Samstag, 19. September 2009

Merkwürdige Beobachtungen

Wenn man sich in Alexandria bewegt und Einheimischen begegnet, fällt einem Vieles ins Auge. Die Frauen - mal bis zur Unkenntlichkeit verschleiert (Vollverschleierungen habe ich bisher nur in den Farben Schwarz und Braun gesehen), mal modisch gekleidet in Islamic Chic (Kopftuch perfekt auf die Kleidung abgestimmt), mal mit offenem Haar. Die Kinder, die meist ganz „europäisch“ gekleidet sind. Hin und wieder begegnet man aber auch kleinen Ausgaben der Erwachsenenversion: Mädchen mit Schleier und Jungen, die ein kuttenartiges Gewandt und Käppi tragen. 
Und obwohl jeder zustimmen würde, dass die Frauen hier durchschnittlich sehr viel sehenswerter als die Männer sind, so sind es doch die ägyptischen Männer, auf die ich am häufigsten neugierig starre. Der Grund ist vor allem das Mal auf der Stirn, das man hier bei vielen sieht. Bei manchen ist es nur ein etwas dunklerer brauner Fleck etwas unter dem Haaransatz. Bei anderen dagegen steht eine vernarbte, dicke Beule hervor. Das Mal kommt vom häufigen Beten. Viele muslimische Männer tragen diesen „zebiba“ (Rosine) genannten Fleck deshalb mit Stolz, weil er zeigt, wie gläubig sie sind und wie eifrig sie beten. Aber ich mache mir so meine Gedanken darüber:


  1. Bei manchen sieht das Zeichen so wüst aus, dass ich inzwischen den Verdacht hege, diese Männer klopfen sich absichtlich den Kopf am Boden auf. Anders könnte es niemals derartige Ausmaße annehmen. 
  2. Warum sieht man das Mal bei Frauen so selten? Okay, es könnte sein, dass all die Frauen mit Totalverschleierung unter ihren Tüchern ebenso wie die Männer aussehen. Genaues weiß man da nicht.
  3. Angeblich erkennt man - wie Sally uns sagte - die extremeren (also streng gläubigen) Moslems an ihrem Aussehen. Mit Vorsicht zu genießen seien die Bärtigen (dabei hat uns schon zweimal ein Bärtiger geholfen, also fremden- oder christenfeindlich sind sie nicht unbedingt). Und schlimmer noch als die Bärtigen seien die ganz traditionell gekleideten Männer (die meist auch eine vermummte Frau im Schlepptau haben): Bart, Käppi, einfache Kutte, darunter eine 3/4-lange Hose und Sandalen. Jetzt aber zwei merkwürdige Beobachtungen: Im Fathalla (dem Supermarkt, der im gleichen Hochhaus ist, in dem Andrea wohnt) sind mir schon mehrmals Männer begegnet, die sehr europäisch aussahen, aber in traditioneller Tracht rumliefen. Ich frage mich, ob eventuell Ägypten ein Land ist, in dem Neu-Konvertierte ihren Islamic-Traum leben. Und mir kommt es seltsam vor, dass diese Traditionalisten fast nie diejenigen sind, die das Gebetsmal auf der Stirn haben. Wenn sie aber durch ihre Kleidung deutlich machen wollen, dass sie sehr konservativ und streng gläubig sind, müssten sie dann nicht erst recht die Male tragen? Oder gibt es einen Grund dafür, dass sie keine bleibenden Zeichen in ihrem Gesicht tragen möchten? Sehr suspekt das Ganze, wenn man drüber genauer nachdenkt. Falls Kommentare kommen: Ich habe hier niemanden einen Sleeper genannt!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen