Taxifahrer kam. Stellte sich heraus, dass es wirklich kaum noch Benzin gibt. Alle paar Meter auf der Wüstenstraße ist eine Tankstelle - und nur bei einer einzigen bis zum Flughafen war noch Treibstoff zu haben (allerdings rationiert auf 20 Liter). Habe dem Fahrer darum 30 Pfund mehr gegeben - hätte ihm wohl besser zusätzlich noch gesagt, dass langsameres Fahren und einen Gang hochschalten Sprit spart. Aber so gut ist mein Arabisch nicht.
Ich bin mittlerweile am Flughafen Borg al Arab und warte bis die Maschine eintrifft. Ohne Internet müssen sie warten, bis unser Flugzeug aus Dubai hier gelandet ist. Das Boardpersonal bringt die Passagierliste mit und erst dann können wir einchecken. Denke nicht, dass wir pünktlich um 12.35 Uhr starten werden.
Auf dem Weg zum Flughafen konnte ich mir mal einen Überblick verschaffen - und ich habe Schlimmeres befürchtet (Wie immer! irgendwie ist mein Kopf immer auf „Apokalypse now!“ eingestellt). Die Polizeistationen waren ausgebrannt. Teilweise waren ausgebrannte Mannschaftswagen am Straßenrand.
Ich bin mittlerweile am Flughafen Borg al Arab und warte bis die Maschine eintrifft. Ohne Internet müssen sie warten, bis unser Flugzeug aus Dubai hier gelandet ist. Das Boardpersonal bringt die Passagierliste mit und erst dann können wir einchecken. Denke nicht, dass wir pünktlich um 12.35 Uhr starten werden.
Auf dem Weg zum Flughafen konnte ich mir mal einen Überblick verschaffen - und ich habe Schlimmeres befürchtet (Wie immer! irgendwie ist mein Kopf immer auf „Apokalypse now!“ eingestellt). Die Polizeistationen waren ausgebrannt. Teilweise waren ausgebrannte Mannschaftswagen am Straßenrand.
Provisorische Straßensperren, die Anwohner erstellt haben, um ihre Straßen zu schützen (meist irgendwelche Stühle... keiner wollte wohl eines der kaputten Autos, die immer in der Rinne stehen, herzerren). Und natürlich überall Panzer: Vor dem Nobel-Hotel Four Seasons.
Vor der Bibliothek.
Vor dem Carrefour (das übrigens noch steht, sogar die meisten Fenster scheinen mir noch heil zu sein - ich würde als Plünderer zuerst einmal Steine in alle Fenster werfen... hm... selbst plündern könnten wir Europäer besser *gg*).
Straßenkontrollen durch Soldaten in der Innenstadt und auf dem Weg nach Kairo.
| Hier ein größerer Kontrollposten in der Nähe der Bibliothek von Alexandria. |
Aber außer einem toten Hund und einer verendeten Kuh konnte ich keine Leichen am Wegesrand liegen sehen. Und auch keine brennenden Barrikaden oder ähnliches. Ebenso wenig bewaffnete (zivile) Männer. Scheinbar ist das Gröbste schon rum - oder Sandra hatte sich in ihrer Schilderung etwas von ihrer Angst leiten lassen (so wie meine Schilderung wahrscheinlich weniger dramatisch ist, weil ich Endzeitzustände erwartet habe). Wer weiß. Sobald ich wieder Zugang zu Nachrichten habe, werde ich mal schauen, was so passiert ist. Ich finde, dass bis auf das Militäraufgebot und die verlassenen Straßen alles eher normal wirkt. Frage mich, ob ich nicht einfach den Flug, den wir für in zwei Wochen gebucht haben, nehmen können. Vielleicht hätte ich - anstatt der allgemeinen Panik nachzugeben - einfach abwarten sollen (wie ich es zuerst vorhatte). Allerdings: Wenn‘s jetzt tatsächlich schlimmer wird, dann bin ich schon froh, dass ich aus dem Land bin. Ich verstehe zumindest jetzt, wieso Menschen zögern, ein Land zu verlassen. Man weiß ja nie, ob eine Situation unter Kontrolle ist oder anfängt außer Kontrolle zu geraten. Besonders dann nicht, wenn die Informationen, die man von außen bekommt, mit dem, was man selbst mitkriegt, so überhaupt nicht übereinstimmt. Heute hat übrigens auch unser Fathalla wieder aufgemacht. Business as usual? Bin gespannt, wie sich alles entwickelt. In drei Wochen kann ich dann ja selbst nachschauen, was abgeht. Hoffe nur, dass niemandem, den ich kenne, etwas zustößt.
Am Flughafen ist die Hölle los - und auch den Fahrzeugen nach, die Alexandria verlassen haben, scheint eine allgemeine Flucht eingesetzt zu haben.
| Wagenkolonne verlässt Alexandria. |
Probiere mal, ob das Netz wirklich noch nicht geht. Mist, immer noch kein Internet! Kann wirklich nicht verstehen, warum sie die Funknetze so lange ausschalten - das ist kriminell!
13.30 Uhr
Das Flugzeug sollte laut Plan bereits eine Stunde in der Luft sein. Ich bin eben erst mit dem Check-In fertig - und es stehen noch ca. 30 Leute in der Schlange. Seltsamerweise ende ich in Ägypten immer am hinteren Ende einer Schlange. Das Vordrängen ist fürchterlich. Wenn man dem Vordermann nicht schon den Atem in den Nacken bläst ist, nach ägyptischer Meinung noch zuviel Platz - und man wird ohne Rücksicht auf Verletzungen vorgeschoben. Musste zwei alte Frauen anmeckern deswegen. Aber nachdem einer in der Schlange einen Tobsuchtsanfall bekommen hatte, weil ein anderer sich vorgedrängt hatte (direkt vor dem Schalter... natürlich eine Frechheit! *g*), waren die Angestellten zumindest bemüht, Drängler wieder nach hinten zu schicken. Bin ich so froh, wenn endlich wieder alles normal funktioniert. Schade eigentlich, dass ich die Woche nicht in Dubai verbringen kann. Dann müsste ich nicht so elend lange unterwegs sein. Erst heute Nacht um 2.20 Uhr geht‘s von Dubai aus weiter. Insgesamt 10 Stunden Flug und 7 Stunden im Transit (zumindest weiß ich so auch wirklich, was das ist). *ächtz*.
Naja, die Leute, die am Flughafen arbeiten müssen, können einem auch leid tun. Nur aggressive Kunden. Und dabei können die nicht einmal etwas dafür, dass die Computer nicht zu gebrauchen sind (der Frau am Schalter hat vor Nervosität die Hand gezittert). Dazu kommen die Nachschubprobleme: Alle Cafés sind leergefuttert. Nur noch Getränke sind zu haben und selbst hier sind einige schon zu Neige gegangen. Wenn jetzt schon Notstand herrscht, wie werden dann erst all die genervten Reisenden reagieren, die später fliegen? Gut, dass ich dieses Mal an ein Sandwich gedacht habe - mit Fetakäse und Gurke und als Nachtisch etwas Schokolade. Heute darf fly.dubai ihre überteuerten Eierbrote wem anderes andrehen. Oder war das air arabia? Hmm... egal. In beiden Airlines macht die Tatsache, dass man für das Essen an Board extra zahlen muss den Geschmack nicht besser.
Auch ein Phänomen: Immer wenn ich „nur das Nötigste“ zusammenpacke, sind mindestens 10 Bücher dabei, die ich grade ganz dringend brauche. Und seltsamerweise immer auch ein Arabischbuch, weil ich mir vornehme was zu lernen. Gelernt habe ich allerdings noch nie... die Frage ist nur, warum ich es trotzdem immer wieder als überlebenswichtig einstufe und mit mir herumschleppe (gerade habe ich vier Bücher im Handgepäck!) Und: MacBook schlägt Saxophon. Definitiv könnte ich ohne den Computer nicht leben. Obwohl das Saxophon wertvoller ist, musste ich es als Fraß für eventuelle Plünderer in der Wohnung zurücklassen - aber ich habe es gut versteckt.
15.00 Uhr
Die Entdeckung der Langsamkeit
Wir sind endlich im Flugzeug. Boarding completed. Aber: Es fehlt noch ein wichtiges Dokument, das erst in 30 Minuten mit dem Fax geschickt wird. Warum braucht ein Fax 30 Minuten? Und wenn faxen möglich ist, warum wurden dann die Passagierlisten nicht auch gefaxt, sondern hergeflogen? Hinter mir ein weiterer Tobsüchtiger, der Rechenschaft fordert. Ich denke mir nur: that‘s Egypt und frage nach Wasser. Wenigstens gibt‘s einen Becher gratis. Und für Essen habe ich auch weitsichtig vorgesorgt. Oder wie das Kind auf dem Sitz neben mir bemerkte: "Baba hamm!" :)
21.00 Uhr Ortszeit Dubai - Ankunft auf dem Flughafen, der Verrückte macht
Ich habe mich schon auf einen ruhigen Aufenthalt im Transit gefreut. Scheißebächel, wie man in der Pfalz sagen würde. Die wollen für das Rerouting des Gepäcks 84 Dollar! Unverschämtheit. Weil ich mich bestimmt nicht so doof abzocken lasse, nehme ich den Weg des Einreisens und wieder Ausreisens auf mich. Natürlich gibt es keinen Bus zum Terminal 1 (ich bin auf Terminal 2 angekommen). Und das Taxi kostet 35 Dirham. Und natürlich lande ich erst im falschen Abflugbereich. Und selbstverständlich gibt es keinen Verbindungsgang zu dem Bereich, von dem die Lufthansa abfliegt (die ganze Gepäckkontrolle war also umsonst!). Aber dann endlich bin ich am Schalter. Und noch die erste dazu. 3 Minuten später denke ich mir: So einfach ist die Welt - oder: Hach, Lufthansa! Jetzt versuche ich mal Essen aufzutreiben. Yippie: Ich habe wieder Internet!
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