Dienstag, 14. Dezember 2010
Mittwoch, 24. November 2010
Drama über den Wolken
Gibt es eigentlich Flüge, bei denen nicht nach einem Arzt gefragt wird? Ich habe noch keinen erlebt! Mehr als einen geschlossenen Raum, den man für eine gewisse Zeit nicht verlassen kann, braucht es scheinbar nicht, damit die schlimmsten Krankheiten zu Tage treten. So auch beim Flug von Alexandria nach Dubai. Komplikation: Kein Arzt an Board! Ungewöhnlich. Die durchschnittliche Ärzterate liegt gewöhnlich bei fünf. Der eingebildete Kranke musste deshalb allein auf die Erste-Hilfe-Kenntnisse des metrosexuellen Flugbegleiters vertrauen. Der Schönling eilte zum Notfall-Kit, bewaffnete sich mit einer Sauerstoffflasche, gab dem Kapitän einen Krisenbericht durch (Patient down, aber noch bei Bewusstsein) - und brachte den halb Dahinsiechenden in eine notdürftige stabile Rückenlage. Mehr war dank enger Sitzreihen auch nicht rauszuholen. Brav hielt er die schwarzbesockten Füße des Kranken, fand beruhigende Worte - und war auch nicht ärgerlich gegenüber dem neugierigen Mob, der sich sofort um das Spektakel gerottet hat. (Okay, ich habe auch einen Blick riskiert *g*). Mir tat der Steward etwas leid, denn es war nicht absehbar, wie lange er die Füße würde halten müssen - und der Flug dauerte noch mindestens zwei Stunden. Am Ende gesundete der Notfall wieder - und geriet auch sofort wieder in Vergessenheit. Nur eine Frage bleibt bestehen: Warum gibt es eigentlich Skymarshalls aber keine Skydoctors? Wer hat denn schon einmal unbedingt eine bewaffnete Person an Board gebraucht? Eben. Skydoctors... wäre doch mal ein wirklicher Wettbewerbsvorteil. Nicht nur in den Lüften, sondern auch, falls man flugbrüchig wird...
P.S.: Ich habe einen neuen Freund gewonnen: Abdul Redh aus Kuwait. In einem endlosen Monolog hat er mir von seinen fünf Kindern, seinem "Häuschen" (12 Schlafzimmer, 8 Badezimmer) - und seinen unzähligen Besuchen in Deutschland erzählt. Er drückte mir seine Visitenkarte in die Hand - falls ich jemals nach Kuwait käme..., versicherte mir, die Deutschen seien die Besten - und fand es lustig, dass wir immer "Scheiße!" sagen. Der Opa war echt herzig, wie er so vor sich hingackerte. Zum Abschied drückte er mich auch mal herzhaft an seine Brust, Küsschen rechts, links und großväterlich auf die Stirn. Naja... weil er so nett war, unterstelle ich ihm mal keine unsittlichen Motive. Obwohl es durchaus ungewöhnlich ist, dass ein muslimischer Mann eine fremde Frau berührt. Aber wahrscheinlich hat er mich tatsächlich für seine jüngere Schwester gehalten: Seiner Meinung nach sehe ich nämlich aus wie 45! WAS?
Mittwoch, 17. November 2010
Salat und Blutbad
Wieder einmal Opferfest - aber dieses Mal war ich dabei. Asmaa (meine Arabischlehrerin) hat mich zu ihrer Familie mitgenommen. Schon um 6 Uhr heute Morgen war ich unterwegs zu ihr. 30 Minuten später war ich voll integriert: Hatte ein Kopftuch an, saß mit den anderen auf der Straße, sah den Sonnenaufgang und wartete darauf, dass das Morgengebet beginnt.
| Definitiv kein Look für die Ewigkeit ;) |
Ich habe sogar mitgebetet. Eigentlich ganz leicht. Die Bewegungen sind einfach. Und weil man sowieso am häufigsten „allahu akbar“ sagt, wirkt es gleich so, als habe man das schon öfter getan.
Im Gegensatz zu ewig langen Kirchenpredigten, war es auch ruck-zuck vorbei. Die meisten Damen erhoben sich sofort und stürmten nach Hause (wohl zurück an den Herd *g*). Wir hörten noch die Predigt (natürlich habe ich nichts verstanden, aber Asmaa hat mir Teile übersetzt). Es ging um Abraham - klar. Schließlich ist die Opferung ja ein Nachspielen dieser Bibel- ähm... Koranpassage. :)
Anschließend hat sich jeder „Kol sana we enti tayeba“ gewünscht. Dann ging‘s weiter zur Frau des Scheichs, die wohl hauptsächlich dafür verantwortlich ist, dass in Asmaas Viertel so viele Frauen Niqab tragen. Allerdings schien sie dennoch sehr beliebt. Und auch mich hat sie zur Begrüßung geknutscht. Natürlich würde ich sie auf der Straße nie wiedererkennen. ;)
Im Gegensatz zu meinen Erwartungen: Auch dieses Jahr kein Blutbad vor den Haustüren. Kein Schaf war zu sehen! Stellte sich heraus, dass Asmaas Stadtteil eher arm ist und sich Familien darum an einer Kuh beteiligen, weil sie sich kein eigenes Schaf leisten können. Ein Schaf kostet übrigens rund 1.500 L.E. Ziemlich viel, wenn man bedenkt, dass die ägyptische Regierung neulich erst diskutiert hat, ob der Mindestlohn besser 200 L.E oder 400 L.E betragen sollte. Etwas enttäuscht war ich schon - vor allem, weil selbst trotz nachfragen niemand wusste, wer wo ein Schaf besaß. Und der Scheich - der einzige, der bestimmt eines hatte - wollte nicht, dass ich beim Schlachten zusehe. Ich könne die Opferung als grausam auslegen und das Ganze missverstehen...
Hatte mich deshalb schon halb damit abgefunden, dass ich schon wieder nix mitbekommen würde. Aber ich fand es andererseits auch beruhigend zu wissen, dass es auch ganze Stadtviertel gibt, wo keine Blutströme die Straßen unbegehbar machen.
Zum Frühstück wurde ich auch eingeladen. Man war zwar überrascht, dass ich Vegetarierin bin. Aber es wurde direkt akzeptiert. Das traditionelle Frühstück zum Opferfest ist nämlich „Fatta“: Rindfleisch mit Tomaten auf Reis & Brot. Muss gut sein, denn schon die Beilagen mit der Fleischsoße haben super geschmeckt (hmm... Fleischsoße *g*). Dazu schaut man die Hagg im Fernsehen.
War alles irgendwie sehr cool. Mir hat es gefallen - und ich kam doch noch zu meinen Blutströmen. Wir haben eine Schlachterei gefunden, in der Hochbetrieb war. Es war weniger grausam als befürchtet. Trotzdem war ich froh, dass ich schon was gegessen hatte. Sah jedenfalls nach einer Menge Arbeit für die Metzger aus. Die schleppen wahrscheinlich Tonnen von Rinderfleisch an einem Tag wie diesem. Sogar die Kinder des Metzgers haben gewässert und gehäutet, was das Zeug hielt.
| Die beiden haben vier Kühe gehäutet - allein in der Zeit, als wir zugesehen haben! |
| Tja... Killing me softly ist anders. Aber es ging dennoch schneller als erwartet. Zumindest für die rechte Kuh... Etwas irritierend: Die "allahu akbar"-Rufe der Kinder. Wirkte makaber. Wer will, kann sich ja das Video anschauen. Aber Vorsicht: BLUTIG! |
Dienstag, 19. Oktober 2010
Invasion der Killer-Kakerlaken
Ich bin auf unfreiwilliger Großwildjagd: Kakerlaken haben sich hinterhältig in meine Wohnung geschlichen. Die erste lag noch unschuldig auf dem Rücken. Sie hat ihren Tod aber nur vorgetäuscht - wahrscheinlich, um mich abzulenken, damit sich ihre Familie unter meinem Kühlschrank einnisten kann (der übrigens seit gestern Nacht nicht mehr kühlt, sondern abtaut). Allerdings hat die List nicht funktioniert: Aus Angst, sie könne noch leben, habe ich sie vorsichtshalber mit Fliegengift eingesprüht. Achtung: Fliegengift killt Kakerlaken nicht! Sie zappelte elendig und ich kam mich ganz schlecht vor. Also habe ich noch das Puder gegen krabbelnde Insekten auf sie geschüttet (siehe Beweisfoto). Der Tod trat ziemlich bald ein. Ernesto (so habe ich die Kakerlake getauft) opferte sich, damit seine Familie eine bessere Zukunft habe. Ich werde noch oft an ihn denken - mit Gänsehaut zwischen den Zehen!
