Dienstag, 31. Mai 2011

Eskalieren für Dummies

Live dabei: Grade eben wurde aus ner Mücke ein Elefant gemacht. Im Flughafen: Ein Mann hatte scheinbar einen hysterischen Anfall und lief mit seinem Essbesteck "What have I done?" schreiend im Kreis herum. Die ersten Kopftuchträger rannten schon weg. Und wenn jemand wegrennt, schau ich natürlich gleich mal nach, was los ist. Der Mann lief eigentlich immer nur im Kreis herum und wiederholte sich. Er schrie. Okay, das klang bedrohlich. Das war aber auch alles. Er versuchte nicht, sich auf jemanden zu stürzen. Er drohte auch keinem. Er hatte aus irgendeinem Grund seine Hose offen. Und er trug etwas in der Hand, was auf den ersten Blick wie eine Waffe wirkte. Als ich sah, dass es nur ein Essbesteck war und keiner was unternahm, fragte ich ihn, was denn los sei. Er reagierte zuerst nicht, aber ich hab noch zwei Sätze weitergesprochen und bin vorsichtig einen Schritt näher. Worauf ein Typ, der die ganze Zeit nichtstuend auf seinem Barhocker saß, meinte, ich solle besser wegbleiben. Ich ignorierte ihn, weil ich das Gefühl hatte, dass der Hysterische sich etwas beruhigte. Als ich noch einen Schritt auf den Mann zugehen wollte, fühlte sich der Barhocker-Fritze animiert, lieber mal selbst einzugreifen - und sprach total aggressiv mit dem Verwirrten. Forderte ihn auf, sich zu beruhigen und das Messer aus der Hand zu legen. Ich versuchte zu deskalieren, indem ich dem Mann fragte, was denn los sei und ihm sagte, die Leute bekämen Angst vor ihm. Wer weiß, was genau dazu führte - der Mann legte das Besteck weg. Und der Barhocker-Fritze bekam es plötzlich mit dem Mut zu tun. Plusterte sich vor ihm auf, sagte er solle sich endlich beruhigen (dabei war er schon auf dem Weg dahin) und rückt ihm auf die Pelle. Dann kam auch noch ein "Sicherheitsbeamter" - und sie trieben den armen Kerl gemeinsam in die Enge. Dabei hätten sie ihn einfach nur in ruhigem Ton in ein Gespräch verwickeln müssen. Kaum ging der vermeintliche Terrorist, dem man deutlich die Panik im Blick ansah zwei Schritte zurück, liefen drei weitere Männer ihn zu. Und wie sollte es anders sein: Der Mann tickte aus, stieß die anderen weg und wollte abhauen. Worauf sich gleich ein ganzer Pulk auf ihn stürzte und ihn niederdrückte. Ich sagte, sie sollen ihn in Ruhe lassen, er habe gar nicht gemacht. Meinte einer der Araber: "Holding a knife is nothing?" (Wir standen in der Mitte eines Restaurant... alle Anwesenden hielten ihr Besteck in den Händen). Ich antwortete: "It was a butterknife!" Aber der Mob war längst blind und keiner hörte auf mich.
Da ich sowieso nichts weiter tun konnte, wollte ich mir das Elend nicht länger anschauen und bin gegangen, während sich die Menge um das Spektakel rottete. Entwarnung: Er lebt noch, wurde ca. 20 Minuten später in Handschellen abtransportiert. Hoffentlich tun die ihm nichts. Dilettanten. Und am ganzen Flughafen: Keine Polizei! Während die Metro an jeder Station bewacht wird, gibt es hier nur "Sicherheitsleute" (die wohl eher dafür zuständlig sind, den Weg zu weisen oder alte Leute mit dem Wagen rumzufahren), die mit der Situation sichtlich überfordert waren. Einer bekam nicht mal die Handschellen auf, die er dabei hatte. Das Schlimme: Es war deutlich sichtbar, dass sich der geistig Verwirrte wegen etwas aufgeregt hatte, das scheinbar kurz vorher passiert war. Dabei hatte er vermutlich das Besteck nur zufällig in der Hand. Es war nämlich benutzt und er hatte auch eine Gabel - anzunehmen, dass er einfach vom Essen aufgestanden war. Er trug sie auch wie Besteck und nicht, als wollte er sie als Waffe benutzen. Man sah, dass er sich nur wenig später seinem eigenen Anblick bewusst war - aber keinen Plan hatte, wie er jetzt das Besteck los würde. Als er es dann aus der Hand legte und sagte, er wolle doch nur, dass ihm einer helfe/zuhöre, haben sich alle auf ihn gestürzt. Einfaches Reden wäre alles gewesen, was es gebraucht hätte. Und ich hasse Menschen wie den Barhocker-Fritzen, die erst dann mutig werden, wenn der andere hilflos ist - aber sonst total feige sind. Obwohl der sich jetzt wahrscheinlich als Held fühlt, da er ja eingegriffen hat, damit ich nicht weiter auf den Mann zugehe. Hoffe nur, die tun dem nix. Der Mann war nämlich Ausländer und die werden hier ja nicht nett behandelt. Wahrscheinlich war das auch der Grund, warum er sich überhaupt aufgeregt hat... kam bestimmt so ein sich selbst verherrlichender Araber mit seiner "Die Welt gehört mir"-Einstellung... womöglich war's sogar der, der weggerannt ist, als der Mann zu schreien anfing. Ach, die Welt ist manchmal ziemlich scheiße - und man kann gar nichts tun, um das zu verhindern.

