Dass Gewalt hier gang und gäbe ist, konnte ich nun schon zum wiederholten Male feststellen:
Kinder und Nannys, die mit blutigen Striemen im Gesicht in der Schule auftauchen (Das Kind wurde wegen schlechter Noten, die Nanny von ihrem Onkel geschlagen, weil sie widersprochen hatte). Aber das sind ja quasi nur indirekte Gewaltspuren.
Neulich durfte ich bereits am frühen Morgen Zeuge einer sehr menschenverachtenden Szene sein: Ein kleiner Straßenjunge hatte sich offenbar erdreistet, etwas zu forsch zu betteln. Der angebettelte Mann stieg aus dem Wagen aus, schüttelte den Jungen, schrie ihn an, packte ihn am Kragen und hob ihn daran hoch. Ich bin zwar mit "La'a"-Rufen dazwischen, aber eigentlich war das dem schimpfenden Mann ziemlich egal. Er starrte mich nur wütend an. Unverständlich: Anstatt wegzulaufen, hat der Junge, als der Mann ihn endlich losließ, weitergemacht. Ich hätte in der gleichen Situation bestimmt sofort die Flucht ergriffen.
Heute Abend dann noch krasser: Ich gehe friedlich durchs Fathalla, als ich zwei raufende Menschen sehe. Mann und Frau, dazwischen das obligatorische Kind im Kinderwagen. Der Mann schubst die Frau, die zetert und schreit was, da gibt er ihr eine Ohrfeige. Der Verkäufer mischt auch noch mit (ob er sie trennen wollte oder auch noch zugehauen hat, war unklar). Erst dachte ich, das war's jetzt. Da werden Streit und Handgreiflichkeiten bedenklicher. Nachdem sich keiner der umstehenden Leute (und das Fathalla ist um 20 Uhr voll!) verantwortlich gefühlt hat, etwas zu sagen, hab ich mein Bestes versucht, indem ich auf Arabisch mein Missfallen ausgedrückt habe. Aber auch heute hat's keinen weiter interessiert. Also blickte ich anklagend und etwas fassungslos in die Runde und wollte nach Sicherheitspersonal Ausschau halten. Aber auch kein Angestellter war zu sichten. Gefühlte Minuten später haben sich dann zwei Männer erbarmt und den Mann von der Frau weggeholt. Die ist aber trotz weinendem Kind nochmal auf den Mann los, was die Situation nicht gerade entschärft hat. Für den Mann hatte ich nur ein Kopfschütteln übrig. Er hat's auch gesehen und mich böse angeschaut. Ein riesiges Gebetsmal auf der Stirn und dann schwächere Schlagen! So praktiziert man den Islam richtig...
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