| Wanderer, kommst du nach "wherever cockroaches come from (some freaky alien planet most likely)", verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl. R.I.P., Ernesto. |
Jetzt kämpfe ich gegen den ganzen Kakerlaken-Mob: Andrea vs. The Empire of Doom! Eine kam mir in der Küche entgegen gehuscht. Ein dinosaurierartiges Exemplar - und schnell wie ein Leopard! Ich habe mich natürlich gleich bewaffnet. Aber wie gesagt: Fliegengift killt Kakerlaken nicht!!! Allerdings wäre ich mir komisch vorgekommen, sie mit Puder zu bestäuben. Mit einer Ladung Gift auf dem Panzer ist die Kreatur (Hannelore?) in den Schatten verschwunden. Entweder sie stirbt da. Oder sie stirbt da und Junge schlüpfen (ich muss mir noch schnell 1000 Namen ausdenken für die Kleinen). Oder sie MUTIERT. Dann bekämpfe ich morgen ein kafkaeskes Geschöpf. Oder: Ich sterbe heute Nacht, weil mir Hannelore mit ihrem vergifteten Panzer in den Mund kriecht und mich aus Rache mit ins Verderben zieht. Aber was mache ich mir Gedanken? Dank multipler Universen ist keine der Möglichkeiten ausgeschlossen! *kreisch*
Freitag, 8. Oktober 2010
It's happening...
Ich habe die Falsche "Palm Doum" geöffnet - a herbal drink that strengthens your immunity (?) and the male hormone in cases of sexual impotence. Viel versprechend! Acht Monate stand sie unangetastet im Kühlschrank. Jetzt ist das Wasser aus (schon wieder!) und ehe ich die 13 Stockwerke zum Fathalla runtergehe, vernichte ich lieber erst alle Vorräte (meine Faulheit kennt manchmal wirklich keine Grenzen). Die Farbe ist seltsam, der Geruch auch (erinnert an Sauerkrautsaft) - aber es ist trinkbar (obwohl es wie Sauerkrautsaft riecht, schmeckt es süß und nach eingeweichten Pflaumen... ich sollte nicht wissen, wie die schmecken. Ich weiß.). So überlebe ich auf jeden Fall bis morgen - und gehe um 9 Uhr in den Markt. Wenn sich die Warteschlangen nicht bis zur Fleischtheke ziehen...
Montag, 27. September 2010
Ein schlimmer Verdacht...
Ich glaube, ich habe Ungeziefer im Bett! Ständig scheint mir was an den Beinen herumzukrabbeln, aber es ist so klein, dass ich es nicht sehen kann. (Auch möglich: Ich sehe zu schlecht oder kriege meinen Kopf nicht mehr nah genug ans Bein für meine Sehstärke. - Aber dieses Problem ist temporär, denn ich mach' ja jetzt täglich Yoga. Zumindest einmal in der Woche. *g*) Auf meinem Arm habe ich schon so ein Tierchen entdeckt, aber es schien mir eher eine Buchlaus zu sein. Davon hatte sich nämlich neulich ein Volk in meiner Ausgabe von "Anna Karenina" eingenistet. Nachdem ich den Schmöker über Nacht tiefgefroren hatte, war das Problem allerdings behoben. Dachte ich. Bis eben. Ob sich das ständige Essen und Rumkrümeln im Bett jetzt doch rächt? Vielleicht sollte ich mal das Laken wechseln. Oder Insektenspray drauf sprühen. Keine Angst, Chris. Das war ein Scherz! Morgen wechsle ich das Laken. Oder übermorgen. Und falls es nicht gewechselt ist, ehe du wieder nach Alex kommst: Selbst ist der Mann! ;)
Donnerstag, 23. September 2010
Griechische Tragödien für Gelangweilte
Heute habe ich mir mal einen Einblick in das Kulturprogramm der Bibliothek Alexandria verschafft...
Erster Akt: The Trojan Women. Für alle Banausen - das ist von Euripides. Die Rezension im Netz ließ schon nicht viel erwarten. Es ist eines von Euripides schwächeren Stücken. Bei griechischen Dramen will das schon was heißen, die sind ja alle per se ziemlich öd. Dennoch bin ich hin. Mein gewöhnlicher Tagesablauf zurzeit wäre noch öder gewesen. Erste Überraschung: Der Eintritt war wirklich frei. Zweite Überraschung: Das Kino ist sogar richtig nett. Dritte Überraschung: Kathrine Hepburn in der Hauptrolle. Alle weiteren Überraschungen waren nicht gut: ein schreiendes Kind im Saal, die übliche „Wenn mein Handy klingelt, geh ich auch im Kino ran und unterhalt mich“-Mentalität der Ägypter. Neu war allerdings, dass eine Besucherin ihr Handy nur leiser gestellt hat und es minutenlang weiter klingeln ließ. Wäre der Film spannend gewesen, hätte ich mich mehr darüber aufgeregt. Zum Film selbst gibt es nicht viel zu sagen - außer: In Troja nichts Neues. Wichtigste Stilmittel des Regisseurs: der vielsagende Blick, der endlose Monolog, der anschwellende Schrei. Gewagt waren zwei Nacktszenen, in denen man sogar den Busen von Helena und den Hintern einer Toten sah. Auch einen Kinderhintern gab es zu sehen. Dasselbe Kind wurde übrigens in den Tod gestürzt - einen Steinfelsen vor Troja hinunter.
Es war das erste Mal, dass ich mir wirklich gewünscht hätte, es gäbe eine Pinkelpause. Gefühlte fünf Stunden später war die Sternstunde der Filmgeschichte auch schon vorbei - gedauert hat der Film nur 120 Minuten. Das fluchtartige Verlassen der Anwesenden am Ende der Vorstellung sagt eigentlich alles. Gewundert hat mich nur, dass alle bis zum Schluss ausgehalten haben. Ich selbst blieb nur sitzen, weil ich zwischen Ägyptern saß und nicht unauffällig gehen konnte. Dennoch: Morgen gehe ich zum dritten Akt - Elektra. Ebenfalls von Euripides, ihr Banausen! :)
Noch eine Randnotiz: Ich bekam heute ein Kompliment von meiner Kollegin Dina. Scheinbar haben meine erzieherischen Ansätze im Unterricht was gebracht. Dina hat meine Klassen übernommen und die Kids haben selbstständig das Ruhezeichen gemacht, ohne, dass Dina was machen musste. Innerhalb von fünf Minuten war Ruhe! Wenigstens etwas. Obwohl. Deutsch konnten sie scheinbar auch ein wenig. :)
Montag, 13. September 2010
Für ein Koshery reicht's immer!
Hurra, ich muss nicht verhungern! Habe mein letztes Kleingeld zusammengeklaubt und geh mir davon jetzt mal was Warmes kaufen. Gut, dass in Ägypten ägyptisches Essen billig ist - und vor allem: gut, dass mein Magen so ziemlich alles unbeschwert verdaut. :)
Zurück im wilden Süden
Ich bin wieder in Alexandria. Und kämpfe gleich mit den üblichen Verdächtigen: Mir ist schlecht, ich hab kein Geld zu Hause, Kühlschrank ist leer - und Gas ist aus.
Die letzte warme Mahlzeit gab‘s im Flieger (also vor zwei Tagen). Und schlecht wurde mir davon auch gleich. Im Flugzeug von Kairo nach Alexandria habe ich nur gepennt und das, obwohl ich neben mir einen Deutsch sprechenden Ägypter sitzen hatte, der so aussah, als wäre er in Redelaune. Hinterher tat mir das leid, denn an der Gepäckausgabe hat sich der Ägypter als äußerst nett entpuppt. Wir kamen ins Gespräch und er bot mir an, mich mit nach Mandara zu nehmen. Schon der zweite Sitznachbar im Flieger, der mir das Taxigeld erspart hat. :)
So hatte ich gestern glücklicherweise noch rund 70 Pfund um Wasser, Obst und Joghurt zu kaufen. Das muss jetzt bis morgen reichen, dann geht die Kreditkarte wieder. Scheiß Tageslimit.
Und es gibt Neuigkeiten: Das Fathalla, in dem ich immer einkaufe, ist jetzt ein Stockwerk größer. Mehr zu kaufen gibt es nicht - aber beim Kaufen hat man jetzt mehr Platz. Zwar nicht an der Kasse, aber überall sonst.
Außerdem bin ich seit heute fleißige Studentin: Ich hab schon ein Kapitel gelesen und wild drin rummarkiert.
Freitag, 18. Juni 2010
Zurück in die Zivilisation
Endlich sind wir von der Vorstufe des zivilisierten Menschen zurück auf das Normalniveau gestiegen: Auch wir müssen nicht mehr im Sitzen duschen, sondern zählen uns hiermit wieder zu den Stehduschern. Nach neun Monaten des Aufschiebens habe ich es heute endlich geschafft, einen Duschvorhang zu kaufen und die Schraube an der Aufhängung anzuziehen, damit die Stange gerade hängt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen - doch richtig zu schätzen weiß man es nur, wenn man monatelang kauernd geduscht hat (gelle, Christian *gg*)
Und hier das Resultat meiner Bemühungen.
Montag, 24. Mai 2010
Zulangen erlaubt
Dass Gewalt hier gang und gäbe ist, konnte ich nun schon zum wiederholten Male feststellen:
Kinder und Nannys, die mit blutigen Striemen im Gesicht in der Schule auftauchen (Das Kind wurde wegen schlechter Noten, die Nanny von ihrem Onkel geschlagen, weil sie widersprochen hatte). Aber das sind ja quasi nur indirekte Gewaltspuren.
Neulich durfte ich bereits am frühen Morgen Zeuge einer sehr menschenverachtenden Szene sein: Ein kleiner Straßenjunge hatte sich offenbar erdreistet, etwas zu forsch zu betteln. Der angebettelte Mann stieg aus dem Wagen aus, schüttelte den Jungen, schrie ihn an, packte ihn am Kragen und hob ihn daran hoch. Ich bin zwar mit "La'a"-Rufen dazwischen, aber eigentlich war das dem schimpfenden Mann ziemlich egal. Er starrte mich nur wütend an. Unverständlich: Anstatt wegzulaufen, hat der Junge, als der Mann ihn endlich losließ, weitergemacht. Ich hätte in der gleichen Situation bestimmt sofort die Flucht ergriffen.
Heute Abend dann noch krasser: Ich gehe friedlich durchs Fathalla, als ich zwei raufende Menschen sehe. Mann und Frau, dazwischen das obligatorische Kind im Kinderwagen. Der Mann schubst die Frau, die zetert und schreit was, da gibt er ihr eine Ohrfeige. Der Verkäufer mischt auch noch mit (ob er sie trennen wollte oder auch noch zugehauen hat, war unklar). Erst dachte ich, das war's jetzt. Da werden Streit und Handgreiflichkeiten bedenklicher. Nachdem sich keiner der umstehenden Leute (und das Fathalla ist um 20 Uhr voll!) verantwortlich gefühlt hat, etwas zu sagen, hab ich mein Bestes versucht, indem ich auf Arabisch mein Missfallen ausgedrückt habe. Aber auch heute hat's keinen weiter interessiert. Also blickte ich anklagend und etwas fassungslos in die Runde und wollte nach Sicherheitspersonal Ausschau halten. Aber auch kein Angestellter war zu sichten. Gefühlte Minuten später haben sich dann zwei Männer erbarmt und den Mann von der Frau weggeholt. Die ist aber trotz weinendem Kind nochmal auf den Mann los, was die Situation nicht gerade entschärft hat. Für den Mann hatte ich nur ein Kopfschütteln übrig. Er hat's auch gesehen und mich böse angeschaut. Ein riesiges Gebetsmal auf der Stirn und dann schwächere Schlagen! So praktiziert man den Islam richtig...
Kinder und Nannys, die mit blutigen Striemen im Gesicht in der Schule auftauchen (Das Kind wurde wegen schlechter Noten, die Nanny von ihrem Onkel geschlagen, weil sie widersprochen hatte). Aber das sind ja quasi nur indirekte Gewaltspuren.
Neulich durfte ich bereits am frühen Morgen Zeuge einer sehr menschenverachtenden Szene sein: Ein kleiner Straßenjunge hatte sich offenbar erdreistet, etwas zu forsch zu betteln. Der angebettelte Mann stieg aus dem Wagen aus, schüttelte den Jungen, schrie ihn an, packte ihn am Kragen und hob ihn daran hoch. Ich bin zwar mit "La'a"-Rufen dazwischen, aber eigentlich war das dem schimpfenden Mann ziemlich egal. Er starrte mich nur wütend an. Unverständlich: Anstatt wegzulaufen, hat der Junge, als der Mann ihn endlich losließ, weitergemacht. Ich hätte in der gleichen Situation bestimmt sofort die Flucht ergriffen.
Heute Abend dann noch krasser: Ich gehe friedlich durchs Fathalla, als ich zwei raufende Menschen sehe. Mann und Frau, dazwischen das obligatorische Kind im Kinderwagen. Der Mann schubst die Frau, die zetert und schreit was, da gibt er ihr eine Ohrfeige. Der Verkäufer mischt auch noch mit (ob er sie trennen wollte oder auch noch zugehauen hat, war unklar). Erst dachte ich, das war's jetzt. Da werden Streit und Handgreiflichkeiten bedenklicher. Nachdem sich keiner der umstehenden Leute (und das Fathalla ist um 20 Uhr voll!) verantwortlich gefühlt hat, etwas zu sagen, hab ich mein Bestes versucht, indem ich auf Arabisch mein Missfallen ausgedrückt habe. Aber auch heute hat's keinen weiter interessiert. Also blickte ich anklagend und etwas fassungslos in die Runde und wollte nach Sicherheitspersonal Ausschau halten. Aber auch kein Angestellter war zu sichten. Gefühlte Minuten später haben sich dann zwei Männer erbarmt und den Mann von der Frau weggeholt. Die ist aber trotz weinendem Kind nochmal auf den Mann los, was die Situation nicht gerade entschärft hat. Für den Mann hatte ich nur ein Kopfschütteln übrig. Er hat's auch gesehen und mich böse angeschaut. Ein riesiges Gebetsmal auf der Stirn und dann schwächere Schlagen! So praktiziert man den Islam richtig...
Samstag, 22. Mai 2010
Das Erste wird auch das Letzte sein
Seit vergangenem Donnerstag ist es offiziell: Ich habe mein Wiedererscheinen im nächsten Jahr abgesagt. Und seit dieser Entscheidung gefällt es mir in Alexandria doch gleich viel besser. :)
Noch wissen die Kids nichts vom bevorstehenden "Unglück" - immerhin hatten mehrere in den letzten Wochen gefragt, ob ich denn nächstes Jahr auch wieder käme (vielleicht mögen sie mich doch ein bisschen?). Ich hab immer "insha'allah" geantwortet, aber mein schlechtes Gewissen hat mich arg geplagt - schließlich weiß ich schon länger, dass ich mich gegen ein weiteres Schuljahr entschieden habe.
Noch wissen die Kids nichts vom bevorstehenden "Unglück" - immerhin hatten mehrere in den letzten Wochen gefragt, ob ich denn nächstes Jahr auch wieder käme (vielleicht mögen sie mich doch ein bisschen?). Ich hab immer "insha'allah" geantwortet, aber mein schlechtes Gewissen hat mich arg geplagt - schließlich weiß ich schon länger, dass ich mich gegen ein weiteres Schuljahr entschieden habe.
Montag, 19. April 2010
Nutella-Ersatz
Eigentlich ist es ja ganz logisch. Nutella kann man auch selbst machen. Gemacht hab ich es bisher noch nie - aber im Ausland wird man einfältig ähm einfallsreich. Also hier das Rezept (meine eigene Kreation - mehr oder weniger):
80 gr. geröstete Mandeln
10 TL Sonnenblumen-Öl
6 TL Honig
1 TL Kakao
1 Päckchen Süßstoff (für ganz Süße *g*)
Das alles in den Mixer und schön klein pürieren. Derweil eine Tafel 90%ige Schokolade im Wasserbad schmelzen (wer die schon mal probiert hat weiß, dass man damit kaum was anderes machen kann). Sobald die Schokolade geschmolzen und die Nussmasse cremig ist, alles mischen. Gut verrühren und dann ab in die Vorratsdose.
Ob die Nussmasse wirklich cremig wird, kann ich allerdings nicht sagen. Mein Mixer ist vorher durchgebrannt - ist eben beste ägyptische Qualität. Oder vielleicht hätte ich doch etwas mehr Öl nehmen müssen? Wer weiß das schon? Jedenfalls kann sich das Ergebnis schmecken lassen. Und es ist ruckzuck gemacht. Nur zum Fathalla gehen und ein Glas Nutella kaufen ist schneller (und wahrscheinlich auch billiger). Aber Nutella machen macht Spaß - und den kann man nicht kaufen. ;)
80 gr. geröstete Mandeln
10 TL Sonnenblumen-Öl
6 TL Honig
1 TL Kakao
1 Päckchen Süßstoff (für ganz Süße *g*)
Das alles in den Mixer und schön klein pürieren. Derweil eine Tafel 90%ige Schokolade im Wasserbad schmelzen (wer die schon mal probiert hat weiß, dass man damit kaum was anderes machen kann). Sobald die Schokolade geschmolzen und die Nussmasse cremig ist, alles mischen. Gut verrühren und dann ab in die Vorratsdose.
