Heute habe ich mir mal einen Einblick in das Kulturprogramm der Bibliothek Alexandria verschafft...
Erster Akt: The Trojan Women. Für alle Banausen - das ist von Euripides. Die Rezension im Netz ließ schon nicht viel erwarten. Es ist eines von Euripides schwächeren Stücken. Bei griechischen Dramen will das schon was heißen, die sind ja alle per se ziemlich öd. Dennoch bin ich hin. Mein gewöhnlicher Tagesablauf zurzeit wäre noch öder gewesen. Erste Überraschung: Der Eintritt war wirklich frei. Zweite Überraschung: Das Kino ist sogar richtig nett. Dritte Überraschung: Kathrine Hepburn in der Hauptrolle. Alle weiteren Überraschungen waren nicht gut: ein schreiendes Kind im Saal, die übliche „Wenn mein Handy klingelt, geh ich auch im Kino ran und unterhalt mich“-Mentalität der Ägypter. Neu war allerdings, dass eine Besucherin ihr Handy nur leiser gestellt hat und es minutenlang weiter klingeln ließ. Wäre der Film spannend gewesen, hätte ich mich mehr darüber aufgeregt. Zum Film selbst gibt es nicht viel zu sagen - außer: In Troja nichts Neues. Wichtigste Stilmittel des Regisseurs: der vielsagende Blick, der endlose Monolog, der anschwellende Schrei. Gewagt waren zwei Nacktszenen, in denen man sogar den Busen von Helena und den Hintern einer Toten sah. Auch einen Kinderhintern gab es zu sehen. Dasselbe Kind wurde übrigens in den Tod gestürzt - einen Steinfelsen vor Troja hinunter.
Es war das erste Mal, dass ich mir wirklich gewünscht hätte, es gäbe eine Pinkelpause. Gefühlte fünf Stunden später war die Sternstunde der Filmgeschichte auch schon vorbei - gedauert hat der Film nur 120 Minuten. Das fluchtartige Verlassen der Anwesenden am Ende der Vorstellung sagt eigentlich alles. Gewundert hat mich nur, dass alle bis zum Schluss ausgehalten haben. Ich selbst blieb nur sitzen, weil ich zwischen Ägyptern saß und nicht unauffällig gehen konnte. Dennoch: Morgen gehe ich zum dritten Akt - Elektra. Ebenfalls von Euripides, ihr Banausen! :)
Noch eine Randnotiz: Ich bekam heute ein Kompliment von meiner Kollegin Dina. Scheinbar haben meine erzieherischen Ansätze im Unterricht was gebracht. Dina hat meine Klassen übernommen und die Kids haben selbstständig das Ruhezeichen gemacht, ohne, dass Dina was machen musste. Innerhalb von fünf Minuten war Ruhe! Wenigstens etwas. Obwohl. Deutsch konnten sie scheinbar auch ein wenig. :)
Wie jetzt? Ich dachte Elektra ist von Frank Miller?
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