Montag, 30. Mai 2011

Auszug aus Ägypten

Der Horrotrip nach Alexandria konnte letztlich nicht verhindert werden. Jemand musste die Wohnung ausräumen - und dieser jemand war ich. Gott sei Dank hatte ich Nagwas Unterstützung dabei, die mit mir zwei von vier Tagen räumte. Und Omar, der mit mir Kisten & Möbel aus der Wohnung schleppte und versprach, sich um den Verkauf meiner "Wertsachen" zu kümmern. Und nicht zu vergessen Dina, die all den Sachen, die ich nicht direkt mitnehmen konnte, ein Asyl gab. Danke dafür!

Über Qatar kam ich also Anfang April wieder nach Alex - und war direkt genervt von der Lahmheit der Zollbeamten: Zwei Beamte stempeln in Ägypten langsamer, als sonst wo ein halber. Beliebteste Anstell-Form selbst am neuen Borg el Arab-Flughafen ist immer noch die Menschentraube. Dafür hatte ich mal wieder direkt eine Mitfahr-Gelegenheit gefunden: mein Sitznachbar, dem ich das Verhandeln mit Taxifahrern jedoch erst beibringen musste. Er war doch tatsächlich überzeugt, dass man für unter 150 L.E. nicht nach Alex käme. Letztlich sind wir für 60 L.E. gefahren!

In der Wohnung angekommen musste ich feststellen, dass ich zwei Monate das Licht habe brennen lassen. Immerhin war's eine Energiesparlampe. Und ich habe auch mein erstes Erdbeben erlebt. War zwar nur kurz, aber wenn im 13. Stock plötzlich die Lampe hin und her schwingt, wird einem anders.

Hier einige Impressionen von der Gewaltaktion: "Wohnung ausräumen in 4 Tagen!"

Überall Koffer - insgesamt 116 kg Gepäck, die wieder zurück nach Deutschland mussten. Wann genau hatten wir das alles nach Ägypten geschleppt?

Die Überreste meines Arbeitsbereichs.

Unglaubliche 16 Säcke voll Zeug habe ich Nagwa geschenkt. Erschreckend, was sich in eineinhalb Jahren so alles anhäufen kann.

Am Ende war's geschafft - und ich habe alles, wirklich alles wieder entfernt: selbst die Energiesparlampen, die Matratze und den Duschvorhang. Meinen raffgierigen Vermietern (3.000 L.E. für eine Wohnung, die max. 2.500 L.E. Wert ist) wollte ich nichts überlassen. Es war alles so sauber, als hätte ich nie darin gewohnt.

Die Küche glänzte - soweit es ihr möglich war.

Auch das Schlafzimmer: sauber wie selten.

Und ewig unvergessen: Der Blick vom Balkon bei Sonnenuntergang.

Zur Straße hin und über die Dächer der Stadt hinweg.

Und die schmale Aussicht aufs Meer...

und den Montazah-Park mit Palast. Ach... "schee war's".





48 Grad und es wird noch heißer

Ohne Worte!


Samstag, 28. Mai 2011

Grenzerfahrungen

Eine gute Sache hat sich gerächt. Wer als Deutscher über Dubai in den Oman kommt, braucht am Flughafen kein Touristen-Visum kaufen, sondern kann ein Dubai-Visum bekommen. Das ist kostenlos. Und man spart 20,00 RO. Viele wissen das nicht. Ich wusste es und bin gleich mal gebührenfrei ins Land. Aber auch ich wusste etwas nicht: Dieses Visum kann im Gegensatz zum Touristen-Visum nicht im Land verlängert werden. Und es gilt nicht vier Wochen, sondern nur drei!


Den Stempel, den ich hatte - deutlich zu sehen: nur 3 Wochen gültig!
Das Touristen-Visum, das ich besser gehabt hätte, sieht so aus.


Herausgefunden habe ich das so: Mein Visum musste verlängert werden. Wie immer habe ich bis auf den letzten Drücker gewartet. In meinem Fall nahm ich an, der letzte Drücker wäre einen Monat nach Einreise. Bei Muriya sagte man mir, ich könne das Visum einfach am Flughafen verlängern. Tatsächlich gibt es dort einen Schalter. Sehr praktisch. Der Schock: Der Beamte hinter dem Schalter wollte mir das Visum nicht verlängern, weil er nur Touristen-Visa verlängern könne und das sei keins. Auf meine Frage, was ich jetzt tun solle, es sei doch nur ein Stempel, ob er nichts machen könne, seine stoische Antwort: „Sie müssen aus- und wieder einreisen!“ Hört sich simpel an - wenn man sich in der Nähe einer Grenze befindet. Doch die Grenze zu Dubai ist vier Stunden von Maskat entfernt! Und ich war erst vier Wochen in Maskat und froh, dass ich den Weg zum Flughafen unfallfrei gefunden hatte. 
Alles argumentieren und selbst ein zaghafter Bestechungsversuch brachten mich nicht weiter. Panik stieg in mir hoch. Zur Grenze fahren? In einem wildfremden Land? Durch die Wüste (keine Ahnung, warum ich dachte, ich müsse durch die Wüste fahren *g*)?
Hinter mir stand ein Brite, der meine Verzweiflung spürte (ich blockierte auch lange genug den Schalter und redete auf den Beamten ein!). Er riet mir, zum Ministry for Immigration zu fahren und dort mit weiblichem Charme und etwas Kleingeld mein Glück zu versuchen. Er beschrieb mir grob den Weg - und mehr durch Zufall stand ich 10 Autominuten später und ohne mich verfahren zu haben genau vor dem richtigen Gebäude. Wie mir zwei hilfsbereite Pakistani durch Gesten zu verstehen gaben, denn ich hatte beschlossen aufgrund der Vielzahl der Ministerien im Stadtteil As Seeb doch lieber mal nachzufragen. Wie alle Ämter war auch dieses Ministerium ein Haus, das Verrückte macht. Allein auf der Suche nach dem Schalter für Touristenvisa wurde ich bei jeder Nachfrage angewiesen „to the back building“ zu gehen. Als ich am allerletzten Gebäude auf dem Gelände angekommen war, wurde ich wieder nach vorne geschickt. 
Kurz vor dem Nervenzusammenbruch fand ich endlich einen Schalter, von dem man mich nicht mit „go to the back building“ wegschickte. Helfen wollte mir die Dame hinter dem Schalter jedoch auch nicht. Sie wies mich an, zur Grenze zu fahren. Ich versuchte ihr klar zu machen, dass ich den Weg zur Grenze nicht kenne und alleine auch nicht fahren wolle und fragte, ob es keine andere Möglichkeit gäbe, den Pass zu stempeln. Es sei doch nur ein Stempel und dafür eine mindestens 8-stündige Autofahrt auf mich zu nehmen erschien mir mehr als unnötig. Die Frau neben mir versuchte es mit einem konstruktiven „Es fährt auch ein Bus.“ Am Zeitaufwand für die Fahrt schien sich keiner zu stören. Mein Kampfgeist war sowieso durch die Hitze und die nervtötende Suche nach dem richtigen Schalter gebrochen. Also fügte ich mich in mein Schicksal und schleppte mich aus dem Gebäude. 


Die Tatsache, dass es bereits nach 13 Uhr war, ließ meine Laune nicht gerade besser werden. Da ich aber am Flughafen mit Schrecken gemerkt hatte, dass ich schon zehn Tage über der erlaubten Aufenthaltsdauer war (ich hatte bei der Einreise nicht in den Pass geschaut und schlicht angenommen, das Visum gelte vier Wochen), traute ich mich nicht, erst am nächsten Tag zu fahren. Denn in dem Moment, als ich sah, dass ich überfällig bin, fiel mir prompt ein, dass Nancy erwähnt hatte, man müsse pro überzogenem Tag 50,00 RO bezahlen müsse (in Wahrheit sind es nur 10,00 RO... und man hat zusätzlich eine gewisse Kulanzzeit). 


Ich musste also herausfinden, wie man von Maskat nach Dubai kommt. Erste Idee: Im nächsten Coffee Shop nachfragen. Dort konnte man mir nicht helfen. Idee Nr. 2: Den nächsten Omani auf dem Parkplatz fragen. Er sagte mir, ich müsse nach Sohar (was auch richtig ist). Also fragte ich, wie man nach Sohar käme. Er fing an, mir zu erklären, dass ich zurück zum Flughafen fahren müsse (denn von dort geht‘s nach Sohar). Ich merkte an, dass ich das bereits wisse und versuchte es mit malen. Ich zeichnete auf meinen Notizblock die Autobahn, den Flughafen und einen Pfeil. Hinter den Pfeil schrieb ich Muttrah - um zu zeigen von wo ich gekommen war und dass ich wisse, wo der Flughafen ist. Allerdings war das ein Fehler, denn der Omani erklärte mir nun nicht mehr den Weg nach Sohar oder von Sohar nach Dubai, sondern wollte unbedingt alle Stadtteile aufzählen, die zwischen Muttrah und dem Flughafen liegen. Mir wurde klar, dass das Gespräch eine Sackgasse war. Ich bedankte mich und rief Abdullah an. Warum ich das nicht gleich gemacht habe, weiß ich nicht. Wahrscheinlich, weil ich Telefonieren hasse. 
Abdullahs Wegbeschreibung war schon besser. Einfach die Straße geradeaus bis nach Sohar. Und in Sohar geht‘s irgendwann links. Simpel. Ich machte mich also auf die Reise zur Grenze. 


War eigentlich wirklich ganz easy. Denn es führt eine Autobahn schnurstracks von Maskat nach Sohar. Keine verlassene Wüste musste durchquert werden. Eigentlich ging es mehr oder weniger am Meer entlang. Immer geradeaus - ewig. 
Während der Fahrt fiel es mir schwer, meine Aggressionen zu unterdrücken, die die „Fahrkünste“ der Omani in mir auslösten: Sie überholen in unberechenbaren Rechts-Links-Kombinationen (erst später klärte mich Chris auf, dass in den meisten Ländern das Rechtsüberholen erlaubt ist). Ständig wird man mit Lichthupe oder nur mit Hupe aufgefordert, die Spur zu wechseln, weil man zu langsam fährt. Wenn man nicht direkt weicht, wird man vom Hintermann praktisch angeschoben. Dabei ist die Höchstgeschwindigkeit auf allen Straßen 120 km/h! Die Bedeutung des Beschleunigungsstreifens ist den Omani unbekannt. Wenn, dann wird er eher als Anschleichstreifen interpretiert. Zusätzlich muss man höllisch aufpassen, weil ständig Fußgänger die Autobahn überqueren. Selbst sechs Spuren können sie davon nicht abhalten, gemütlich auf die andere Seite zu spazieren. Auf der Hinfahrt war das ja schon gefährlich. Auf der Rückfahrt bekam ich Kopfschmerzen, weil ich versuchte, schwarz gekleidete, dunkelhäutige Menschen in den Weiten der Nacht rechtzeitig zu erkennen! 


Unterwegs gab‘s viel zu sehen: Eine Wendeltreppe, die als Ganzes transportiert wurde. Ein schrottreifes Auto, das mit offenen Türen auf dem Abschleppwagen stand und an dem deswegen keine anderen großen Fahrzeuge vorbei fahren konnten. Und in Sohar dann die „Revolution“: Panzer, Soldaten, die Zelte der Demonstranten und den ausgebrannten Lulu-Hypermarket.


Weil ich nett bin, hab ich unterwegs sogar eine trampende alte Dame mitgenommen - was ich jedoch sofort bereute, als sie anfing, sich im Auto die Hornhaut abzupopeln, mein Essen wollte und annahm ich würde sie bis vor ihre Haustür fahren.  