Ob die Nussmasse wirklich cremig wird, kann ich allerdings nicht sagen. Mein Mixer ist vorher durchgebrannt - ist eben beste ägyptische Qualität. Oder vielleicht hätte ich doch etwas mehr Öl nehmen müssen? Wer weiß das schon? Jedenfalls kann sich das Ergebnis schmecken lassen. Und es ist ruckzuck gemacht. Nur zum Fathalla gehen und ein Glas Nutella kaufen ist schneller (und wahrscheinlich auch billiger). Aber Nutella machen macht Spaß - und den kann man nicht kaufen. ;)
Sonntag, 4. April 2010
Sonntag, 28. März 2010
Burning Man für Arme
Man nehme:
- einen technisch "hochbegabten" Freund (THF)
- einen Gasherd
- mindestens 10 Zauber-Streichhölzer (die nur dann nicht zünden, wenn der THF sie in Händen hält)
- und eine Freundin, die unbedingt will, dass ihr THF den Backofen selbst anzünden lernt
Und so wird's gemacht:
1) Man schicke den THF in die Küche und sage: "Mach mal den Backofen an." Man achte dabei nicht auf eventuelle Proteste seinerseits wie "Ich kann das nicht!" und "Dann essen wir eben keine Brötchen." oder "Ich werde mich verletzen."
2) Nach immer entnervter klingenden "Der Ofen geht nicht an"-Rufen aus der Küche, geht man mal nach dem Rechten schauen.
3) Man demonstriert die Einfachheit des technischen Geräts, indem man den Ofen anzündet, dann ausmacht und nochmals auf die Öffnung zeigt, an die das Streichholz gehalten werden muss.
4) Wenn der THF sich weiter weigert, muss man darauf bestehen, dass er es dennoch selbst macht - schließlich muss man einen Ofen anzünden können (oder?).
5) Nachdem der THF es endlich geschafft hat, das zehnte Streichholz zu entflammen (die vorherigen erloschen durch ängstliches Zittern der Hand bereits auf dem Weg zum Ofen), fordere man ihn auf, das Streichholz an die Anzündestelle zu halten. Das technische "Fachwissen" des THF wird ihn automatisch dazu verleiten, den Arm viel zu weit in den Ofen zu halten. Dazu muss man wissen: Ein THF sieht besser als der Durchschnittsmensch. Und deswegen hat er natürlich - ungeachtet der ausführlichen Demonstrationen der Freundin - eine Anzündestelle weiter hinten im Ofen entdeckt und zum Anzünden für geeigneter befunden.
6) Der große Lacher ist übrigens für den THF weniger lustig (zumindest hat er weniger gelacht als ich): Sobald der THF seinen Arm mit dem brennenden Streichholz in den Gasherd steckt (aus dem inzwischen bereits viel zu lange Gas strömt - das Streichholz ging ja nicht früher an!), kommt ein kleiner Feuerball aus dem Ofen geschossen.
Und das haben wir gelernt:
1) Die Haare verbrennen, ehe man realisiert, was passiert ist.
2) ERST das Streichholz anzünden. Dann das BRENNENDE Streichholz ans Anzündeloch halten - und DANN erst das Gas andrehen.
3) Und: Wer Angst vor Gas & Feuer hat, bringt sich in Gefahr.
4) Naja... und vielleicht auch, dass man jemandem, der Angst vor Gas & Feuer hat, das Anzünden eines Gasofens doch nicht so einfach beibringen kann. Aber ich werde es weiter versuchen - mit längeren Streichhölzern. ;)
Gott sei Dank ist außer einem Schreck und einem sehr eingeschnappten THF nicht viel passiert. Der Ofen war übrigens nach der Aktion nicht an. Das blieb mir überlassen, denn der THF war nach diesem traumatischen Erlebnis zu keinen weiteren Versuchen mehr zu bewegen. Ach ja: Christian - mach doch für unsere Leser mal ein Bild von deinem haarlosen Arm. :)
- einen technisch "hochbegabten" Freund (THF)
- einen Gasherd
- mindestens 10 Zauber-Streichhölzer (die nur dann nicht zünden, wenn der THF sie in Händen hält)
- und eine Freundin, die unbedingt will, dass ihr THF den Backofen selbst anzünden lernt
Und so wird's gemacht:
1) Man schicke den THF in die Küche und sage: "Mach mal den Backofen an." Man achte dabei nicht auf eventuelle Proteste seinerseits wie "Ich kann das nicht!" und "Dann essen wir eben keine Brötchen." oder "Ich werde mich verletzen."
2) Nach immer entnervter klingenden "Der Ofen geht nicht an"-Rufen aus der Küche, geht man mal nach dem Rechten schauen.
3) Man demonstriert die Einfachheit des technischen Geräts, indem man den Ofen anzündet, dann ausmacht und nochmals auf die Öffnung zeigt, an die das Streichholz gehalten werden muss.
4) Wenn der THF sich weiter weigert, muss man darauf bestehen, dass er es dennoch selbst macht - schließlich muss man einen Ofen anzünden können (oder?).
5) Nachdem der THF es endlich geschafft hat, das zehnte Streichholz zu entflammen (die vorherigen erloschen durch ängstliches Zittern der Hand bereits auf dem Weg zum Ofen), fordere man ihn auf, das Streichholz an die Anzündestelle zu halten. Das technische "Fachwissen" des THF wird ihn automatisch dazu verleiten, den Arm viel zu weit in den Ofen zu halten. Dazu muss man wissen: Ein THF sieht besser als der Durchschnittsmensch. Und deswegen hat er natürlich - ungeachtet der ausführlichen Demonstrationen der Freundin - eine Anzündestelle weiter hinten im Ofen entdeckt und zum Anzünden für geeigneter befunden.
6) Der große Lacher ist übrigens für den THF weniger lustig (zumindest hat er weniger gelacht als ich): Sobald der THF seinen Arm mit dem brennenden Streichholz in den Gasherd steckt (aus dem inzwischen bereits viel zu lange Gas strömt - das Streichholz ging ja nicht früher an!), kommt ein kleiner Feuerball aus dem Ofen geschossen.
Und das haben wir gelernt:
1) Die Haare verbrennen, ehe man realisiert, was passiert ist.
2) ERST das Streichholz anzünden. Dann das BRENNENDE Streichholz ans Anzündeloch halten - und DANN erst das Gas andrehen.
3) Und: Wer Angst vor Gas & Feuer hat, bringt sich in Gefahr.
4) Naja... und vielleicht auch, dass man jemandem, der Angst vor Gas & Feuer hat, das Anzünden eines Gasofens doch nicht so einfach beibringen kann. Aber ich werde es weiter versuchen - mit längeren Streichhölzern. ;)
Gott sei Dank ist außer einem Schreck und einem sehr eingeschnappten THF nicht viel passiert. Der Ofen war übrigens nach der Aktion nicht an. Das blieb mir überlassen, denn der THF war nach diesem traumatischen Erlebnis zu keinen weiteren Versuchen mehr zu bewegen. Ach ja: Christian - mach doch für unsere Leser mal ein Bild von deinem haarlosen Arm. :)
Mittwoch, 17. März 2010
Krank, kränker, Andrea
Bevor ihr euch jetzt Sorgen macht: Ich bin wieder gesund. Aber kurzzeitig habe ich - dank ausgeprägten Hypochondertums - das Schlimmste befürchtet. Allerdings erst, nachdem der Arzt kam. Was war passiert?
Als wir von unserem Wochenendtrip nach Kairo zurückkamen, fühlte ich mich förmlich erkranken. Am Montag war's dann soweit. Diarrhöe! Schon wieder? Och nö! Allerdings war's dieses Mal bedenklich schlimm. Mit Brechreiz und Schwächegefühl und leicht erhöhter Temperatur. Da dachte ich mir: Heute quäle ich mich bestimmt nicht zur Schule - also habe ich gleich mal dort angerufen, um mein Nichterscheinen anzukündigen.
