Eines der besten Dinge an Alexandria ist, dass ich hier als exotische Schönheit gelte. Besonders an Tagen, an denen man total zerfleddert vor sich hin schlappt (wirres Haar, zerknitterte Kleider, staubige Brille mit schmierigen Sichtfensterchen, versiffte Schuhe, weil man mal wieder durch ein riesiges Wasserloch waten musste), fühlt es sich an, als wolle einen die ganze Stadt verarschen. Mädchen, die mich mit glasigem Blick und wirrem Grinsen anhimmeln. Kinder, die Fotos mit mir machen wollen. Männer, die mit einem halb geflüsterten „so beautiful“ fast ehrfürchtig an mir vorbeigehen. Schülerinnen, die sich meine Haare wünschen - selbst, wenn sie gerade wie ein Mop aussehen.
Auch wenn mittlerweile die „Welcome to Egypt“-Rufe ein wenig lästig werden: Ich fühle mich noch immer sehr willkommen. Und wenn dann ein Autofahrer höflich bremst, um der attraktiven Ausländerin im mörderischen Verkehr eine Überlebenschance zu geben, dann weiß man die „power of attraction“ wieder zu schätzen. Natürlich gibt es auch jene, die Gas geben, sobald ich die Straße betrete. Aber das kommt eher selten vor und ich nehme es nicht persönlich. Wie heißt es doch so tiefsinnig auf einem Plakat in unserer Schule „You have to take the bad with the good“.
Was die Arbeit betrifft, muss ich sehr viel „bad“ für das bisschen „good“ hinnehmen. Aber ich mag die kleinen Monster inzwischen irgendwie. Auch wenn heute mein spezieller Freund Adham Mohamed mit zerknülltem Papier nach mir geworfen hat. Seine kongeniale Ausrede: „Ich habe versucht den Papierkorb zu treffen.“ (Irgendwie kommt mir die Ausrede bekannt vor - nur das ICH damals wirklich meinen Schwarm Jan treffen wollte und nicht das Haar der Englischlehrerin). Dass der Papierkorb in einer anderen Ecke stand als ich, schien Adham dabei nicht zu irritieren. Mich aber schon. Dafür sitzt er am Sonntag mit mir Strafe anstatt in den Sportunterricht zu gehen. Ebenso wie mein zweites Schätzchen Brillen-Youssef, der immer laut und aufständisch ist. Und so ist das Gleichgewicht in der Welt wieder hergestellt. Spätestens dann werden beide ihr „I‘m sorry Miss!“ auch wirklich ernst meinen.
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