Irgendwie, ich weiß nicht wie, habe ich es an die Grenze geschafft. Nach viereinhalb Stunden Fahrt, kam ich endlich an den einsamen (allerdings beeindruckend großen) Posten in den Bergen. Gedränge gab es keins. Und der Grenzwächter, dem ich meine ganze Misere durchs Fenster geklagt habe, war sehr freundlich. Er hat mir einfach einen Stempel in den Pass gehauen, Geld wollte er keins - und Schritt 1 der Aktion, nämlich die Ausreise, war geglückt. Ohne dass ich ein Vermögen lassen musste. Ich war erleichtert. Bis zum Grenzposten Dubai ging‘s weitere drei Kilometer die Bergstraße entlang. Im Gegensatz zu den Omani hatten die UEA nur einen schmucklosen Bunker aufgebaut. 
Geschafft - Ankunft im gelobten Land!
Eine Straße in den Bergen - ohne schönes, weites Meer 


Da ich wusste, dass ich den Mietwagen nicht über die Grenze nehmen durfte, parkte ich und stellte mich ohne Auto in die Autoreihe. Der Mann am Schalter zeigte gnädig auf ein Gebäude, ehe ich zuviel Auspuffgase schnuppern konnte. Dort bekam ich meinen Einreise-Stempel. Der Mann am Ausreise-Schalter (ein Bunker auf der anderen Straßenseite) schaute leicht irritiert, als er sah, dass mein Einreise-Stempel noch nicht mal richtig trocken war. Aber er sagte nichts weiter und stempelte brav. Ich fuhr zurück in den Oman und wurde bei der Wiedereinreise prompt gefragt, ob ich denn einen Fahrzeugbrief habe. Ich versuchte zu erklären, dass ich das Auto nicht über die Grenze gefahren hätte. Als niemand mich verstehen wollte, wiederholte ich immer nur „company car“. Wahrscheinlich dachte sich der Grenzwächter, dass ein weiteres Gespräch sowieso keinen Sinn habe und winkte mich durch (natürlich nicht, ohne vorher den Wagen zu durchsuchen *g*). Mit einem Touristen-Visum und damit dem vierten Stempel des Tages machte ich mich auf den Rückweg und erreichte „nur“ 11,5 Stunden nach meiner Abfahrt vom Ministerium endlich mein Bett. Das ist damit meine längste Autofahrt an einem Tag!


Was können wir aus dieser Geschichte lernen? Aufpassen, welches Visum man hat! Das kostenlose Dubai-Visum ist nur dann sinnvoll, wenn man maximal drei Wochen im Land bleiben möchte. Es kann nämlich nicht im Land verlängert werden. Das Touristen-Visum (4 Wochen gültig) kostet zwar 20,00 RO - dafür lässt es sich problemlos am Schalter im Flughafen um einen Monat verlängern (Verlängerung kostet ebenfalls 20,00 RO). Öffnungszeiten des Schalters, der im Abflugbereich des Flughafen Maskat sind: Samstag bis Mittwoch, 8 bis 13 Uhr. 

Nach all den Mühen: Eine weitere vollgestempelte Seite in meinem Pass. Ich mag Stempel :)

Dienstag, 22. März 2011

Andere Länder - andere Geschmacksrichtungen


Direkt bei mir ums Eck (sehr fatal) ist ein super günstiger Eisladen (ein Eis, ein Rial... Moment... das sind ja zwei Euro! So günstig ist der überhaupt nicht. Scheiß kleine Zahlen!). Dort gibt es frisch gepresste Fruchtsäfte, Milchshakes - und Eis in nie getesten Geschmacksrichtungen. Da kann eine immerhungrige Raupe wie ich nur eines machen: Sich beherzt durchs Sortiment fressen. Soweit so lecker: Saffron-Almond (obwohl ich auf die Mandeln verzichten könnte) und Chico (bräunlich... sah aus und klang als sei Schokolade drin, darum habe ich es auch direkt bestellt - ist aber eine kiwiähnliche Frucht, wie mir der Eisverkäufer erklärte).

Und so sehen Chicos aus. In Deutschland nennt man diese Dinger "Sapotille" (auch noch nie gehört). Schmecken angeblich außerordentlich süß und erinnern an "birnige" Schokolade mit einem Hauch von Zimt (muss mir ein Kilo Chicos besorgen).

Montag, 14. März 2011

Driving the Dizzy

In heißen Ländern gehört es zum guten Ton, sich auf der Straße zu helfen. Nicht nur bei Pannen, sondern auch von einem Ort zum anderen. Darum nehme ich auch brav jeden mit, der am Straßenrand auf eine Mitfahrgelegenheit wartet und regungslos in der Glut gegen die drohende Austrocknung kämpft. Meist Inder und Pakistani - aber ich hatte auch schon einen Omani im Auto. Fühlt sich irgendwie gut an zu helfen. Und wer hilft, dem wird geholfen! Jameela, die neulich meine Beifahrerin war und der ich von meinen Problemen bei der Wohnungssuche erzählt habe, hat tatsächlich versucht mich zu unterstützen: Heute bekam ich eine SMS von ihrer Arbeitgeberin, der Jameela von meinen Sorgen berichtet hatte und die fragte, was sie für mich tun könne. Irgendwie ist der Oman zu gut, um wahr zu sein. Wo ist der Haken in diesem Land (außer dass es an Raketenwissenschaft grenzt, eine bezahlbare Unterkunft zu finden)?

Übrigens: Ich habe seit gestern eine Wohnung! Jetzt kann ich mich wieder entspannen und das Land genießen. Kostet auch "nur" 350 OMR.