Problem war nur: Da ich nicht schon wieder einen Tag vom Gehalt abgezogen bekommen wollte (keine Angst: Ich werde mich noch gegen diese himmelschreiende Ungerechtigkeit wehren!), musste möglichst bald eine Bescheinigung vom Arzt her. Aus dem Haus wollte ich aber in meinem Zustand auch nicht. Die Rettung aus dieser Zwickmühle: der house call. Man sagte mir, dass das German Hospital (das entgegen seines Namens nur eine arabische Website zu bieten hat) auch Hausbesuche mache.
Als sich gegen Abend abzeichnete, dass ich mehr als einen Tag würde zu Hause bleiben müssen, sah mein Krämerherz keinen anderen Ausweg mehr: Chris musste den Arzt anrufen. Um 22.30 Uhr tauchten dann auch zwei Männer an unserer Tür auf. Einer war als Arzt verkleidet. Er war aber scheinbar nur ein Helfeshelfer, der den Koffer trug. Der richtige Arzt machte einen vertrauenswürdigen Eindruck und diagnostizierte Durchfall. Da war ja auch kaum eine Fehldiagnose möglich. Dann jedoch wurde es ernst. Er hielt eine Spritze mit schmerzlindernder Substanz für dringend notwendig. Und da ich ja nicht als Simulant gelten wollte, dachte ich mir: Ach... ne kleine Spritze wird schon keinen großen Schaden anrichten. Das war, ehe mir klar wurde, dass der Helfeshelfer (fortan: HH) die Spritze setzen würde. Dieser holte jedoch einen Einweghandschuh aus seinem Köfferchen, was mich ein wenig beruhigte. Ich widmete meine Aufmerksamkeit wieder dem Arzt. Ein schwerwiegender Fehler, denn als der HH den Gummihandschuh nicht etwa an der Hand trug, sondern um mein Handgelenk wickelte, um das Blut zu stauen, hätte ich mir schon gewünscht, ich hätte gesehen, ob die Nadel steril verpackt gewesen war. Panisch wurde mir bewusst, dass er vorhatte, mich in eine Vene meiner Hand zu stechen. Bei Spritzen bin ich eigentlich eher leidensfähig. Aber das war mir dann doch ein bisschen heikel. Doch wie gesagt: Was tut man nicht alles, um nicht als Simulant dazustehen und einen Krankenschein zu bekommen. Etwas mulmig wurde mir, als ich bemerkte, dass der Wattebausch, mit dem er die Einstichstelle abtupfte, gar nicht feucht von Desinfektionsmittel war. Ich wollte schon Einwände erheben, da begann der HH bereits mit dem Stechen. Er gab sich auch alle Mühe, die Vene sehr bald zu finden - und es tat auch nur ein wenig weh. Aber die Panik war groß. Zumal ich mit ansehen musste, wie er - gefühlt viel zu langsam - die Nadel tiefer und tiefer schob. Und als er die Flüssigkeit in mich spritzte, sah ich doch tatsächlich Luftbläschen. Es mag eine Einbildung gewesen sein, denn ich lebe ja noch. Wahrscheinlicher ist, dass mich nur das Adrenalin, das nach dieser Aktion durch meine Adern schoss, überhaupt am Leben erhalten hat. Jedenfalls dachte ich mehrere Minuten lang, ich müsse ganz sicher den Löffel abgeben. Wie man sieht: Es ist nicht passiert und ich denke wieder klarer. Und bei klarem Verstand kann ich nur sagen: Der Arztbesuch hat nicht geschadet, denn ich bin wieder gesund (was wohl auch ohne Arzt geschehen wäre). Und günstig war's: nur 210 L.E (rund 30 Euro). Meinen Krankenschein habe ich auch (obwohl ich noch nicht weiß, ob es der ist, den ich für meinen Arbeitgeber brauche - denn den Block mit Krankenscheinen hatte der Arzt im Krankenhaus vergessen). Und der Durchfall hatte auch was Gutes: Ich muss diese Woche nur zweimal zur Schule!
Als wir von unserem Wochenendtrip nach Kairo zurückkamen, fühlte ich mich förmlich erkranken. Am Montag war's dann soweit. Diarrhöe! Schon wieder? Och nö! Allerdings war's dieses Mal bedenklich schlimm. Mit Brechreiz und Schwächegefühl und leicht erhöhter Temperatur. Da dachte ich mir: Heute quäle ich mich bestimmt nicht zur Schule - also habe ich gleich mal dort angerufen, um mein Nichterscheinen anzukündigen.
Problem war nur: Da ich nicht schon wieder einen Tag vom Gehalt abgezogen bekommen wollte (keine Angst: Ich werde mich noch gegen diese himmelschreiende Ungerechtigkeit wehren!), musste möglichst bald eine Bescheinigung vom Arzt her. Aus dem Haus wollte ich aber in meinem Zustand auch nicht. Die Rettung aus dieser Zwickmühle: der house call. Man sagte mir, dass das German Hospital (das entgegen seines Namens nur eine arabische Website zu bieten hat) auch Hausbesuche mache.
Als sich gegen Abend abzeichnete, dass ich mehr als einen Tag würde zu Hause bleiben müssen, sah mein Krämerherz keinen anderen Ausweg mehr: Chris musste den Arzt anrufen. Um 22.30 Uhr tauchten dann auch zwei Männer an unserer Tür auf. Einer war als Arzt verkleidet. Er war aber scheinbar nur ein Helfeshelfer, der den Koffer trug. Der richtige Arzt machte einen vertrauenswürdigen Eindruck und diagnostizierte Durchfall. Da war ja auch kaum eine Fehldiagnose möglich. Dann jedoch wurde es ernst. Er hielt eine Spritze mit schmerzlindernder Substanz für dringend notwendig. Und da ich ja nicht als Simulant gelten wollte, dachte ich mir: Ach... ne kleine Spritze wird schon keinen großen Schaden anrichten. Das war, ehe mir klar wurde, dass der Helfeshelfer (fortan: HH) die Spritze setzen würde. Dieser holte jedoch einen Einweghandschuh aus seinem Köfferchen, was mich ein wenig beruhigte. Ich widmete meine Aufmerksamkeit wieder dem Arzt. Ein schwerwiegender Fehler, denn als der HH den Gummihandschuh nicht etwa an der Hand trug, sondern um mein Handgelenk wickelte, um das Blut zu stauen, hätte ich mir schon gewünscht, ich hätte gesehen, ob die Nadel steril verpackt gewesen war. Panisch wurde mir bewusst, dass er vorhatte, mich in eine Vene meiner Hand zu stechen. Bei Spritzen bin ich eigentlich eher leidensfähig. Aber das war mir dann doch ein bisschen heikel. Doch wie gesagt: Was tut man nicht alles, um nicht als Simulant dazustehen und einen Krankenschein zu bekommen. Etwas mulmig wurde mir, als ich bemerkte, dass der Wattebausch, mit dem er die Einstichstelle abtupfte, gar nicht feucht von Desinfektionsmittel war. Ich wollte schon Einwände erheben, da begann der HH bereits mit dem Stechen. Er gab sich auch alle Mühe, die Vene sehr bald zu finden - und es tat auch nur ein wenig weh. Aber die Panik war groß. Zumal ich mit ansehen musste, wie er - gefühlt viel zu langsam - die Nadel tiefer und tiefer schob. Und als er die Flüssigkeit in mich spritzte, sah ich doch tatsächlich Luftbläschen. Es mag eine Einbildung gewesen sein, denn ich lebe ja noch. Wahrscheinlicher ist, dass mich nur das Adrenalin, das nach dieser Aktion durch meine Adern schoss, überhaupt am Leben erhalten hat. Jedenfalls dachte ich mehrere Minuten lang, ich müsse ganz sicher den Löffel abgeben. Wie man sieht: Es ist nicht passiert und ich denke wieder klarer. Und bei klarem Verstand kann ich nur sagen: Der Arztbesuch hat nicht geschadet, denn ich bin wieder gesund (was wohl auch ohne Arzt geschehen wäre). Und günstig war's: nur 210 L.E (rund 30 Euro). Meinen Krankenschein habe ich auch (obwohl ich noch nicht weiß, ob es der ist, den ich für meinen Arbeitgeber brauche - denn den Block mit Krankenscheinen hatte der Arzt im Krankenhaus vergessen). Und der Durchfall hatte auch was Gutes: Ich muss diese Woche nur zweimal zur Schule!
Sonntag, 7. März 2010
Long time no see
Ich weiß, ich weiß - hab schon lange nichts mehr von mir hören lassen. Und ich bin mir meiner Nachlässigkeit bewusst. In dieser Woche habe ich mir vorgenommen, über alle Neuigkeiten hier zu schreiben.
