen der Gruppe setze ich präventiv gleich mal Mädchen neben Jungen und die Störenfriede nach vorne. Es scheint zu wirken. Alle sind viel leiser. Ich denglische vor mich hin. Die Kinder scheinen zu verstehen. Ich wage erste Versuche, nur auf Deutsch zu erklären. Schwierig. Immerhin: Ein paar verstehen mich und dürfen den anderen auf Englisch vermitteln, was ich gesagt habe. Die Einzelstunde ist sehr schnell vorüber. Die Kinder wissen, was sie zum Unterricht mitbringen müssen - ob sie es tatsächlich zur nächsten Stunde dabei haben bleibt abzuwarten. Scheinbar verstehen die Kinder nicht, dass ein Umschlag aus Plastik etwas anderes ist, als ein Heftordner. Immer wieder die Frage, ob man statt des Ordners auch die Portfolios verwenden darf. Nein! In Deutschland wird gelocht. Hier wird deshalb auch gelocht. Wir machen es "the German way". 


13.10 - 13.50 Uhr. Freistunde. Ich fühle mich wie erschlagen. 


13.50 - 14.20 Uhr. Ich hospitiere bei Heba. Ihre Kinder spielen kleine Theaterstücke. Die Kids sind ruhiger, aber auch nicht ganz leise. Erste Hoffnung macht sich breit, dass ich nicht völlig inkompetent bin. Heba brüllt auch hin und wieder. Ich bin beruhigt. Dennoch: Irgendwie muss das doch auch ohne großes Schreien gehen. 
Ein alter Herr (Arabischlehrer?) betritt den Raum und erklärt den Sinn der Präventionspakete (Inhalt: Desinfektionsmittel, feuchte Tücher, Schutzmaske, Seife). Erstaunlicher Weise sind die Kinder wie bei Mahmoud ziemlich still und aufmerksam. Ich bin wild entschlossen, die Kinder soweit zu bringen, dass sie bei mir genauso bin. Die Hoffnung stirbt zuletzt!


Mit geschundener Stimme, etwas zerknirscht, aber mit ungebrochenem Willen mache ich mich in Miriams Begleitung auf dem Heimweg. Wir tauschen Gefechtsstrategien aus. Ob sie was bringen, werden erst die nächsten Stunden zeigen. Abends rufe ich noch Sally an, um ihr die Ereignisse des ersten Unterrichtstages zu schildern. Und Mahmoud ruft an, um nachzufragen, ob ich sauer gewesen sei heute. Ich hätte so angry ausgesehen. Ich erkläre ihm, dass das mein strenges Gesicht gewesen sei. Aus unverständlichen Gründen lacht er. Ich muss unbedingt noch herausfinden, was er zur Klasse gesagt hat. Dann werde ich den Wortlaut memorieren. :-)


Gott sei Dank ist morgen frei. Nationalfeiertag. Den brauche ich auch, um den Praxis-Schock zu verdauen. Lehrer der Welt: GEBT MIR TIPPS! Jeder, wirklich jeder Tipp wird dankbar angenommen.

Mittwoch, 30. September 2009

Happy birthday to me ...

Hallo ihr Lieben,


weil ein Geburtstag so ganz ohne euch doch recht betrüblich ist, schicke ich euch virtuell eine "Vermiss-euch"-Nachricht. Am schönsten wäre mein Geburtstag natürlich gewesen, wenn ich euch alle dabei gehabt hätte. Aber da das nicht ging, musste ich meinen Schmerz mit Luxus betäuben - bei einem erstklassigen Essen bei San Stefano's im Four Seasons bin ich ganz allein älter geworden. Okay, nicht ganz allein, denn Chris hat mit mir angestoßen. Dennoch: Ein Essen zu zweit ist kein wirklicher Ersatz für eine ordentliche Party. Deshalb wir die wird natürlich nachgeholt - spätestens zum 33. :-)