P.S.: Abullah hat übrigens mehr oder weniger entsetzt geschaut, als ich ihm gesagt habe, was mir als Englischlehrerin geboten wurde. Er meinte, das Mindestgehalt für 18 Unterrichtsstunden/Woche sei 1.250 OMR!

Samstag, 12. März 2011

Omen...

Lese gerade, was in Japan los ist. Und es kam nicht einmal unverhofft! Als ich eben am Strand entlang spaziert bin, habe ich die japanische Botschaft gesehen. Dachte mir noch: "Nanu! Warum hängt denn die Fahne auf Halbmast?" Jetzt weiß ich mehr. Scheiß Nachrichten. Versauen einem den ganzen Tag. 

Die Gehörnten...

Seit heute weiß ich, dass man Gebets-Hörnchen nicht nur auf der Stirn bekommt - sondern auch an den Knien. Man möchte einen Bimsstein nehmen und feste über die blauen Knubbel schrubben. Aber naja - wenn's den Gläubigen glücklich macht...

Montag, 7. März 2011

Money for nothing - and the flight's for free

Das ganze Projekt wird verschoben. Aber: Ich kriege Geld für einen Monat plus Auto plus Unterkunft plus Rückflug. Und: Sie wollen mit mir sprechen, weil sie mich gerne ab September mit im Boot hätten.
Damit war das offiziell der am besten bezahlte Job meines Lebens. Für sieben Tage mehr oder weniger anwesend sein und Ideen sammeln: 950 OMR :)
Außerdem fand ich Mr. Ahmed sehr nett - und Mr. M hat mir sogar omanische Süßigkeiten als Abschiedsgeschenk dagelassen. It's true: All's well that ends well...

Ausgemäht

Abdullah hat mir geraten aufzupassen, damit ich ja keine Ziege überfahre. Die zu bezahlen ist nämlich ziemlich teuer. Eine Ziege = 100 OMR. Wenigstens kosten Zicklein nur 50 OMR. Also genau so viel wie fällig wäre, wenn ich meinen Mietwagen komplett zerstöre.
Das Gute: Nur wenn ich tagsüber eine Ziege überfahre, bin ich auch schuld. Nachts ist ein Unfall mit Todesfolge das Problem der Ziege bzw. das ihres Besitzers.
Leider habe ich auch schon zwei Tiere auf dem Gewissen. Glücklicherweise keine Ziegen. Dafür ein Vogelpaar, das vor lauter vögeln das Fliegen vergessen hatte. Wenigstens konnte ich mein Karma am selben Tag noch ausgleichen: In der Schule in Yiti war ein verliebtes Vogelpärchen getrennt. Einer der beiden war drinnen gefangen. Der andere saß am Fenster und leistet ihm Gesellschaft (wusste gar nicht, dass Vögel so etwas tun... dachte erst, es sei ein Spiegelbild). Habe den Gefangenen befreit. :)

Mittwoch, 2. März 2011

His Majesty

Sultan Qaboos ist wirklich beliebt. Nicht nur schwärmt jeder von ihm (mit leuchtenden Augen!). Es gab auch bereits Support-Märsche, um dem Sultan zu zeigen, dass sein Volk ihn liebt. Und die Protestierenden gestern, die Veränderungen fordern, vergaßen nicht zu betonen, dass sich ihre Kritik nicht gegen His Majesty richtet.
Gerade sitze ich in einem Café, in dem sich außer mir noch ein paar junge Studenten aufhalten - und was sehe ich? Einer der Jungs hat als Bildschirm-Hintergrund das Konterfei des Sultans! Irgendwie sind die Omanis ja sehr herzig in ihrer Verehrung.
Und damit auch in der Heimat mal jeder weiß, wie der liebe Sultan aussieht: ein Bild.

HM Sultan Qaboos - steht als Hintergrund für Bildschirme aller Art gerne zur Verfügung. 

Montag, 28. Februar 2011

Erste Wandertouren

Ich bin erst seit ein paar Tagen hier - und war schon zwei Mal auf einer mehrstündigen Tour. Die Berge sind einfach toll (aber brüchig).

Tour 1: Hinterm Haus den Berg hoch (Qantab)

Direkt hinter meiner Wohnung in Qantab ging's steil bergauf.
Armin kam etwas ins Schwitzen.
Oben hatten wir einen atemberaubenden Ausblick auf die Bucht...
... und auf das Dörfchen Qantab.
Am Grat entlang hatten einige ihre Schwierigkeiten
(im Vordergrund sind Reinhard und Susanna zu sehen)...
... aber wir kamen alle glücklich über den Berg
(auf dem Foto: Abullah, Harald und ich).



Tour 2: Über den Berg bei Mutrah

Blick auf den Hafen von Muscat.
Blick auf die Berge.
Ein kleines Paradies.
Ich kämpfe mich durchs "Flusstal"...
... und über den Geröllweg.
Schwierige Stelle: Ich musste über den blanken Fels.
Ist übrigens ein Suchbild, denn ohne es geplant zu haben, bin ich perfekt getarnt. :)

Proteste in Ruwi (Muscat)

Es ist wie verflucht. Ich bin der Protestwelle immer voraus. Gestern gab es zwei Tote in Sohar bei Demonstrationen. Die Omani wollen Demokratie und mehr Arbeitsplätze. Heute soll es weiter gehen. Es ging schon eine SMS von Reinhard um, der uns sagte, dass ab vier Uhr Protestaktionen im Botschaftsviertel (Ruwi) geplant sind. Mal sehen, ob ich überhaupt nach Hause komme, denn ich muss durch Ruwi.

