Gibt es eigentlich Flüge, bei denen nicht nach einem Arzt gefragt wird? Ich habe noch keinen erlebt! Mehr als einen geschlossenen Raum, den man für eine gewisse Zeit nicht verlassen kann, braucht es scheinbar nicht, damit die schlimmsten Krankheiten zu Tage treten. So auch beim Flug von Alexandria nach Dubai. Komplikation: Kein Arzt an Board! Ungewöhnlich. Die durchschnittliche Ärzterate liegt gewöhnlich bei fünf. Der eingebildete Kranke musste deshalb allein auf die Erste-Hilfe-Kenntnisse des metrosexuellen Flugbegleiters vertrauen. Der Schönling eilte zum Notfall-Kit, bewaffnete sich mit einer Sauerstoffflasche, gab dem Kapitän einen Krisenbericht durch (Patient down, aber noch bei Bewusstsein) - und brachte den halb Dahinsiechenden in eine notdürftige stabile Rückenlage. Mehr war dank enger Sitzreihen auch nicht rauszuholen. Brav hielt er die schwarzbesockten Füße des Kranken, fand beruhigende Worte - und war auch nicht ärgerlich gegenüber dem neugierigen Mob, der sich sofort um das Spektakel gerottet hat. (Okay, ich habe auch einen Blick riskiert *g*). Mir tat der Steward etwas leid, denn es war nicht absehbar, wie lange er die Füße würde halten müssen - und der Flug dauerte noch mindestens zwei Stunden. Am Ende gesundete der Notfall wieder - und geriet auch sofort wieder in Vergessenheit. Nur eine Frage bleibt bestehen: Warum gibt es eigentlich Skymarshalls aber keine Skydoctors? Wer hat denn schon einmal unbedingt eine bewaffnete Person an Board gebraucht? Eben. Skydoctors... wäre doch mal ein wirklicher Wettbewerbsvorteil. Nicht nur in den Lüften, sondern auch, falls man flugbrüchig wird...
P.S.: Ich habe einen neuen Freund gewonnen: Abdul Redh aus Kuwait. In einem endlosen Monolog hat er mir von seinen fünf Kindern, seinem "Häuschen" (12 Schlafzimmer, 8 Badezimmer) - und seinen unzähligen Besuchen in Deutschland erzählt. Er drückte mir seine Visitenkarte in die Hand - falls ich jemals nach Kuwait käme..., versicherte mir, die Deutschen seien die Besten - und fand es lustig, dass wir immer "Scheiße!" sagen. Der Opa war echt herzig, wie er so vor sich hingackerte. Zum Abschied drückte er mich auch mal herzhaft an seine Brust, Küsschen rechts, links und großväterlich auf die Stirn. Naja... weil er so nett war, unterstelle ich ihm mal keine unsittlichen Motive. Obwohl es durchaus ungewöhnlich ist, dass ein muslimischer Mann eine fremde Frau berührt. Aber wahrscheinlich hat er mich tatsächlich für seine jüngere Schwester gehalten: Seiner Meinung nach sehe ich nämlich aus wie 45! WAS?