Eure Drea

Mittwoch, 23. September 2009

iWitness

Es war nur eine Frage der Zeit - jetzt ist es soweit: Ich habe mein erstes Unfallopfer gesehen. Ein Junge wurde an der Corniche angefahren.
Den Unfall selbst habe ich nicht mitbekommen. Nur das plötzlich ausbrechende Gebrüll. Dann ein Mob von Menschen, der panisch zur Straße lief und wie ein Mann schrie.
Das Makabere an der Sache: Von erster Hilfe scheint hier noch niemand was gehört zu haben. Anstatt das Kind, dem das Blut aus dem Kopf quoll, notzuversorgen und einen Krankenwagen zu rufen, wurde es direkt von der Straße gezerrt. Der vermeintliche Vater des Kindes lief hektisch erst die Straße hoch (gefolgt vom Mob) und dann wieder die Straße runter (gefolgt vom Mob). Danach habe ich den Sichtkontakt verloren. Man kann nur hoffen, dass sie in ein Auto gestiegen und ins nächste Krankenhaus gefahren sind.
Was ich am Seltsamsten finde: Von all den Frauen, die in der Nähe standen, hatten alle Kopftücher an. Aber keine kam auf die Idee ihr Tuch abzunehmen, um den Blutfluss zu stillen.

Samstag, 19. September 2009

Merkwürdige Beobachtungen

Wenn man sich in Alexandria bewegt und Einheimischen begegnet, fällt einem Vieles ins Auge. Die Frauen - mal bis zur Unkenntlichkeit verschleiert (Vollverschleierungen habe ich bisher nur in den Farben Schwarz und Braun gesehen), mal modisch gekleidet in Islamic Chic (Kopftuch perfekt auf die Kleidung abgestimmt), mal mit offenem Haar. Die Kinder, die meist ganz „europäisch“ gekleidet sind. Hin und wieder begegnet man aber auch kleinen Ausgaben der Erwachsenenversion: Mädchen mit Schleier und Jungen, die ein kuttenartiges Gewandt und Käppi tragen. 
Und obwohl jeder zustimmen würde, dass die Frauen hier durchschnittlich sehr viel sehenswerter als die Männer sind, so sind es doch die ägyptischen Männer, auf die ich am häufigsten neugierig starre. Der Grund ist vor allem das Mal auf der Stirn, das man hier bei vielen sieht. Bei manchen ist es nur ein etwas dunklerer brauner Fleck etwas unter dem Haaransatz. Bei anderen dagegen steht eine vernarbte, dicke Beule hervor. Das Mal kommt vom häufigen Beten. Viele muslimische Männer tragen diesen „zebiba“ (Rosine) genannten Fleck deshalb mit Stolz, weil er zeigt, wie gläubig sie sind und wie eifrig sie beten. Aber ich mache mir so meine Gedanken darüber:


  1. Bei manchen sieht das Zeichen so wüst aus, dass ich inzwischen den Verdacht hege, diese Männer klopfen sich absichtlich den Kopf am Boden auf. Anders könnte es niemals derartige Ausmaße annehmen. 
  2. Warum sieht man das Mal bei Frauen so selten? Okay, es könnte sein, dass all die Frauen mit Totalverschleierung unter ihren Tüchern ebenso wie die Männer aussehen. Genaues weiß man da nicht.
  3. Angeblich erkennt man - wie Sally uns sagte - die extremeren (also streng gläubigen) Moslems an ihrem Aussehen. Mit Vorsicht zu genießen seien die Bärtigen (dabei hat uns schon zweimal ein Bärtiger geholfen, also fremden- oder christenfeindlich sind sie nicht unbedingt). Und schlimmer noch als die Bärtigen seien die ganz traditionell gekleideten Männer (die meist auch eine vermummte Frau im Schlepptau haben): Bart, Käppi, einfache Kutte, darunter eine 3/4-lange Hose und Sandalen. Jetzt aber zwei merkwürdige Beobachtungen: Im Fathalla (dem Supermarkt, der im gleichen Hochhaus ist, in dem Andrea wohnt) sind mir schon mehrmals Männer begegnet, die sehr europäisch aussahen, aber in traditioneller Tracht rumliefen. Ich frage mich, ob eventuell Ägypten ein Land ist, in dem Neu-Konvertierte ihren Islamic-Traum leben. Und mir kommt es seltsam vor, dass diese Traditionalisten fast nie diejenigen sind, die das Gebetsmal auf der Stirn haben. Wenn sie aber durch ihre Kleidung deutlich machen wollen, dass sie sehr konservativ und streng gläubig sind, müssten sie dann nicht erst recht die Male tragen? Oder gibt es einen Grund dafür, dass sie keine bleibenden Zeichen in ihrem Gesicht tragen möchten? Sehr suspekt das Ganze, wenn man drüber genauer nachdenkt. Falls Kommentare kommen: Ich habe hier niemanden einen Sleeper genannt!

