Montag, 22. Februar 2010

Zurück im Land der Müll-Pyramiden

Zur Beruhigung meiner spärlichen Leserschar: Ich bin wieder da. Und habe auf meiner 16-stündigen Reise auch gleich ein neues Fortbewegungsmittel entdeckt: den Super-Jet, der direkt zwischen Kairo und Alexandria verkehrt. 
Er stinkt zwar etwas nach Toilette - aber hey: immerhin gibt es ein Klo. Und auch die Musik ist ein wenig laut - dafür aber wenigstens Arabisch. ;) Gut am Super-Jet ist jedoch der Preis: Für schlappe 27 Pfund kommt man damit an die Mittelmeerstadt. In der es übrigens letzte Woche eine nie da gewesene Hitzewelle gab. Während unseres Deutschlandurlaubs war es doch glatt mehr als 30 Grad warm! Natürlich wettert es pünktlich zu meiner Rückkehr wieder ganz normal. Die Badeklamotten bleiben darum vorerst im Schrank.
In der Schule ist ebenfalls alles beim Alten. Schon am ersten Tag: Stimme weg (wusste gar nicht, dass das so schnell gehen kann). Ich hab mir darum eine Schülerin geschnappt, die den anderen Schüler in ihrer lautesten Stimme sagen musste, dass ich sie jetzt anschreien würde - wenn ich nur könnte. Dabei hab ich ermahnend in die Menge geschaut und meinen bösen Lehrer-Blick geübt. :)
Und heute habe ich meinen liebsten Störenfrieden erläutert, dass sie froh sein dürfen, dass Schlagen in der Schule nicht erlaubt sei (natürlich in freundschaftlichem Ton *g*). Mit anderen Worten: Ich kämpfe mich mehr schlecht als recht vorbereitet durch den mörderischen Schulalltag. Aber die Kids sind trotz ihrer kleinen Widerlichkeiten immer noch sehr herzig und versuchen zumindest ihr Bestes zu geben. Und das ist doch auch schon was (rede ich mir täglich ein). Ach ja: Zwei Wochen reichen übrigens dicke aus, um die Hälfte der Kindernamen wieder zu vergessen. 

Dienstag, 2. Februar 2010

When a man drives a woman...