Zwischenzeitlich habe ich jedoch eine wichtige Entdeckung gemacht, die überhaupt nichts mit Ägypten zu tun hat. Habt ihr gewusst, dass es im iTunes-Store eine Sektion gibt, die sich iTunes U nennt? Nein? Dann schaut unbedingt mal rein. Hier kann man kostenlos (!) alles mögliche herunterladen.
Ich ziehe mir gerade Arabisch for Beginners, French for Beginners, Russian for Beginners und alle Englisch-Kurse herunter. Aber es gibt nicht nur Sprachkurse, sondern auch Literaturbeiträge (unter anderem einen Kurs für Englische Literatur, Kreatives Schreiben usw.). Bis zur Mathematik-Abteilung bin ich noch überhaupt nicht vorgedrungen. Ladet runter Leute, ehe die auf die Idee kommen, was dafür zu verlangen. Habe bisher nur in Arabisch reingehört - und das scheint mir von guter Qualität zu sein. Aber macht euch selbst ein Bild. Viel Spaß beim Stöbern und Downloaden. :)
Zwischenzeitlich habe ich jedoch eine wichtige Entdeckung gemacht, die überhaupt nichts mit Ägypten zu tun hat. Habt ihr gewusst, dass es im iTunes-Store eine Sektion gibt, die sich iTunes U nennt? Nein? Dann schaut unbedingt mal rein. Hier kann man kostenlos (!) alles mögliche herunterladen.
Ich ziehe mir gerade Arabisch for Beginners, French for Beginners, Russian for Beginners und alle Englisch-Kurse herunter. Aber es gibt nicht nur Sprachkurse, sondern auch Literaturbeiträge (unter anderem einen Kurs für Englische Literatur, Kreatives Schreiben usw.). Bis zur Mathematik-Abteilung bin ich noch überhaupt nicht vorgedrungen. Ladet runter Leute, ehe die auf die Idee kommen, was dafür zu verlangen. Habe bisher nur in Arabisch reingehört - und das scheint mir von guter Qualität zu sein. Aber macht euch selbst ein Bild. Viel Spaß beim Stöbern und Downloaden. :)
Montag, 22. Februar 2010
Zurück im Land der Müll-Pyramiden
Zur Beruhigung meiner spärlichen Leserschar: Ich bin wieder da. Und habe auf meiner 16-stündigen Reise auch gleich ein neues Fortbewegungsmittel entdeckt: den Super-Jet, der direkt zwischen Kairo und Alexandria verkehrt.
Er stinkt zwar etwas nach Toilette - aber hey: immerhin gibt es ein Klo. Und auch die Musik ist ein wenig laut - dafür aber wenigstens Arabisch. ;) Gut am Super-Jet ist jedoch der Preis: Für schlappe 27 Pfund kommt man damit an die Mittelmeerstadt. In der es übrigens letzte Woche eine nie da gewesene Hitzewelle gab. Während unseres Deutschlandurlaubs war es doch glatt mehr als 30 Grad warm! Natürlich wettert es pünktlich zu meiner Rückkehr wieder ganz normal. Die Badeklamotten bleiben darum vorerst im Schrank.
In der Schule ist ebenfalls alles beim Alten. Schon am ersten Tag: Stimme weg (wusste gar nicht, dass das so schnell gehen kann). Ich hab mir darum eine Schülerin geschnappt, die den anderen Schüler in ihrer lautesten Stimme sagen musste, dass ich sie jetzt anschreien würde - wenn ich nur könnte. Dabei hab ich ermahnend in die Menge geschaut und meinen bösen Lehrer-Blick geübt. :)
Und heute habe ich meinen liebsten Störenfrieden erläutert, dass sie froh sein dürfen, dass Schlagen in der Schule nicht erlaubt sei (natürlich in freundschaftlichem Ton *g*). Mit anderen Worten: Ich kämpfe mich mehr schlecht als recht vorbereitet durch den mörderischen Schulalltag. Aber die Kids sind trotz ihrer kleinen Widerlichkeiten immer noch sehr herzig und versuchen zumindest ihr Bestes zu geben. Und das ist doch auch schon was (rede ich mir täglich ein). Ach ja: Zwei Wochen reichen übrigens dicke aus, um die Hälfte der Kindernamen wieder zu vergessen.
Er stinkt zwar etwas nach Toilette - aber hey: immerhin gibt es ein Klo. Und auch die Musik ist ein wenig laut - dafür aber wenigstens Arabisch. ;) Gut am Super-Jet ist jedoch der Preis: Für schlappe 27 Pfund kommt man damit an die Mittelmeerstadt. In der es übrigens letzte Woche eine nie da gewesene Hitzewelle gab. Während unseres Deutschlandurlaubs war es doch glatt mehr als 30 Grad warm! Natürlich wettert es pünktlich zu meiner Rückkehr wieder ganz normal. Die Badeklamotten bleiben darum vorerst im Schrank.
In der Schule ist ebenfalls alles beim Alten. Schon am ersten Tag: Stimme weg (wusste gar nicht, dass das so schnell gehen kann). Ich hab mir darum eine Schülerin geschnappt, die den anderen Schüler in ihrer lautesten Stimme sagen musste, dass ich sie jetzt anschreien würde - wenn ich nur könnte. Dabei hab ich ermahnend in die Menge geschaut und meinen bösen Lehrer-Blick geübt. :)
Und heute habe ich meinen liebsten Störenfrieden erläutert, dass sie froh sein dürfen, dass Schlagen in der Schule nicht erlaubt sei (natürlich in freundschaftlichem Ton *g*). Mit anderen Worten: Ich kämpfe mich mehr schlecht als recht vorbereitet durch den mörderischen Schulalltag. Aber die Kids sind trotz ihrer kleinen Widerlichkeiten immer noch sehr herzig und versuchen zumindest ihr Bestes zu geben. Und das ist doch auch schon was (rede ich mir täglich ein). Ach ja: Zwei Wochen reichen übrigens dicke aus, um die Hälfte der Kindernamen wieder zu vergessen.
Dienstag, 2. Februar 2010
When a man drives a woman...
Die Taxifahrer werden auch immer dreister. Gestern bin ich zu einem eingestiegen, der mir dann zu verstehen gab, er wolle 5 L.E. für die Strecke zur Arbeit. Ich dachte mir: "Lass ihn mal reden und gib ihm dann 2 L.E." Genau das, was ich jeden Morgen bezahle. Aber dann schwante mir, dass der Typ bestimmt Stress machen würde, weil ich ja zugestimmt hätte. Also hakte ich nach: "Bikäm?" - Er: "5 Pound!" - Ich: "La'a! Ala gamba lohsamaht!" Nach etwa 50 Meter Fahrtweg bin ich also wieder aus dem Taxi ausgestiegen. Und dafür wollte der dann auch noch 1 Pfund. Ich hab ihm 50 Piaster in die gierigen Hände gedrückt, gesagt "Ya saläm, that's enough!" - und bin wütend ausgestiegen. Den Weg zur Schule hab ich danach im preistechnisch unkomplizierten Maschrua zurückgelegt. In den Minibussen sind die Preise für alle gleich. Als ich Dina von dieser Unverschämtheit erzählte, sagte sie mir, dass man üblicherweise alleine fürs Einsteigen in ein Taxi 60 Piaster zahle. :)
Am nächsten Tag, also heute, wurde es noch seltsamer: Ich stieg in ein Taxi ein. Und normalerweise verhandeln die Fahrer überhaupt nicht. Doch auch heute wollte der Fahrer direkt den Preis ausmachen. Er fragte, wie viel ich zahlen wolle. Ich hielt zwei Finger hoch. Er: "Twenty pounds?" - Ich: "No, two!" Da hat er den Kopf geschüttelt, ich hab wieder mein "Ya saläm!" gezischt (was soviel heißt wie "Gütiger Himmel, bist du ein Halsabschneider!") und bin ausgestiegen.