Meet the Monster!

14. September 2009


Heute Morgen hatte ich die erste unangenehme Begegnung mit dem Großwild unter den Sechsbeinern: einer gemeinen Küchenschabe - in der ägyptischen XXL-Version. Natürlich kann man so ein Monster nicht mit einem Schuh erledigen. Nicht nur, weil eine Schabe bestimmt nicht so leicht stirbt. Die Kakerlaken tragen auch ihre Eier unter ihrem Panzer. Also ist es der erste Schritt zu einer Invasion, das Tier totzuklatschen. Deswegen hab ich es gemacht, wie ich es auch mit meinen achtbeinigen Freunden zu tun pflege: Ich habe kurzerhand ein Glas über das Tier gestülpt. Da die braunen Biester sehr flott zu Fuß sind, wäre mir Miss Monster fast entwischt. Aber ich war dann doch ein wenig schneller. Nach dem Schnappschuss habe ich sie - mit ein bis acht Stunden Verspätung - den Balkon runtergeworfen. Man sagte mir, Kakerlaken könnten fliegen. Ich hoffe, das stimmt...






Sonntag, 13. September 2009

I‘m not that thumb! - Über den Triumphzug der Technik bei Pharaos

Zuerst einmal eine Anmerkung zum vorherigen Blog-Eintrag: Die Visa-Geschichte ist einwandfrei gelaufen. Wer also ein muliple entry-Visum braucht, kann ruhigen Gewissens wie beschrieben vorgehen.

Heute wurde ich übrigens mit dem neuesten Brüller im ach so technikverliebten Ägypten konfrontiert. Dazu eine kleine Vorgeschichte: In meiner ersten Woche als Lehrerin-Wannabe wurde eine große Sitzung mit allen Eltern und Lehrern der FLS anberaumt - zu der auch Barbara und ich gingen (zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass das Meeting komplett in Arabisch laufen und wir nur ein Zehntel des Gesagten von Sally übersetzt bekommen würden). Dort wurde der aufgeregten Erzeugergeneration stolz die neue Schul-Homepage präsentiert. Ganz nett gestaltet, animiert und mit viel Log-in. Lehrer, Schüler, Eltern - alle sollten jetzt einen eigenen Zugang zur Homepage bekommen und im System Wissenswertes nachlesen können wie: War mein Kind in der Schule? Ist es krank geworden, und wenn ja: Welche Medikamente hat ihm die Schulkrankenschwester verabreicht? Welche Hausaufgaben mein Kleiner heute auf? Und wie steht‘s überhaupt um die Noten unserer Süßen? Man brauchte kein Arabisch zu verstehen, um zu erahnen, dass die Nutzbarmachung dieses großartigen Stücks Technik ein noch großartigerer Verwaltungsakt für jeden einzelnen Lehrer sein würde. Kurz: Mehrarbeit.

