Dienstag, 2. Februar 2010

When a man drives a woman...

Die Taxifahrer werden auch immer dreister. Gestern bin ich zu einem eingestiegen, der mir dann zu verstehen gab, er wolle 5 L.E. für die Strecke zur Arbeit. Ich dachte mir: "Lass ihn mal reden und gib ihm dann 2 L.E." Genau das, was ich jeden Morgen bezahle. Aber dann schwante mir, dass der Typ bestimmt Stress machen würde, weil ich ja zugestimmt hätte. Also hakte ich nach: "Bikäm?" - Er: "5 Pound!" - Ich: "La'a! Ala gamba lohsamaht!" Nach etwa 50 Meter Fahrtweg bin ich also wieder aus dem Taxi ausgestiegen. Und dafür wollte der dann auch noch 1 Pfund. Ich hab ihm 50 Piaster in die gierigen Hände gedrückt, gesagt "Ya saläm, that's enough!" - und bin wütend ausgestiegen. Den Weg zur Schule hab ich danach im preistechnisch unkomplizierten Maschrua zurückgelegt. In den Minibussen sind die Preise für alle gleich. Als ich Dina von dieser Unverschämtheit erzählte, sagte sie mir, dass man üblicherweise alleine fürs Einsteigen in ein Taxi 60 Piaster zahle. :)
Am nächsten Tag, also heute, wurde es noch seltsamer: Ich stieg in ein Taxi ein. Und normalerweise verhandeln die Fahrer überhaupt nicht. Doch auch heute wollte der Fahrer direkt den Preis ausmachen. Er fragte, wie viel ich zahlen wolle. Ich hielt zwei Finger hoch. Er: "Twenty pounds?" - Ich: "No, two!" Da hat er den Kopf geschüttelt, ich hab wieder mein "Ya saläm!" gezischt (was soviel heißt wie "Gütiger Himmel, bist du ein Halsabschneider!") und bin ausgestiegen.
Glücklicherweise kamen im nächsten Taxi zwei Kolleginnen von mir angebraust. Der Taxifahrer hat auch gleich angehalten - ich bin vorne eingestiegen, hab "Hallo!" zu den Französischlehrerinnen gesagt, dreh mich zum Taxifahrer, um "Guten Morgen" zu sagen. Und wer sitzt da? Mein Wasser-Mohammed, der mir die Warmwasserleitung zur Küche gelegt hat. Dabei hat er die gesamte Wohnung mit seiner Hilti so zugestaubt, dass Nagwa einen halben Tag brauchte, nur um die Küche wieder begehbar zu machen. Und nach drei Besuchen hat er es immer noch nicht geschafft, das tropfende Rohr im Bad trockenzulegen. War irgendwie eine seltsame Situation. Natürlich weiß ich, dass hier viele mehrere Jobs haben, um über die Runden zu kommen. Aber Mohammed ist irgendwie seltsam. Er nimmt kein Geld von mir an. Für das Bad wollte ich ihm Trinkgeld geben. Er wollte es nicht. Auch das Geld für die Taxifahrt wollte er nicht. Und zu den verabredeten Tagen kommt er nie, sondern meist ungefähr eine Woche später als vereinbart. Seine Kleidung wurde auch zunehmend besser, wenn ich es mir jetzt so überlege. Jedenfalls hab ich beschlossen, dass ich mir - falls das Bad schlimmer wird - wohl einen anderen Wassermann suchen muss. Nicht, dass Mohammed noch denkt, ich wäre an ihm interessiert. Obwohl er ganz nett und höflich ist. :) Aber nicht, dass er sich falsche Hoffnungen macht. Zumal ich ja auch immer die Wohnungstür geschlossen habe, was man bei Handwerkern in Ägypten nicht macht. Denn das sind ja alles Verbrecher, da muss man im Notfall schnell flüchten können. Irgendwie verstehe ich diese ganzen Vorurteile gegenüber anderen Gesellschaftsschichten nicht. Aber vielleicht unterschätze ich auch den Reiz von Wohlstand und die Not der Menschen. Man muss der Wahrheit ins Gesicht sehen. Mit weniger als 900 Euro Gehalt gehört man hier zu der unteren Oberschicht. Hab ich schon erwähnt, dass das gesetzliche Grundgehalt für Arbeiter bei 35 L.E pro Monat liegt? Das sind nicht mal 50 Cent!


Naja... Das Gute ist: Freitagmorgen flieg ich nach Deutschland. Dann kann mich das Pharaonenland für zwei Wochen mal gern haben. Vielleicht sind bis dann die Taxifahrer auch wieder zur Vernunft gekommen. Sonst muss ich wohl bald nicht nur das Zehn-, sondern das Hundertfache vom üblichen Fahrtpreis für den Weg zur Arbeit blechen.

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