Glücklicherweise kamen im nächsten Taxi zwei Kolleginnen von mir angebraust. Der Taxifahrer hat auch gleich angehalten - ich bin vorne eingestiegen, hab "Hallo!" zu den Französischlehrerinnen gesagt, dreh mich zum Taxifahrer, um "Guten Morgen" zu sagen. Und wer sitzt da? Mein Wasser-Mohammed, der mir die Warmwasserleitung zur Küche gelegt hat. Dabei hat er die gesamte Wohnung mit seiner Hilti so zugestaubt, dass Nagwa einen halben Tag brauchte, nur um die Küche wieder begehbar zu machen. Und nach drei Besuchen hat er es immer noch nicht geschafft, das tropfende Rohr im Bad trockenzulegen. War irgendwie eine seltsame Situation. Natürlich weiß ich, dass hier viele mehrere Jobs haben, um über die Runden zu kommen. Aber Mohammed ist irgendwie seltsam. Er nimmt kein Geld von mir an. Für das Bad wollte ich ihm Trinkgeld geben. Er wollte es nicht. Auch das Geld für die Taxifahrt wollte er nicht. Und zu den verabredeten Tagen kommt er nie, sondern meist ungefähr eine Woche später als vereinbart. Seine Kleidung wurde auch zunehmend besser, wenn ich es mir jetzt so überlege. Jedenfalls hab ich beschlossen, dass ich mir - falls das Bad schlimmer wird - wohl einen anderen Wassermann suchen muss. Nicht, dass Mohammed noch denkt, ich wäre an ihm interessiert. Obwohl er ganz nett und höflich ist. :) Aber nicht, dass er sich falsche Hoffnungen macht. Zumal ich ja auch immer die Wohnungstür geschlossen habe, was man bei Handwerkern in Ägypten nicht macht. Denn das sind ja alles Verbrecher, da muss man im Notfall schnell flüchten können. Irgendwie verstehe ich diese ganzen Vorurteile gegenüber anderen Gesellschaftsschichten nicht. Aber vielleicht unterschätze ich auch den Reiz von Wohlstand und die Not der Menschen. Man muss der Wahrheit ins Gesicht sehen. Mit weniger als 900 Euro Gehalt gehört man hier zu der unteren Oberschicht. Hab ich schon erwähnt, dass das gesetzliche Grundgehalt für Arbeiter bei 35 L.E pro Monat liegt? Das sind nicht mal 50 Cent!
Naja... Das Gute ist: Freitagmorgen flieg ich nach Deutschland. Dann kann mich das Pharaonenland für zwei Wochen mal gern haben. Vielleicht sind bis dann die Taxifahrer auch wieder zur Vernunft gekommen. Sonst muss ich wohl bald nicht nur das Zehn-, sondern das Hundertfache vom üblichen Fahrtpreis für den Weg zur Arbeit blechen.
Am nächsten Tag, also heute, wurde es noch seltsamer: Ich stieg in ein Taxi ein. Und normalerweise verhandeln die Fahrer überhaupt nicht. Doch auch heute wollte der Fahrer direkt den Preis ausmachen. Er fragte, wie viel ich zahlen wolle. Ich hielt zwei Finger hoch. Er: "Twenty pounds?" - Ich: "No, two!" Da hat er den Kopf geschüttelt, ich hab wieder mein "Ya saläm!" gezischt (was soviel heißt wie "Gütiger Himmel, bist du ein Halsabschneider!") und bin ausgestiegen.
Glücklicherweise kamen im nächsten Taxi zwei Kolleginnen von mir angebraust. Der Taxifahrer hat auch gleich angehalten - ich bin vorne eingestiegen, hab "Hallo!" zu den Französischlehrerinnen gesagt, dreh mich zum Taxifahrer, um "Guten Morgen" zu sagen. Und wer sitzt da? Mein Wasser-Mohammed, der mir die Warmwasserleitung zur Küche gelegt hat. Dabei hat er die gesamte Wohnung mit seiner Hilti so zugestaubt, dass Nagwa einen halben Tag brauchte, nur um die Küche wieder begehbar zu machen. Und nach drei Besuchen hat er es immer noch nicht geschafft, das tropfende Rohr im Bad trockenzulegen. War irgendwie eine seltsame Situation. Natürlich weiß ich, dass hier viele mehrere Jobs haben, um über die Runden zu kommen. Aber Mohammed ist irgendwie seltsam. Er nimmt kein Geld von mir an. Für das Bad wollte ich ihm Trinkgeld geben. Er wollte es nicht. Auch das Geld für die Taxifahrt wollte er nicht. Und zu den verabredeten Tagen kommt er nie, sondern meist ungefähr eine Woche später als vereinbart. Seine Kleidung wurde auch zunehmend besser, wenn ich es mir jetzt so überlege. Jedenfalls hab ich beschlossen, dass ich mir - falls das Bad schlimmer wird - wohl einen anderen Wassermann suchen muss. Nicht, dass Mohammed noch denkt, ich wäre an ihm interessiert. Obwohl er ganz nett und höflich ist. :) Aber nicht, dass er sich falsche Hoffnungen macht. Zumal ich ja auch immer die Wohnungstür geschlossen habe, was man bei Handwerkern in Ägypten nicht macht. Denn das sind ja alles Verbrecher, da muss man im Notfall schnell flüchten können. Irgendwie verstehe ich diese ganzen Vorurteile gegenüber anderen Gesellschaftsschichten nicht. Aber vielleicht unterschätze ich auch den Reiz von Wohlstand und die Not der Menschen. Man muss der Wahrheit ins Gesicht sehen. Mit weniger als 900 Euro Gehalt gehört man hier zu der unteren Oberschicht. Hab ich schon erwähnt, dass das gesetzliche Grundgehalt für Arbeiter bei 35 L.E pro Monat liegt? Das sind nicht mal 50 Cent!
Naja... Das Gute ist: Freitagmorgen flieg ich nach Deutschland. Dann kann mich das Pharaonenland für zwei Wochen mal gern haben. Vielleicht sind bis dann die Taxifahrer auch wieder zur Vernunft gekommen. Sonst muss ich wohl bald nicht nur das Zehn-, sondern das Hundertfache vom üblichen Fahrtpreis für den Weg zur Arbeit blechen.
Montag, 25. Januar 2010
Witz des Tages: "Ich korrigier das mal schnell."
Die Halbjahresexamen haben begonnen. Das Gute daran: Als Lehrer ist man von der Unterrichtspflicht entbunden, sobald die Klasse, die man unterrichtet, ihr Examen geschrieben hat.
Das Gewöhnungsbedürftige: Die ägyptische Korrekturtechnik. Die Halbjahresexamen dürfen das Schulgebäude nicht verlassen. Nachdem das Examen geschrieben ist, wird es von der Koordinatorin - in unserem Fall Dina - im Kontrollraum abgeholt. Alle Examen wurden von der Kontrolle in der Zwischenzeit nummeriert und anonymisiert. Es müssen alsdann drei Fachlehrer anwesend sein, ehe mit der Korrektur begonnen werden darf. Da helfen alle Freistunden nichts - sie verstreichen ungenutzt, bis genügend Lehrer anwesend sind. Sobald drei da sind, bekommt jeder eine Aufgabe zugewiesen, die dieser Lehrer für alle Kinder korrigiert. Hört sich einfach an... ist es auch, nur eben eine Menge Arbeit, denn es sind pro Klassenstufe ca. 100 bis 170 Kinder und 4 bis 8 Aufgaben.
Nachdem die Aufgabe korrigiert ist - mit Rotstift -, liest ein zweiter Lehrer gegen - und korrigiert mit Schwarzstift. Dann werden die Ergebnisse ausgerechnet (und natürlich gegengecheckt). Die undankbarste Aufgabe hat Dina. Sie muss mit Grünstift nochmal jedes Examen nach Korrekturfehlern durchsehen - und das dauert. Wenn dann endlich, nach ungefähr fünf Stunden das Prozedere ein Ende erreicht, müssen nur noch die Examen nach Sitznummern sortiert werden - dann dürfen wir gehen. Natürlich bedeutet die Tatsache, dass wir 5 Stunden nach Unterricht noch dableiben müssen nicht, dass wir später kommen dürfen. So haben die Korrekturtage rund 12,5 Stunden. Drei Examen sind vorbei - noch drei, ehe die Ferien beginnen. Und ich glaube nicht, dass ich schon mal dringender Ferien gebraucht habe...
Das Gewöhnungsbedürftige: Die ägyptische Korrekturtechnik. Die Halbjahresexamen dürfen das Schulgebäude nicht verlassen. Nachdem das Examen geschrieben ist, wird es von der Koordinatorin - in unserem Fall Dina - im Kontrollraum abgeholt. Alle Examen wurden von der Kontrolle in der Zwischenzeit nummeriert und anonymisiert. Es müssen alsdann drei Fachlehrer anwesend sein, ehe mit der Korrektur begonnen werden darf. Da helfen alle Freistunden nichts - sie verstreichen ungenutzt, bis genügend Lehrer anwesend sind. Sobald drei da sind, bekommt jeder eine Aufgabe zugewiesen, die dieser Lehrer für alle Kinder korrigiert. Hört sich einfach an... ist es auch, nur eben eine Menge Arbeit, denn es sind pro Klassenstufe ca. 100 bis 170 Kinder und 4 bis 8 Aufgaben.