Alle witzeln, dass jetzt das Öl noch teurer wird. Und das erste Mal in meinem Leben würde ich das sogar mitkriegen, denn ich habe seit gestern ein Auto. Habe mich auch schon mehrfach verfahren. Macht aber nichts: Ich trainiere meine Intuition. Einfach die Autobahn entlang, bis man was wieder erkennt und dann abfahren. Und falls man ganz lange nichts wieder erkennt: umdrehen. Im Gegensatz zu Alexandria ist hier der Verkehr ganz angenehm (obwohl man natürlich dennoch ständig von rechts überholt wird, wenn man mal weniger als 120 km/h fährt).

Ist er nicht schön?
Er hat sogar meine Lieblingsfarbe - und ganz wenige Kilometer auf dem Buckel,
denn ich bin die erste Mieterin.

Dafür habe ich ihn gleich mit einem Parkplatz direkt am Strand belohnt.

Sonntag, 27. Februar 2011

Im Büro von Muriya

9 Uhr
Obwohl alles geklärt schien bevor ich hierher kam, muss ich jetzt ein Verhandlungsgespräch führen. Habe überhaupt keine Lust dazu. Was soll das Ganze? Und warum ist immer alles so kompliziert?
15 Uhr
Gespräch geführt. Soweit hat sich alles geklärt und meine Konditionen werden mehr oder weniger akzeptiert. Etwas Optimismus macht sich breit. Das blöde Bauchgefühl habe ich aber leider immer noch. Heiliger Schwur an mich selbst: Wenn es mir nicht gefällt an der Schule, werde ich NICHT wieder ein Gefühl von Schuld und Sühne entwickeln. Ich werde sagen, was mir nicht passt - und wenn es nicht geändert wird, packe ich meinen Koffer und gehe. Schließlich bin ich niemandem etwas schuldig. (Note to self: Read this entry daily!)




Hier ist die Zentrale der Firma, für die ich arbeite.

Und ja, es gibt auch ein offizielles Firmenschild. 

Ein kleines Dorf im Nirgendwo...

Qantab (Oman)
Donnerstag, 24.02.2011 - 15 Uhr
So far no good. Die Arbeitsstelle ist nicht in Muscat, sondern außerhalb. Sehr weit außerhalb. 30 Minuten mit dem Auto - durch die Bergstraße wird die Fahrt zu einer Odysee durchs Nirgendwo. Das Schulgebäude ist ein Stacheldraht umzäunter Blechcontainer-Komplex.


Es fehlen nur noch die Wachtürme und die Schäferhunde, um das Bild perfekt zu machen.
Die Container sind jedoch nur eine vorübergehende Lösung, denn die Schule wird erst noch gebaut. Dennoch: Der Sommer ist darin bestimmt kein Spaß. Hier einige Impressionen vom Schulgebäude, das voraussichtlich in drei Monaten zum Dienst bereit steht. 


Schule von außen.

Schule von innen.


Die angebliche Halbtagsstelle ist nicht wirklich eine (ich soll zwar fünfzehn Stunden pro Woche unterrichten, wie vereinbart - aber den ganzen Tag an der Schule bleiben. Und die Stunden sind auch schön über den Tag verteilt). Die Arbeitswoche hat sechs Tage (What? Das war so nicht ausgemacht!). Unterkunft wird gestellt ist zu übersetzen mit: Unterkunft musst du dir selber suchen, aber wir stellen einen Teil des Geldes (und selbst den geben wir ungerne). Immerhin habe ich ein Bett mit Bad in Qantab. Hin kann ich nirgends (Dorf am Meer). 



Reinhards Bed and Breakfast.

Die Ziegen dürfen natürlich in einem echten Dorf nicht fehlen.

Zimmer ist ganz idyllisch.
Und ein eigenes Bad habe ich auch (wichtiges Wohlfühlkriterium!)


Internet hab ich nicht, Stick auch nicht. Handy funktioniert nicht - das Aufladen mit Prepaid-Karte hat nicht funktioniert (dachte mir schon, dass ich dazu eine andere SIM-Karte brauche). Der Akku neigt sich dem Ende zu - und ich habe das Ladegerät zwischen Kapstadt und hier irgendwo verloren. Alles scheiße. Essen gibt‘s auch keins. Fühle mich gestrandet und verloren. Ach ja: Habe ich schon erwähnt, dass mein Chef in Spe (Gerhard) angedeutet hat, er wolle die Gruppe teilen, sodass ich dann auf 24 Unterrichtsstunden käme? Da habe ich aber gesagt, dass ich dazu auf keinen Fall bereit bin. Unterschrieben habe ich noch nichts. Und ich bin mir gar nicht sicher, ob ich das überhaupt machen will. Wenn dann nur zu anderen (also den vereinbarten) Konditionen! Habe ein seltsames Bauchgefühl. Aber das Land ist so schön! Vielleicht leiht mir Nancy (Zukünftige Kollegin. Kanadierin und sehr nett. Wirkt direkt kompetenter als eine gewisse andere Kollegin von mir.) ihr Auto? Hm. Alles scheiße. Und anrufen kann ich auch keinen. Mist. Mist. MIST! 
Soll ich 20 Minuten zu diesem Hotel laufen, das angeblich hier zwischen den Hügeln liegt? Ich hab kein Handy... wenn was passiert kann ich keinen erreichen. Scheiße ist das! 


19.30 Uhr
So far - a little better. Nancy hat mich zum Lulu Hypermarket gefahren. Jetzt habe ich eine Handykarte, ein neues Ladegerät (für insgesamt 10 Euro), Lebensmittel (Schokolade! *g*) - und Seife (ja, auch die habe ich unterwegs in einem Hotel vergessen... habe inzwischen an jedem einzelnen Ort etwas liegen lassen!). Dazu kamen mehrere Gespräche mit Nancy und den zwei Schweizern, die heute noch dazu gekommen sind und hier im Haus übernachten (reisen schon seit viereinhalb Jahren durch die Welt!). Auch Chris habe ich erreicht und es ist klar: Morgen wird Tacheles geredet - und wenn der Vertrag nicht entsprechend ist, dann fahre ich halt wieder. Schließlich habe ich eine Wohnung in Alexandria. 
Lustig: Der Omani am Nawras-Stand, der mir eine SIM-Karte verkaufte und dem ich aus Verzweiflung gleich meine ganze Lage ins Ohr gedrückt habe, meinte ich solle den Vertrag annehmen und mir von hier aus was Besseres suchen. Und - was der heutige Spruch des Tages wird, auch wenn ich den Wahrheitsgehalt der Aussage bezweifle: „It‘s better to have a bad day in a foreign country than to have one at home.“
Übrigens: Habe das verloren geglaubte Ladegerät gefunden - natürlich war es im Rucksack, den ich vorher komplett durchsucht hatte.

Mittwoch, 23. Februar 2011

Um 22.20 Uhr geht's los...

... und dann bin ich mal gespannt, was mich im Oman so erwartet! Bin schon sehr aufgeregt, fühle mich inkompetent und total überfordert - alles genau wie immer, wenn mich was Neues erwartet. Es wird also bestimmt alles gut. Dennoch: Daumen drücken ist nie verkehrt! :)

Sonntag, 6. Februar 2011

Where life comes with a hint of mint!

Ab 1. März bin ich für vier Monate Englisch-Lehrerin - am schönsten Flecken der Erde: dem Oman. Hier schon ein paar Impressionen aus der Altstadt von Muscat (wir waren ja schon ein paar Mal dort *g*). Bilder vom Meer werden nachgereicht!





Freitag, 4. Februar 2011

What a difference a day makes!

Okay, Plündern können die Ägypter doch sehr gut. Und so viel Schaden wurde in einer einzigen Nacht angerichtet? Mich würde mal interessieren, wie viele Leute sich da als Plündertrupp zusammengerottet hatten.





So schnell werden wir dort wohl nicht wieder Kaffee trinken.

Montag, 31. Januar 2011

Flucht aus Ägypten

Taxifahrer kam. Stellte sich heraus, dass es wirklich kaum noch Benzin gibt. Alle paar Meter auf der Wüstenstraße ist eine Tankstelle - und nur bei einer einzigen bis zum Flughafen war noch Treibstoff zu haben (allerdings rationiert auf 20 Liter). Habe dem Fahrer darum 30 Pfund mehr gegeben - hätte ihm wohl besser zusätzlich noch gesagt, dass langsameres Fahren und einen Gang hochschalten Sprit spart. Aber so gut ist mein Arabisch nicht. 
Ich bin mittlerweile am Flughafen Borg al Arab und warte bis die Maschine eintrifft. Ohne Internet müssen sie warten, bis unser Flugzeug aus Dubai hier gelandet ist. Das Boardpersonal bringt die Passagierliste mit und erst dann können wir einchecken. Denke nicht, dass wir pünktlich um 12.35 Uhr starten werden.
Auf dem Weg zum Flughafen konnte ich mir mal einen Überblick verschaffen - und ich habe Schlimmeres befürchtet (Wie immer! irgendwie ist mein Kopf immer auf „Apokalypse now!“ eingestellt). Die Polizeistationen waren ausgebrannt. Teilweise waren ausgebrannte Mannschaftswagen am Straßenrand. 


Provisorische Straßensperren, die Anwohner erstellt haben, um ihre Straßen zu schützen (meist irgendwelche Stühle... keiner wollte wohl eines der kaputten Autos, die immer in der Rinne stehen, herzerren). Und natürlich überall Panzer: Vor dem Nobel-Hotel Four Seasons.


Vor der Bibliothek. 


Vor dem Carrefour (das übrigens noch steht, sogar die meisten Fenster scheinen mir noch heil zu sein - ich würde als Plünderer zuerst einmal Steine in alle Fenster werfen... hm... selbst plündern könnten wir Europäer besser *gg*).


Oder einfach mal so. Weil ein Panzer am Straßenrand immer was hermacht:





Straßenkontrollen durch Soldaten in der Innenstadt und auf dem Weg nach Kairo. 

Hier ein größerer Kontrollposten in der Nähe der Bibliothek von Alexandria.

Aber außer einem toten Hund und einer verendeten Kuh konnte ich keine Leichen am Wegesrand liegen sehen. Und auch keine brennenden Barrikaden oder ähnliches. Ebenso wenig bewaffnete (zivile) Männer. Scheinbar ist das Gröbste schon rum - oder Sandra hatte sich in ihrer Schilderung etwas von ihrer Angst leiten lassen (so wie meine Schilderung wahrscheinlich weniger dramatisch ist, weil ich Endzeitzustände erwartet habe). Wer weiß. Sobald ich wieder Zugang zu Nachrichten habe, werde ich mal schauen, was so passiert ist. Ich finde, dass bis auf das Militäraufgebot und die verlassenen Straßen alles eher normal wirkt. Frage mich, ob ich nicht einfach den Flug, den wir für in zwei Wochen gebucht haben, nehmen können. Vielleicht hätte ich - anstatt der allgemeinen Panik nachzugeben - einfach abwarten sollen (wie ich es zuerst vorhatte). Allerdings: Wenn‘s jetzt tatsächlich schlimmer wird, dann bin ich schon froh, dass ich aus dem Land bin. Ich verstehe zumindest jetzt, wieso Menschen zögern, ein Land zu verlassen. Man weiß ja nie, ob eine Situation unter Kontrolle ist oder anfängt außer Kontrolle zu geraten. Besonders dann nicht, wenn die Informationen, die man von außen bekommt, mit dem, was man selbst mitkriegt, so überhaupt nicht übereinstimmt. Heute hat übrigens auch unser Fathalla wieder aufgemacht. Business as usual? Bin gespannt, wie sich alles entwickelt. In drei Wochen kann ich dann ja selbst nachschauen, was abgeht. Hoffe nur, dass niemandem, den ich kenne, etwas zustößt. 
Am Flughafen ist die Hölle los - und auch den Fahrzeugen nach, die Alexandria verlassen haben, scheint eine allgemeine Flucht eingesetzt zu haben. 


