Bevor ihr euch jetzt Sorgen macht: Ich bin wieder gesund. Aber kurzzeitig habe ich - dank ausgeprägten Hypochondertums - das Schlimmste befürchtet. Allerdings erst, nachdem der Arzt kam. Was war passiert?
Als wir von unserem Wochenendtrip nach Kairo zurückkamen, fühlte ich mich förmlich erkranken. Am Montag war's dann soweit. Diarrhöe! Schon wieder? Och nö! Allerdings war's dieses Mal bedenklich schlimm. Mit Brechreiz und Schwächegefühl und leicht erhöhter Temperatur. Da dachte ich mir: Heute quäle ich mich bestimmt nicht zur Schule - also habe ich gleich mal dort angerufen, um mein Nichterscheinen anzukündigen.
Problem war nur: Da ich nicht schon wieder einen Tag vom Gehalt abgezogen bekommen wollte (keine Angst: Ich werde mich noch gegen diese himmelschreiende Ungerechtigkeit wehren!), musste möglichst bald eine Bescheinigung vom Arzt her. Aus dem Haus wollte ich aber in meinem Zustand auch nicht. Die Rettung aus dieser Zwickmühle: der house call. Man sagte mir, dass das German Hospital (das entgegen seines Namens nur eine arabische Website zu bieten hat) auch Hausbesuche mache.
Als sich gegen Abend abzeichnete, dass ich mehr als einen Tag würde zu Hause bleiben müssen, sah mein Krämerherz keinen anderen Ausweg mehr: Chris musste den Arzt anrufen. Um 22.30 Uhr tauchten dann auch zwei Männer an unserer Tür auf. Einer war als Arzt verkleidet. Er war aber scheinbar nur ein Helfeshelfer, der den Koffer trug. Der richtige Arzt machte einen vertrauenswürdigen Eindruck und diagnostizierte Durchfall. Da war ja auch kaum eine Fehldiagnose möglich. Dann jedoch wurde es ernst. Er hielt eine Spritze mit schmerzlindernder Substanz für dringend notwendig. Und da ich ja nicht als Simulant gelten wollte, dachte ich mir: Ach... ne kleine Spritze wird schon keinen großen Schaden anrichten. Das war, ehe mir klar wurde, dass der Helfeshelfer (fortan: HH) die Spritze setzen würde. Dieser holte jedoch einen Einweghandschuh aus seinem Köfferchen, was mich ein wenig beruhigte. Ich widmete meine Aufmerksamkeit wieder dem Arzt. Ein schwerwiegender Fehler, denn als der HH den Gummihandschuh nicht etwa an der Hand trug, sondern um mein Handgelenk wickelte, um das Blut zu stauen, hätte ich mir schon gewünscht, ich hätte gesehen, ob die Nadel steril verpackt gewesen war. Panisch wurde mir bewusst, dass er vorhatte, mich in eine Vene meiner Hand zu stechen. Bei Spritzen bin ich eigentlich eher leidensfähig. Aber das war mir dann doch ein bisschen heikel. Doch wie gesagt: Was tut man nicht alles, um nicht als Simulant dazustehen und einen Krankenschein zu bekommen. Etwas mulmig wurde mir, als ich bemerkte, dass der Wattebausch, mit dem er die Einstichstelle abtupfte, gar nicht feucht von Desinfektionsmittel war. Ich wollte schon Einwände erheben, da begann der HH bereits mit dem Stechen. Er gab sich auch alle Mühe, die Vene sehr bald zu finden - und es tat auch nur ein wenig weh. Aber die Panik war groß. Zumal ich mit ansehen musste, wie er - gefühlt viel zu langsam - die Nadel tiefer und tiefer schob. Und als er die Flüssigkeit in mich spritzte, sah ich doch tatsächlich Luftbläschen. Es mag eine Einbildung gewesen sein, denn ich lebe ja noch. Wahrscheinlicher ist, dass mich nur das Adrenalin, das nach dieser Aktion durch meine Adern schoss, überhaupt am Leben erhalten hat. Jedenfalls dachte ich mehrere Minuten lang, ich müsse ganz sicher den Löffel abgeben. Wie man sieht: Es ist nicht passiert und ich denke wieder klarer. Und bei klarem Verstand kann ich nur sagen: Der Arztbesuch hat nicht geschadet, denn ich bin wieder gesund (was wohl auch ohne Arzt geschehen wäre). Und günstig war's: nur 210 L.E (rund 30 Euro). Meinen Krankenschein habe ich auch (obwohl ich noch nicht weiß, ob es der ist, den ich für meinen Arbeitgeber brauche - denn den Block mit Krankenscheinen hatte der Arzt im Krankenhaus vergessen). Und der Durchfall hatte auch was Gutes: Ich muss diese Woche nur zweimal zur Schule!
*Du* haettest anrufen sollen. Christian ist da nicht zu trauen. Wer weiss, wen er da angeheuert hat.
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