Dass Gewalt hier gang und gäbe ist, konnte ich nun schon zum wiederholten Male feststellen:
Kinder und Nannys, die mit blutigen Striemen im Gesicht in der Schule auftauchen (Das Kind wurde wegen schlechter Noten, die Nanny von ihrem Onkel geschlagen, weil sie widersprochen hatte). Aber das sind ja quasi nur indirekte Gewaltspuren.
Neulich durfte ich bereits am frühen Morgen Zeuge einer sehr menschenverachtenden Szene sein: Ein kleiner Straßenjunge hatte sich offenbar erdreistet, etwas zu forsch zu betteln. Der angebettelte Mann stieg aus dem Wagen aus, schüttelte den Jungen, schrie ihn an, packte ihn am Kragen und hob ihn daran hoch. Ich bin zwar mit "La'a"-Rufen dazwischen, aber eigentlich war das dem schimpfenden Mann ziemlich egal. Er starrte mich nur wütend an. Unverständlich: Anstatt wegzulaufen, hat der Junge, als der Mann ihn endlich losließ, weitergemacht. Ich hätte in der gleichen Situation bestimmt sofort die Flucht ergriffen.
Heute Abend dann noch krasser: Ich gehe friedlich durchs Fathalla, als ich zwei raufende Menschen sehe. Mann und Frau, dazwischen das obligatorische Kind im Kinderwagen. Der Mann schubst die Frau, die zetert und schreit was, da gibt er ihr eine Ohrfeige. Der Verkäufer mischt auch noch mit (ob er sie trennen wollte oder auch noch zugehauen hat, war unklar). Erst dachte ich, das war's jetzt. Da werden Streit und Handgreiflichkeiten bedenklicher. Nachdem sich keiner der umstehenden Leute (und das Fathalla ist um 20 Uhr voll!) verantwortlich gefühlt hat, etwas zu sagen, hab ich mein Bestes versucht, indem ich auf Arabisch mein Missfallen ausgedrückt habe. Aber auch heute hat's keinen weiter interessiert. Also blickte ich anklagend und etwas fassungslos in die Runde und wollte nach Sicherheitspersonal Ausschau halten. Aber auch kein Angestellter war zu sichten. Gefühlte Minuten später haben sich dann zwei Männer erbarmt und den Mann von der Frau weggeholt. Die ist aber trotz weinendem Kind nochmal auf den Mann los, was die Situation nicht gerade entschärft hat. Für den Mann hatte ich nur ein Kopfschütteln übrig. Er hat's auch gesehen und mich böse angeschaut. Ein riesiges Gebetsmal auf der Stirn und dann schwächere Schlagen! So praktiziert man den Islam richtig...
Montag, 24. Mai 2010
Samstag, 22. Mai 2010
Das Erste wird auch das Letzte sein
Seit vergangenem Donnerstag ist es offiziell: Ich habe mein Wiedererscheinen im nächsten Jahr abgesagt. Und seit dieser Entscheidung gefällt es mir in Alexandria doch gleich viel besser. :)
Noch wissen die Kids nichts vom bevorstehenden "Unglück" - immerhin hatten mehrere in den letzten Wochen gefragt, ob ich denn nächstes Jahr auch wieder käme (vielleicht mögen sie mich doch ein bisschen?). Ich hab immer "insha'allah" geantwortet, aber mein schlechtes Gewissen hat mich arg geplagt - schließlich weiß ich schon länger, dass ich mich gegen ein weiteres Schuljahr entschieden habe.
Noch wissen die Kids nichts vom bevorstehenden "Unglück" - immerhin hatten mehrere in den letzten Wochen gefragt, ob ich denn nächstes Jahr auch wieder käme (vielleicht mögen sie mich doch ein bisschen?). Ich hab immer "insha'allah" geantwortet, aber mein schlechtes Gewissen hat mich arg geplagt - schließlich weiß ich schon länger, dass ich mich gegen ein weiteres Schuljahr entschieden habe.