Die Taxifahrer werden auch immer dreister. Gestern bin ich zu einem eingestiegen, der mir dann zu verstehen gab, er wolle 5 L.E. für die Strecke zur Arbeit. Ich dachte mir: "Lass ihn mal reden und gib ihm dann 2 L.E." Genau das, was ich jeden Morgen bezahle. Aber dann schwante mir, dass der Typ bestimmt Stress machen würde, weil ich ja zugestimmt hätte. Also hakte ich nach: "Bikäm?" - Er: "5 Pound!" - Ich: "La'a! Ala gamba lohsamaht!" Nach etwa 50 Meter Fahrtweg bin ich also wieder aus dem Taxi ausgestiegen. Und dafür wollte der dann auch noch 1 Pfund. Ich hab ihm 50 Piaster in die gierigen Hände gedrückt, gesagt "Ya saläm, that's enough!" - und bin wütend ausgestiegen. Den Weg zur Schule hab ich danach im preistechnisch unkomplizierten Maschrua zurückgelegt. In den Minibussen sind die Preise für alle gleich. Als ich Dina von dieser Unverschämtheit erzählte, sagte sie mir, dass man üblicherweise alleine fürs Einsteigen in ein Taxi 60 Piaster zahle. :)
Am nächsten Tag, also heute, wurde es noch seltsamer: Ich stieg in ein Taxi ein. Und normalerweise verhandeln die Fahrer überhaupt nicht. Doch auch heute wollte der Fahrer direkt den Preis ausmachen. Er fragte, wie viel ich zahlen wolle. Ich hielt zwei Finger hoch. Er: "Twenty pounds?" - Ich: "No, two!" Da hat er den Kopf geschüttelt, ich hab wieder mein "Ya saläm!" gezischt (was soviel heißt wie "Gütiger Himmel, bist du ein Halsabschneider!") und bin ausgestiegen.
Glücklicherweise kamen im nächsten Taxi zwei Kolleginnen von mir angebraust. Der Taxifahrer hat auch gleich angehalten - ich bin vorne eingestiegen, hab "Hallo!" zu den Französischlehrerinnen gesagt, dreh mich zum Taxifahrer, um "Guten Morgen" zu sagen. Und wer sitzt da? Mein Wasser-Mohammed, der mir die Warmwasserleitung zur Küche gelegt hat. Dabei hat er die gesamte Wohnung mit seiner Hilti so zugestaubt, dass Nagwa einen halben Tag brauchte, nur um die Küche wieder begehbar zu machen. Und nach drei Besuchen hat er es immer noch nicht geschafft, das tropfende Rohr im Bad trockenzulegen. War irgendwie eine seltsame Situation. Natürlich weiß ich, dass hier viele mehrere Jobs haben, um über die Runden zu kommen. Aber Mohammed ist irgendwie seltsam. Er nimmt kein Geld von mir an. Für das Bad wollte ich ihm Trinkgeld geben. Er wollte es nicht. Auch das Geld für die Taxifahrt wollte er nicht. Und zu den verabredeten Tagen kommt er nie, sondern meist ungefähr eine Woche später als vereinbart. Seine Kleidung wurde auch zunehmend besser, wenn ich es mir jetzt so überlege. Jedenfalls hab ich beschlossen, dass ich mir - falls das Bad schlimmer wird - wohl einen anderen Wassermann suchen muss. Nicht, dass Mohammed noch denkt, ich wäre an ihm interessiert. Obwohl er ganz nett und höflich ist. :) Aber nicht, dass er sich falsche Hoffnungen macht. Zumal ich ja auch immer die Wohnungstür geschlossen habe, was man bei Handwerkern in Ägypten nicht macht. Denn das sind ja alles Verbrecher, da muss man im Notfall schnell flüchten können. Irgendwie verstehe ich diese ganzen Vorurteile gegenüber anderen Gesellschaftsschichten nicht. Aber vielleicht unterschätze ich auch den Reiz von Wohlstand und die Not der Menschen. Man muss der Wahrheit ins Gesicht sehen. Mit weniger als 900 Euro Gehalt gehört man hier zu der unteren Oberschicht. Hab ich schon erwähnt, dass das gesetzliche Grundgehalt für Arbeiter bei 35 L.E pro Monat liegt? Das sind nicht mal 50 Cent!


Naja... Das Gute ist: Freitagmorgen flieg ich nach Deutschland. Dann kann mich das Pharaonenland für zwei Wochen mal gern haben. Vielleicht sind bis dann die Taxifahrer auch wieder zur Vernunft gekommen. Sonst muss ich wohl bald nicht nur das Zehn-, sondern das Hundertfache vom üblichen Fahrtpreis für den Weg zur Arbeit blechen.

Montag, 25. Januar 2010

Witz des Tages: "Ich korrigier das mal schnell."