Wagenkolonne verlässt Alexandria.

Probiere mal, ob das Netz wirklich noch nicht geht. Mist, immer noch kein Internet! Kann wirklich nicht verstehen, warum sie die Funknetze so lange ausschalten - das ist kriminell! 
13.30 Uhr
Das Flugzeug sollte laut Plan bereits eine Stunde in der Luft sein. Ich bin eben erst mit dem Check-In fertig - und es stehen noch ca. 30 Leute in der Schlange. Seltsamerweise ende ich in Ägypten immer am hinteren Ende einer Schlange. Das Vordrängen ist fürchterlich. Wenn man dem Vordermann nicht schon den Atem in den Nacken bläst ist, nach ägyptischer Meinung noch zuviel Platz - und man wird ohne Rücksicht auf Verletzungen vorgeschoben. Musste zwei alte Frauen anmeckern deswegen. Aber nachdem einer in der Schlange einen Tobsuchtsanfall bekommen hatte, weil ein anderer sich vorgedrängt hatte (direkt vor dem Schalter... natürlich eine Frechheit! *g*), waren die Angestellten zumindest bemüht, Drängler wieder nach hinten zu schicken. Bin ich so froh, wenn endlich wieder alles normal funktioniert. Schade eigentlich, dass ich die Woche nicht in Dubai verbringen kann. Dann müsste ich nicht so elend lange unterwegs sein. Erst heute Nacht um 2.20 Uhr geht‘s von Dubai aus weiter. Insgesamt 10 Stunden Flug und 7 Stunden im Transit (zumindest weiß ich so auch wirklich, was das ist). *ächtz*. 
Naja, die Leute, die am Flughafen arbeiten müssen, können einem auch leid tun. Nur aggressive Kunden. Und dabei können die nicht einmal etwas dafür, dass die Computer nicht zu gebrauchen sind (der Frau am Schalter hat vor Nervosität die Hand gezittert). Dazu kommen die Nachschubprobleme: Alle Cafés sind leergefuttert. Nur noch Getränke sind zu haben und selbst hier sind einige schon zu Neige gegangen. Wenn jetzt schon Notstand herrscht, wie werden dann erst all die genervten Reisenden reagieren, die später fliegen? Gut, dass ich dieses Mal an ein Sandwich gedacht habe - mit Fetakäse und Gurke und als Nachtisch etwas Schokolade. Heute darf fly.dubai ihre überteuerten Eierbrote wem anderes andrehen. Oder war das air arabia? Hmm... egal. In beiden Airlines macht die Tatsache, dass man für das Essen an Board extra zahlen muss den Geschmack nicht besser. 
Auch ein Phänomen: Immer wenn ich „nur das Nötigste“ zusammenpacke, sind mindestens 10 Bücher dabei, die ich grade ganz dringend brauche. Und seltsamerweise immer auch ein Arabischbuch, weil ich mir vornehme was zu lernen. Gelernt habe ich allerdings noch nie... die Frage ist nur, warum ich es trotzdem immer wieder als überlebenswichtig einstufe und mit mir herumschleppe (gerade habe ich vier Bücher im Handgepäck!) Und: MacBook schlägt Saxophon. Definitiv könnte ich ohne den Computer nicht leben. Obwohl das Saxophon wertvoller ist, musste ich es als Fraß für eventuelle Plünderer in der Wohnung zurücklassen - aber ich habe es gut versteckt. 
15.00 Uhr
Die Entdeckung der Langsamkeit
Wir sind endlich im Flugzeug. Boarding completed. Aber: Es fehlt noch ein wichtiges Dokument, das erst in 30 Minuten mit dem Fax geschickt wird. Warum braucht ein Fax 30 Minuten? Und wenn faxen möglich ist, warum wurden dann die Passagierlisten nicht auch gefaxt, sondern hergeflogen? Hinter mir ein weiterer Tobsüchtiger, der Rechenschaft fordert. Ich denke mir nur: that‘s Egypt und frage nach Wasser. Wenigstens gibt‘s einen Becher gratis. Und für Essen habe ich auch weitsichtig vorgesorgt. Oder wie das Kind auf dem Sitz neben mir bemerkte: "Baba hamm!" :)
21.00 Uhr Ortszeit Dubai - Ankunft auf dem Flughafen, der Verrückte macht
Ich habe mich schon auf einen ruhigen Aufenthalt im Transit gefreut. Scheißebächel, wie man in der Pfalz sagen würde. Die wollen für das Rerouting des Gepäcks 84 Dollar! Unverschämtheit. Weil ich mich bestimmt nicht so doof abzocken lasse, nehme ich den Weg des Einreisens und wieder Ausreisens auf mich. Natürlich gibt es keinen Bus zum Terminal 1 (ich bin auf Terminal 2 angekommen). Und das Taxi kostet 35 Dirham. Und natürlich lande ich erst im falschen Abflugbereich. Und selbstverständlich gibt es keinen Verbindungsgang zu dem Bereich, von dem die Lufthansa abfliegt (die ganze Gepäckkontrolle war also umsonst!). Aber dann endlich bin ich am Schalter. Und noch die erste dazu. 3 Minuten später denke ich mir: So einfach ist die Welt - oder: Hach, Lufthansa! Jetzt versuche ich mal Essen aufzutreiben. Yippie: Ich habe wieder Internet!