Zuerst einmal eine Anmerkung zum vorherigen Blog-Eintrag: Die Visa-Geschichte ist einwandfrei gelaufen. Wer also ein muliple entry-Visum braucht, kann ruhigen Gewissens wie beschrieben vorgehen.
Heute wurde ich übrigens mit dem neuesten Brüller im ach so technikverliebten Ägypten konfrontiert. Dazu eine kleine Vorgeschichte: In meiner ersten Woche als Lehrerin-Wannabe wurde eine große Sitzung mit allen Eltern und Lehrern der FLS anberaumt - zu der auch Barbara und ich gingen (zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass das Meeting komplett in Arabisch laufen und wir nur ein Zehntel des Gesagten von Sally übersetzt bekommen würden). Dort wurde der aufgeregten Erzeugergeneration stolz die neue Schul-Homepage präsentiert. Ganz nett gestaltet, animiert und mit viel Log-in. Lehrer, Schüler, Eltern - alle sollten jetzt einen eigenen Zugang zur Homepage bekommen und im System Wissenswertes nachlesen können wie: War mein Kind in der Schule? Ist es krank geworden, und wenn ja: Welche Medikamente hat ihm die Schulkrankenschwester verabreicht? Welche Hausaufgaben mein Kleiner heute auf? Und wie steht‘s überhaupt um die Noten unserer Süßen? Man brauchte kein Arabisch zu verstehen, um zu erahnen, dass die Nutzbarmachung dieses großartigen Stücks Technik ein noch großartigerer Verwaltungsakt für jeden einzelnen Lehrer sein würde. Kurz: Mehrarbeit.
Heute nun wurde uns - wieder auf Arabisch, wieder bruchstückhaft von Sally übersetzt - der genaue Umfang dieser Mehrarbeit auseinandergesetzt. Das Meiste war selbsterklärend: Die Monatsnoten sowie die Hausaufgaben und Prüfungstermine würden fortan von den Lehrkräften eingepflegt werden müssen. Die Eintragung der Anwesenheitszeiten jedes einzelnen Schülers - darauf dürfen sich nun täglich die Fluraufsichten freuen. Als nette Extras kann jeder zukünftig Mails verschicken (und natürlich auch erhalten, was bedeutet, man muss Korrespondenz führen). Und man hat ein Profil, das man ausfüllen kann - mit allen persönlichen Daten einschließlich Blutgruppe! Außerdem wird man in nicht allzu ferner Zukunft (also ab Schulbeginn) nachschauen können, wie genau sich das eigene Monatsgehalt zusammensetzt. Dieses berechnet sich natürlich aus An- und Abwesenheitszeiten. Und auch hier sei man in der Zukunft angekommen. Die alte Methode - sich morgens in eine Liste eintragen und sich nachmittags wieder austragen - gehöre schon bald (also ab Schulbeginn) der Vergangenheit an. Der Fortschritt habe nun auch unsere Schule erreicht. Was andere schon längst machen, ein lang gehegter Traum - zumindest des Technikbeauftragten, man konnte es förmlich seinen strahlenden, verträumt ins Weite blickenden Augen ablesen - würde nun auch endlich, endlich bei uns wahr werden: Per Fingerabdruck würde man sich nun in der future school - die dann ihrem Namen alle Ehre machen würde - an- und abmelden. Dank der Konditionierung meines Egypt-Husbands Chris reagiere ich auf bestimmte Schlüsselwörter ganz ähnlich wie der pawlowsche Hund. Beinahe von selbst erhob sich meine Hand und ich stellte vor den verklärt dreinschauenden Ägyptern, die entweder Criminal Minds nicht kennen oder völlig naiv sind, provokativ in den Raum, dass ich dieses Vorgehen für „highly risky“ hielte. Wie es denn um Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz unserer Daten bestellt sei? Ich gipfelte mit der revoluzer-Aussage: Ich möchte meine Fingerabdrücke nicht abgeben! Dafür erntete ich nicht etwa zustimmendes Gemurmel oder gar tosenden Applaus. Völliges Unverständnis schwappte mir entgegen - nicht nur vom Technikbeauftragten, auch von meinen Kolleginnen, die mich wohl zukünftig nur noch the P.G. ("the paranoid German") nennen werden. Aber das ist mir egal. Ich gebe gerne alles und - wie mehrere unabhängige Quellen bestätigen werden - auch sehr freizügig her: meinen Namen, meine Bankverbindung. Aber bei biometrischen Informationen, die an irgendwelchen Tatorten wie durch Zauberhand auftauchen könnten - und das in einem Land, wo man für weniger als einen Fingerabdruck an einem Tatort sein Leben lang im Knast sitzen kann - da hört es auch bei mir auf.
Nachdem ich mehrfach betont hatte, dass ich nicht gewillt sei, meine Fingerabdrücke herzugeben, wurden wir an unseren Chef Mr. Nabil verwiesen, mit dem wir absprechen sollten, ob wir nicht auch per Karte ein- und ausstechen könnten. Ich war beruhigt und überließ Barbara das Wort, die nachfragte, ob es im neuen System auch einen „fictional classroom“ geben würde (Sie meinte einen „virtual classroom“ - aber da sie die Frage stellte, als der Technikbeauftragte uns gerade erklären wollte, wie wir die Hausaufgaben ins System einpflegen sollten, hätte auch die Verwendung der korrekten Vokabel wenig genutzt. Er blickte in unsere Richtung als hätten wir Deutsche sie nicht alle, während ich Barbara diskret zum Schweigen brachte.)
oh mei godness, drea bleibt wie sie war, kritisch und mit ner großn klappe ;-) gott sei dank! liebe grüße
AntwortenLöschennicole