Wieder einmal Opferfest - aber dieses Mal war ich dabei. Asmaa (meine Arabischlehrerin) hat mich zu ihrer Familie mitgenommen. Schon um 6 Uhr heute Morgen war ich unterwegs zu ihr. 30 Minuten später war ich voll integriert: Hatte ein Kopftuch an, saß mit den anderen auf der Straße, sah den Sonnenaufgang und wartete darauf, dass das Morgengebet beginnt.
| Definitiv kein Look für die Ewigkeit ;) |
Ich habe sogar mitgebetet. Eigentlich ganz leicht. Die Bewegungen sind einfach. Und weil man sowieso am häufigsten „allahu akbar“ sagt, wirkt es gleich so, als habe man das schon öfter getan.
Im Gegensatz zu ewig langen Kirchenpredigten, war es auch ruck-zuck vorbei. Die meisten Damen erhoben sich sofort und stürmten nach Hause (wohl zurück an den Herd *g*). Wir hörten noch die Predigt (natürlich habe ich nichts verstanden, aber Asmaa hat mir Teile übersetzt). Es ging um Abraham - klar. Schließlich ist die Opferung ja ein Nachspielen dieser Bibel- ähm... Koranpassage. :)
Anschließend hat sich jeder „Kol sana we enti tayeba“ gewünscht. Dann ging‘s weiter zur Frau des Scheichs, die wohl hauptsächlich dafür verantwortlich ist, dass in Asmaas Viertel so viele Frauen Niqab tragen. Allerdings schien sie dennoch sehr beliebt. Und auch mich hat sie zur Begrüßung geknutscht. Natürlich würde ich sie auf der Straße nie wiedererkennen. ;)
Im Gegensatz zu meinen Erwartungen: Auch dieses Jahr kein Blutbad vor den Haustüren. Kein Schaf war zu sehen! Stellte sich heraus, dass Asmaas Stadtteil eher arm ist und sich Familien darum an einer Kuh beteiligen, weil sie sich kein eigenes Schaf leisten können. Ein Schaf kostet übrigens rund 1.500 L.E. Ziemlich viel, wenn man bedenkt, dass die ägyptische Regierung neulich erst diskutiert hat, ob der Mindestlohn besser 200 L.E oder 400 L.E betragen sollte. Etwas enttäuscht war ich schon - vor allem, weil selbst trotz nachfragen niemand wusste, wer wo ein Schaf besaß. Und der Scheich - der einzige, der bestimmt eines hatte - wollte nicht, dass ich beim Schlachten zusehe. Ich könne die Opferung als grausam auslegen und das Ganze missverstehen...
Hatte mich deshalb schon halb damit abgefunden, dass ich schon wieder nix mitbekommen würde. Aber ich fand es andererseits auch beruhigend zu wissen, dass es auch ganze Stadtviertel gibt, wo keine Blutströme die Straßen unbegehbar machen.
Zum Frühstück wurde ich auch eingeladen. Man war zwar überrascht, dass ich Vegetarierin bin. Aber es wurde direkt akzeptiert. Das traditionelle Frühstück zum Opferfest ist nämlich „Fatta“: Rindfleisch mit Tomaten auf Reis & Brot. Muss gut sein, denn schon die Beilagen mit der Fleischsoße haben super geschmeckt (hmm... Fleischsoße *g*). Dazu schaut man die Hagg im Fernsehen.
War alles irgendwie sehr cool. Mir hat es gefallen - und ich kam doch noch zu meinen Blutströmen. Wir haben eine Schlachterei gefunden, in der Hochbetrieb war. Es war weniger grausam als befürchtet. Trotzdem war ich froh, dass ich schon was gegessen hatte. Sah jedenfalls nach einer Menge Arbeit für die Metzger aus. Die schleppen wahrscheinlich Tonnen von Rinderfleisch an einem Tag wie diesem. Sogar die Kinder des Metzgers haben gewässert und gehäutet, was das Zeug hielt.
| Die beiden haben vier Kühe gehäutet - allein in der Zeit, als wir zugesehen haben! |
| Tja... Killing me softly ist anders. Aber es ging dennoch schneller als erwartet. Zumindest für die rechte Kuh... Etwas irritierend: Die "allahu akbar"-Rufe der Kinder. Wirkte makaber. Wer will, kann sich ja das Video anschauen. Aber Vorsicht: BLUTIG! |
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