Nachdem die Aufgabe korrigiert ist - mit Rotstift -, liest ein zweiter Lehrer gegen - und korrigiert mit Schwarzstift. Dann werden die Ergebnisse ausgerechnet (und natürlich gegengecheckt). Die undankbarste Aufgabe hat Dina. Sie muss mit Grünstift nochmal jedes Examen nach Korrekturfehlern durchsehen - und das dauert. Wenn dann endlich, nach ungefähr fünf Stunden das Prozedere ein Ende erreicht, müssen nur noch die Examen nach Sitznummern sortiert werden - dann dürfen wir gehen. Natürlich bedeutet die Tatsache, dass wir 5 Stunden nach Unterricht noch dableiben müssen nicht, dass wir später kommen dürfen. So haben die Korrekturtage rund 12,5 Stunden. Drei Examen sind vorbei - noch drei, ehe die Ferien beginnen. Und ich glaube nicht, dass ich schon mal dringender Ferien gebraucht habe...
Sonntag, 17. Januar 2010
Hitler and the "Cemetery for garbage"
Nagwa war heute wieder zum Putzen da. Beim Abendessen haben wir uns lang unterhalten. Ich konnte ihr mit meinem rudimentären Wissen rund um den zweiten Weltkrieg und in stockendem Englisch die Schrecken des Holocaust schildern und ihr sagen, warum man als Deutscher nicht gerne wegen Hitler gemocht wird.
Hitlers "Mein Kampf" (in der arabischen Übersetzung) ist hier übrigens eine gern gelesene Lektüre. Und im Fernsehen wird durchaus mal behauptet, alles was Israel über Hitler erzählen sei erstunken und erlogen. Da war Nagwa natürlich überrascht, einmal die andere Seite der Geschichte zu hören. Vor allem als ich ihr hochdramatisch klar gemacht habe, dass Hitler - würde er noch leben - alle Muslime killen würde, weil sie auch nicht zur Herrenrasse gehören. Im Lauf des Gesprächs habe ich beschlossen, dass ich Nagwa "Schindlers Liste", "Das Leben ist schön" und "Das Tagebuch der Anne Frank" besorgen werde - sozusagen als emotionale Aufklärung (wenn schon nicht wissenschaftliche). Und am Ende waren wir uns zumindest in einer Sache sehr einig: Hitler war verrückt und was er getan hat ein riesiges Verbrechen.
Zwei Wortschöpfungen von Nagwa müssen hier jetzt doch einmal festgehalten werden, weil ich sie so schön fand: "The body's self-defense army" (= Immunsystem) und "Cemetery for garbage" (= Müllhalde). Beides hat natürlich mit Hiltler überhaupt nichts zu tun - aber es passt so gut in den Titel (und erinnert an Harry Potter, dessen Plot ja bekanntlich auch was mit den Ereignissen im dritten Reich zu tun hat).
Hitlers "Mein Kampf" (in der arabischen Übersetzung) ist hier übrigens eine gern gelesene Lektüre. Und im Fernsehen wird durchaus mal behauptet, alles was Israel über Hitler erzählen sei erstunken und erlogen. Da war Nagwa natürlich überrascht, einmal die andere Seite der Geschichte zu hören. Vor allem als ich ihr hochdramatisch klar gemacht habe, dass Hitler - würde er noch leben - alle Muslime killen würde, weil sie auch nicht zur Herrenrasse gehören. Im Lauf des Gesprächs habe ich beschlossen, dass ich Nagwa "Schindlers Liste", "Das Leben ist schön" und "Das Tagebuch der Anne Frank" besorgen werde - sozusagen als emotionale Aufklärung (wenn schon nicht wissenschaftliche). Und am Ende waren wir uns zumindest in einer Sache sehr einig: Hitler war verrückt und was er getan hat ein riesiges Verbrechen.
Zwei Wortschöpfungen von Nagwa müssen hier jetzt doch einmal festgehalten werden, weil ich sie so schön fand: "The body's self-defense army" (= Immunsystem) und "Cemetery for garbage" (= Müllhalde). Beides hat natürlich mit Hiltler überhaupt nichts zu tun - aber es passt so gut in den Titel (und erinnert an Harry Potter, dessen Plot ja bekanntlich auch was mit den Ereignissen im dritten Reich zu tun hat).
Montag, 11. Januar 2010
Yoga mit Ralf
"Hier einen Moment verweilen, dann erneut beginnen!" - Die Acht Bewegungen der Wirbelsäule scheinen mir doch irgendwie mehr als acht Bewegungen zu sein! Immerhin ist meine DVD mit Ralf Bauer, der gestylt wie Daniel San - und umgeben von vier gleich gekleideten Frauen - in der Wüste den Yogi-Meister gibt. Wer in sich das Bedürfnis verspürt, sein Yoga mal wieder aufzufrischen: "Yoga mit Ralf Bauer - 1 + 2" (ja, ich habe mir beide Teile gegönnt) ist wirklich kein Fehlkauf! Sehr entspannend. Selbst wenn man nur - wie ich gerade - zusieht. JA! Ich bin selbst für Yoga zu unfit. Schon erstaunlich wie schnell man das Fitnesslevel einer Stampfkartoffel erreicht - und wie hart es dagegen ist, auch nur ein wenig Kondition zu halten.
Freitag, 8. Januar 2010
Wie schwer kann das schon sein? Teil 1001 - Kofferschlösser reparieren
Wieder einmal hat sich meine Theorie bestätigt: Nichts ist wirklich Raketenwissenschaft - und Kofferschlösser reparieren ist gar nicht so schwer, wie man denkt. Und so begann meine 20-minütige Karriere als Schlösserdoktor.
Chris (gereizt): Beim kleinen Koffer ist jetzt auch das Schloss kaputt.
Ich (genervt): Was hast du jetzt schon wieder gemacht? Neulich ging es noch!
Chris (noch gereizter): Ich hab gar nichts gemacht. Es geht einfach nicht mehr.
Ich: Schau halt mal im Internet nach, vielleicht ist das ein übliches Problem mit den Titan-Zahlenschlössern.
Vorgeschichte: Einer unserer anderen Titan-Koffer ging neulich auch nicht mehr auf. Der steht jetzt verschlossen in Deutschland, bis wir wissen, wie wir ihn öffnen, ohne ihn zu zerstören. Wenigstens ist das jetzige Problem nicht ganz so schlimm. Der Koffer ist geöffnet und nicht geschlossen. Im schlimmsten Fall kann er mit Vorhängeschloss benutzt werden...
Während Chris im Internet nachschaut, übe ich mich als Schlossknacker und versuche herauszufinden, ob man wirklich Geräusche hört, wenn man die richtige Zahl eindreht. Ich glaube Geräusche zu hören - aber das Schloss geht trotzdem nicht auf.
Chris findet inzwischen heraus, dass das Personal am Flughafen Generalschlüssel für TSA-Schloss-Koffer hat und die Tatsache, dass das Schloss nicht mehr aufgeht, ein Hinweis dafür sein könnte, dass der Koffer vom Zoll geöffnet und dabei irgendwas im Schloss verschoben wurde. Weiter findet er heraus, dass man aus diesem Grund auf Flugreisen das Zahlenschloss gar nicht erst schließen soll.
Ich verliere die Lust am Safeknacker-Dasein und beschließe: Was angeschraubt wurde, kann auch abgeschraubt werden. Ehe ich das Innenfutter des Koffers aufschneiden kann, sehe ich Gott sei Dank den großen Reißverschluss in der Mitte und benutze diesen, um ans Schloss zu kommen.
Ich schraube also das ganze Teil ab. Natürlich haben wir nur scheiß Schraubenzieher, die sich mitdrehen. Die schwerste Schraube lasse ich darum Chris mit brachialer Gewalt aufdrehen. Ergebnis: Das Schloss springt auf - und das ganze Innenleben des Schlosses heraus.
Ich (entnervt): Na toll! Jetzt kriegen wir das nie wieder zusammen.
Chris (sehr gereizt): Ich hab gar nichts gemacht, es sind Federn drinne.
Ich (kämpferisch): Mal schauen, vielleicht kann ich es nochmal zusammenbauen.
Und ich weiß nicht wie, aber 20 Minuten später hab ich das Schloss mit allen Rädchen und Federn wieder zusammen gehabt und zwar so, dass man es wieder öffnen und schließen kann! Mit der neuen Zahlenkombination 888. Da der Erfolg dieser Aktion zugegebener Maßen etwas unwahrscheinlich war, musste ich diese Leistung gleich mal in einem Blog-Eintrag festhalten. :-)
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