Heute nun wurde uns - wieder auf Arabisch, wieder bruchstückhaft von Sally übersetzt - der genaue Umfang dieser Mehrarbeit auseinandergesetzt. Das Meiste war selbsterklärend: Die Monatsnoten sowie die Hausaufgaben und Prüfungstermine würden fortan von den Lehrkräften eingepflegt werden müssen. Die Eintragung der Anwesenheitszeiten jedes einzelnen Schülers - darauf dürfen sich nun täglich die Fluraufsichten freuen. Als nette Extras kann jeder zukünftig Mails verschicken (und natürlich auch erhalten, was bedeutet, man muss Korrespondenz führen). Und man hat ein Profil, das man ausfüllen kann - mit allen persönlichen Daten einschließlich Blutgruppe! Außerdem wird man in nicht allzu ferner Zukunft (also ab Schulbeginn) nachschauen können, wie genau sich das eigene Monatsgehalt zusammensetzt. Dieses berechnet sich natürlich aus An- und Abwesenheitszeiten. Und auch hier sei man in der Zukunft angekommen. Die alte Methode - sich morgens in eine Liste eintragen und sich nachmittags wieder austragen - gehöre schon bald (also ab Schulbeginn) der Vergangenheit an. Der Fortschritt habe nun auch unsere Schule erreicht. Was andere schon längst machen, ein lang gehegter Traum - zumindest des Technikbeauftragten, man konnte es förmlich seinen strahlenden, verträumt ins Weite blickenden Augen ablesen - würde nun auch endlich, endlich bei uns wahr werden: Per Fingerabdruck würde man sich nun in der future school - die dann ihrem Namen alle Ehre machen würde - an- und abmelden. Dank der Konditionierung meines Egypt-Husbands Chris reagiere ich auf bestimmte Schlüsselwörter ganz ähnlich wie der pawlowsche Hund. Beinahe von selbst erhob sich meine Hand und ich stellte vor den verklärt dreinschauenden Ägyptern, die entweder Criminal Minds nicht kennen oder völlig naiv sind, provokativ in den Raum, dass ich dieses Vorgehen für „highly risky“ hielte. Wie es denn um Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz unserer Daten bestellt sei? Ich gipfelte mit der revoluzer-Aussage: Ich möchte meine Fingerabdrücke nicht abgeben! Dafür erntete ich nicht etwa zustimmendes Gemurmel oder gar tosenden Applaus. Völliges Unverständnis schwappte mir entgegen - nicht nur vom Technikbeauftragten, auch von meinen Kolleginnen, die mich wohl zukünftig nur noch the P.G. ("the paranoid German") nennen werden. Aber das ist mir egal. Ich gebe gerne alles und - wie mehrere unabhängige Quellen bestätigen werden - auch sehr freizügig her: meinen Namen, meine Bankverbindung. Aber bei biometrischen Informationen, die an irgendwelchen Tatorten wie durch Zauberhand auftauchen könnten - und das in einem Land, wo man für weniger als einen Fingerabdruck an einem Tatort sein Leben lang im Knast sitzen kann - da hört es auch bei mir auf.
Nachdem ich mehrfach betont hatte, dass ich nicht gewillt sei, meine Fingerabdrücke herzugeben, wurden wir an unseren Chef Mr. Nabil verwiesen, mit dem wir absprechen sollten, ob wir nicht auch per Karte ein- und ausstechen könnten. Ich war beruhigt und überließ Barbara das Wort, die nachfragte, ob es im neuen System auch einen „fictional classroom“ geben würde (Sie meinte einen „virtual classroom“ - aber da sie die Frage stellte, als der Technikbeauftragte uns gerade erklären wollte, wie wir die Hausaufgaben ins System einpflegen sollten, hätte auch die Verwendung der korrekten Vokabel wenig genutzt. Er blickte in unsere Richtung als hätten wir Deutsche sie nicht alle, während ich Barbara diskret zum Schweigen brachte.)