Die Halbjahresexamen haben begonnen. Das Gute daran: Als Lehrer ist man von der Unterrichtspflicht entbunden, sobald die Klasse, die man unterrichtet, ihr Examen geschrieben hat. 
Das Gewöhnungsbedürftige: Die ägyptische Korrekturtechnik. Die Halbjahresexamen dürfen das Schulgebäude nicht verlassen. Nachdem das Examen geschrieben ist, wird es von der Koordinatorin - in unserem Fall Dina - im Kontrollraum abgeholt. Alle Examen wurden von der Kontrolle in der Zwischenzeit nummeriert und anonymisiert. Es müssen alsdann drei Fachlehrer anwesend sein, ehe mit der Korrektur begonnen werden darf. Da helfen alle Freistunden nichts - sie verstreichen ungenutzt, bis genügend Lehrer anwesend sind. Sobald drei da sind, bekommt jeder eine Aufgabe zugewiesen, die dieser Lehrer für alle Kinder korrigiert. Hört sich einfach an... ist es auch, nur eben eine Menge Arbeit, denn es sind pro Klassenstufe ca. 100 bis 170 Kinder und 4 bis 8 Aufgaben. 
Nachdem die Aufgabe korrigiert ist - mit Rotstift -, liest ein zweiter Lehrer gegen - und korrigiert mit Schwarzstift. Dann werden die Ergebnisse ausgerechnet (und natürlich gegengecheckt). Die undankbarste Aufgabe hat Dina. Sie muss mit Grünstift nochmal jedes Examen nach Korrekturfehlern durchsehen - und das dauert. Wenn dann endlich, nach ungefähr fünf Stunden das Prozedere ein Ende erreicht, müssen nur noch die Examen nach Sitznummern sortiert werden - dann dürfen wir gehen. Natürlich bedeutet die Tatsache, dass wir 5 Stunden nach Unterricht noch dableiben müssen nicht, dass wir später kommen dürfen. So haben die Korrekturtage rund 12,5 Stunden. Drei Examen sind vorbei - noch drei, ehe die Ferien beginnen. Und ich glaube nicht, dass ich schon mal dringender Ferien gebraucht habe...

Sonntag, 17. Januar 2010

Hitler and the "Cemetery for garbage"

Nagwa war heute wieder zum Putzen da. Beim Abendessen haben wir uns lang unterhalten. Ich konnte ihr mit meinem rudimentären Wissen rund um den zweiten Weltkrieg und in stockendem Englisch die Schrecken des Holocaust schildern und ihr sagen, warum man als Deutscher nicht gerne wegen Hitler gemocht wird.
Hitlers "Mein Kampf" (in der arabischen Übersetzung) ist hier übrigens eine gern gelesene Lektüre. Und im Fernsehen wird durchaus mal behauptet, alles was Israel über Hitler erzählen sei erstunken und erlogen. Da war Nagwa natürlich überrascht, einmal die andere Seite der Geschichte zu hören. Vor allem als ich ihr hochdramatisch klar gemacht habe, dass Hitler - würde er noch leben - alle Muslime killen würde, weil sie auch nicht zur Herrenrasse gehören. Im Lauf des Gesprächs habe ich beschlossen, dass ich Nagwa "Schindlers Liste", "Das Leben ist schön" und "Das Tagebuch der Anne Frank" besorgen werde - sozusagen als emotionale Aufklärung (wenn schon nicht wissenschaftliche). Und am Ende waren wir uns zumindest in einer Sache sehr einig: Hitler war verrückt und was er getan hat ein riesiges Verbrechen. 


Zwei Wortschöpfungen von Nagwa müssen hier jetzt doch einmal festgehalten werden, weil ich sie so schön fand: "The body's self-defense army" (= Immunsystem) und "Cemetery for garbage" (= Müllhalde). Beides hat natürlich mit Hiltler überhaupt nichts zu tun - aber es passt so gut in den Titel (und erinnert an Harry Potter, dessen Plot ja bekanntlich auch was mit den Ereignissen im dritten Reich zu tun hat).

Montag, 11. Januar 2010

Yoga mit Ralf

"Hier einen Moment verweilen, dann erneut beginnen!" - Die Acht Bewegungen der Wirbelsäule scheinen mir doch irgendwie mehr als acht Bewegungen zu sein! Immerhin ist meine DVD mit Ralf Bauer, der gestylt wie Daniel San - und umgeben von vier gleich gekleideten Frauen - in der Wüste den Yogi-Meister gibt. Wer in sich das Bedürfnis verspürt, sein Yoga mal wieder aufzufrischen: "Yoga mit Ralf Bauer - 1 + 2" (ja, ich habe mir beide Teile gegönnt) ist wirklich kein Fehlkauf! Sehr entspannend. Selbst wenn man nur - wie ich gerade - zusieht. JA! Ich bin selbst für Yoga zu unfit. Schon erstaunlich wie schnell man das Fitnesslevel einer Stampfkartoffel erreicht - und wie hart es dagegen ist, auch nur ein wenig Kondition zu halten.