Dienstag, 8. September 2009

Passgeschichten

Einfach zum Passamt gehen und ein Visum bekommen? Richtig. Da fehlt ein „zu“ - denn wie überall auf der Welt möchten es einem die Ämter und Beamten in Ägypten nicht "zu einfach" machen, im Land zu bleiben. Erst einmal dauerte es eine ägyptische Viertelstunde (also ungefähr eine Woche), bis überhaupt jemand von der Schule mit uns zum departement of immigration gehen konnte. Osman - unser vermeintlicher Begleiter - wurde uns mehrfach angekündigt und kam doch nie. Bis vorgestern. Da stand er plötzlich nach Arbeitsschluss an Sallys Auto, um uns zu sagen, dass es Dienstag losginge. Etwas verwirrt, warum wir nicht mit den anderen Deutschen aus der Nachbarschule fahren würden, war ich schon. Gott sei Dank konnte mich Andrea vorab ausführlich briefen. Denn unsere Vorgängergruppe, die gestern schon beim Passamt war, hatte direkt Probleme - und mussten deshalb mehr als zwei Stunden in der Behörde verbringen. Eine der Lehrerinnen hatte im Februar nur eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen - aber kein muliple entry-Visum. Das wusste sie jedoch erst, als sie am Schalter stand und einen Anschiss bekam, warum sie - ohne sich abzumelden - das Land verlassen habe. Weil Ahnungslosigkeit vor Strafe noch nie geschützt hat, musste sie 150 L.E. Strafe bezahlen.
Andrea hat mir also heute Morgen nochmal eingebläut: „Verlange das multiple entry-Visum. Du musst zwei Formulare ausfüllen und zweimal bezahlen. Gehe nicht weg, bevor du das gemacht hast.“
Unser Begleiter war dann nicht - wie versprochen - Osman, sondern Mohammed, dem man am Gesicht ablesen konnte, dass er keine Ahnung von nichts hat. Das Gute war, dass er zusätzlich unsere Sprache nicht sprach. Und das Beste: Englisch konnte er auch nicht. Nett war er - aber mit Nettigkeit kommt man in Ämtern nicht weiter. Ich ahnte schon, dass der gute Mohammed die Ereignisse des Vortages nicht im Langzeitgedächtnis gespeichert hatte - und schnappte mir kurzerhand vor der Abfahrt Osman, dem ich nochmal „mulitple entry-Visum“ ins Gehirn hämmerte. Während er diese Message an Mohammed auf Arabisch weitergab, blieb ich sicherheitshalber neben ihm stehen. Nur um mit eigenen Ohren zu hören, dass die Botschaft unseren Begleiter auch erreichte. Dessen Kurzzeitgedächtnis ist - wie sich herausstellte - leider auch nicht das beste. Am Schalter der Behörde hatte er den Sonderauftrag schon wieder vergessen - und seinem leeren Blick entnahm ich, das ihm auch das Wort „multiple entry-Visum“ nichts sagte.
Aber egal. Nachdem ich den ersten Antrag ausgefüllt hatte (mein Passbild wurde schön aufgeklebt), meinen Begleitern Barbara & Serge brav alle Weisheiten von Andrea weitergegeben hatte (bei Religion immer „Christ“ angeben, bei Grund des Aufenthalts immer „Tourist“) und wir diesen abgegeben hatten, ließ ich mich nicht beirren: Ich forderte den zweiten Antrag und wiederholte stur in jedes Schalterloch „multiple entry-Visum“. Endlich schien einer von unserer Hartnäckigkeit genervt genug, um drei Formulare aus seiner Zelle zu reichen. Die waren jedoch nur für eine einmalige Ein- und Ausreise. Wieder kam mir Andreas 3-jährige Erfahrung zugute. Ich schrieb einfach in jede Lücke, die irgendetwas mit Ausreise zu tun hatte, „mulitple entry“. Den Pass bekommen wir morgen. Dann werden wir sehen, ob alles geklappt hat - und falls ja, dann ist dieser blog-Eintrag „good advice“.
Auf dem Passamt machte ich mit einer Gruppe indonesischer Männer Bekanntschaft, die mir einen Sitzplatz anboten (obwohl wir bestimmt weniger lange zu warten hatten, als diese armen Jungs). Youn (oder so ähnlich) kam aus Sumatra und wollte für fünf Monate in einer Fabrik arbeiten. Selbst von den wunderbarsten Inselparadiesen aus kann einen scheinbar die „schöne neue Welt“ locken.
Nach nur gut einer Stunde war schon alles erledigt. Heute war überhaupt ein guter Tag: Mit der Unterrichtsvorbereitung klappte es ebenfalls wie am Schnürchen. Ich habe bereits drei Unterrichtseinheiten geplant. Schwieriger wird es bei der Materialerstellung, denn für all meine Pläne finde ich kaum Bildmaterial. Für hilfreiche Tipps aus den Lehrerriegen wäre ich übrigens sehr dankbar. :-)

Im koptischen Kloster

Hier entsteht ein Blogeintrag....
Hier entsteht ein Blogeintrag...
Mit Bild :-)

Dienstag, 1. September 2009

In den Straßen - der Müll von tausend Jahren

Langsam wird mir klar, warum Ägypterinnen oft Plateau-Absätze tragen. Nicht, weil sie klein sind - sondern, weil es sonst unmöglich ist, mit sauberen Füßen von einem Ort zum anderen zu kommen. Ich habe schon einen Lufa-Schwamm ruiniert, weil ich mir unter der Dusche meine Füße gewaschen habe. Dreck im Lufa-Schwamm lässt sich übrigens ganz schwer wieder auswaschen. *g*
Besonders gegen Abend ist das Schmutzproblem für Europäer sehr gewöhnungsbedürftig. Denn immer morgens wird der Müll abgeholt. In Eselskarren fährt Mann - in Cairo nennt man diese Leute (1) Zabalin (von zibala = Müll) - durch die Straßen, fegt Unrat zusammen und transportiert ihn ab. Und im Verlauf des Tages tun die Anwohner alles, damit sich diese Arbeit auch lohnt. Da aber abends die Leute ausgehen und saubere Bürgersteige haben möchten, wird der Dreck kräftig mit Wasser in die Gosse geschwemmt - und hier bilden sich Schlammlachen von beeindruckenden Ausmaßen und nicht weniger beeindruckenden Gerüchen. Man muss aber nicht unbedingt in einer verdreckten Straße sein, um seinen Teil von der „Kack-o-phonie“ mitzubekommen. Es kann schon passieren, dass einem der böige Meerwind eine müffelige Brise von straßaufwärts mitbringt.
Aber nicht nur Zabalin und arme Leute beschäftigen sich mit dem Müll. Auch unzählige Straßenkatzen. Immer wieder sieht man ganz niedliche Katzenjunge. Die älteren Tiere sehen meist schon etwas mitgenommen aus. Heute hab ich eine gesehen, der ein Auge fehlte. Erstaunlich ist bei der Fülle von Straßenmiezen, dass so wenig Roadkill auf den Straßen liegt. Aber vielleicht werden die auch am Morgen alle weggekehrt. Jedenfalls macht es auf den unwissenden Passanten den Eindruck, die Katzen kämen sehr gut mit dem hohen Verkehrsaufkommen zurecht und wüssten genau, wie sie sich bewegen müssen, um nicht unter die Räder zu geraten.
Kulturnotiz: Wirklich niemals Brot von der Straße kaufen! Okay, ich habe mich bereits bequatschen lassen und von einem Straßenhändler gekauft, weil Andrea meinte, sie mache das immer. Aber heute hab ich gesehen, dass es nicht nur unter hygienisch fragwürdigen Zuständen gefertigt wird - es fällt auch durchaus mal auf den Boden, wenn der Junge, der die Brote dekorativ auf der Auslage sortieren soll, vergisst einen der appetitlich aussehenden Fladen zu fangen. Natürlich stellt die Tatsache, dass Essen auf den Boden fällt, keinen Grund dar, selbiges zu entsorgen. Und wenn man - wie ich neulich - einen Battle-to-the-death beobachtet hat, den zwei Kakalaken gigantischen Ausmaßes (gut, eine könnte bereits tot gewesen sein und wurde von der anderen aufgefressen... so genau habe ich jetzt auch nicht nachgeschaut) auf dem Geheweg ausgetragen haben, dann kann einem schon mal der Hunger vergehen. Also merken: Was auf den ägyptischen Straßen liegt zu essen, das kommt Russisches-Roulett-Spielen gleich!
Kulturnotiz 2: Passfotos werden in Ägypten scheinbar retuschiert, auch wenn man es gar nicht möchte. Aber wenn man für umgerechnet rund drei Euro, fünf Jahre jünger aussieht, dann hat sich das Geschäft gelohnt. Unangenehm war nur, dass als kleines spassiges Extra ein Poser-Bild gemacht wurde (ich konnte abwinken, soviel ich wollte - ich musste!). Das Abbild meiner Person wurde dann digital vor einen Wüstenhintergrund gestellt. Jetzt bin ich im Besitz eines Fotos, auf dem ich - an einen alten schwarzen Stuhl gelehnt - in der Wüste stehe. Auch mal was anderes. Naja... für die Visa-Anträge sind die Passfotos „gschisse guut“, wie man in der Palz sagen würde. Habe ich schon den dekorativen Zierschnitt erwähnt? *g*

Quelle:
(1) Jordicke, D. et al. 2000. Kulturschock Ägypten. Reise Know-how Verlgag: Bielefeld.