Montag, 19. April 2010
Nutella-Ersatz
Eigentlich ist es ja ganz logisch. Nutella kann man auch selbst machen. Gemacht hab ich es bisher noch nie - aber im Ausland wird man einfältig ähm einfallsreich. Also hier das Rezept (meine eigene Kreation - mehr oder weniger):
80 gr. geröstete Mandeln
10 TL Sonnenblumen-Öl
6 TL Honig
1 TL Kakao
1 Päckchen Süßstoff (für ganz Süße *g*)
Das alles in den Mixer und schön klein pürieren. Derweil eine Tafel 90%ige Schokolade im Wasserbad schmelzen (wer die schon mal probiert hat weiß, dass man damit kaum was anderes machen kann). Sobald die Schokolade geschmolzen und die Nussmasse cremig ist, alles mischen. Gut verrühren und dann ab in die Vorratsdose.
Ob die Nussmasse wirklich cremig wird, kann ich allerdings nicht sagen. Mein Mixer ist vorher durchgebrannt - ist eben beste ägyptische Qualität. Oder vielleicht hätte ich doch etwas mehr Öl nehmen müssen? Wer weiß das schon? Jedenfalls kann sich das Ergebnis schmecken lassen. Und es ist ruckzuck gemacht. Nur zum Fathalla gehen und ein Glas Nutella kaufen ist schneller (und wahrscheinlich auch billiger). Aber Nutella machen macht Spaß - und den kann man nicht kaufen. ;)
80 gr. geröstete Mandeln
10 TL Sonnenblumen-Öl
6 TL Honig
1 TL Kakao
1 Päckchen Süßstoff (für ganz Süße *g*)
Das alles in den Mixer und schön klein pürieren. Derweil eine Tafel 90%ige Schokolade im Wasserbad schmelzen (wer die schon mal probiert hat weiß, dass man damit kaum was anderes machen kann). Sobald die Schokolade geschmolzen und die Nussmasse cremig ist, alles mischen. Gut verrühren und dann ab in die Vorratsdose.
Ob die Nussmasse wirklich cremig wird, kann ich allerdings nicht sagen. Mein Mixer ist vorher durchgebrannt - ist eben beste ägyptische Qualität. Oder vielleicht hätte ich doch etwas mehr Öl nehmen müssen? Wer weiß das schon? Jedenfalls kann sich das Ergebnis schmecken lassen. Und es ist ruckzuck gemacht. Nur zum Fathalla gehen und ein Glas Nutella kaufen ist schneller (und wahrscheinlich auch billiger). Aber Nutella machen macht Spaß - und den kann man nicht kaufen. ;)
Sonntag, 4. April 2010
Sonntag, 28. März 2010
Burning Man für Arme
Man nehme:
- einen technisch "hochbegabten" Freund (THF)
- einen Gasherd
- mindestens 10 Zauber-Streichhölzer (die nur dann nicht zünden, wenn der THF sie in Händen hält)
- und eine Freundin, die unbedingt will, dass ihr THF den Backofen selbst anzünden lernt
Und so wird's gemacht:
1) Man schicke den THF in die Küche und sage: "Mach mal den Backofen an." Man achte dabei nicht auf eventuelle Proteste seinerseits wie "Ich kann das nicht!" und "Dann essen wir eben keine Brötchen." oder "Ich werde mich verletzen."
2) Nach immer entnervter klingenden "Der Ofen geht nicht an"-Rufen aus der Küche, geht man mal nach dem Rechten schauen.
3) Man demonstriert die Einfachheit des technischen Geräts, indem man den Ofen anzündet, dann ausmacht und nochmals auf die Öffnung zeigt, an die das Streichholz gehalten werden muss.
4) Wenn der THF sich weiter weigert, muss man darauf bestehen, dass er es dennoch selbst macht - schließlich muss man einen Ofen anzünden können (oder?).
5) Nachdem der THF es endlich geschafft hat, das zehnte Streichholz zu entflammen (die vorherigen erloschen durch ängstliches Zittern der Hand bereits auf dem Weg zum Ofen), fordere man ihn auf, das Streichholz an die Anzündestelle zu halten. Das technische "Fachwissen" des THF wird ihn automatisch dazu verleiten, den Arm viel zu weit in den Ofen zu halten. Dazu muss man wissen: Ein THF sieht besser als der Durchschnittsmensch. Und deswegen hat er natürlich - ungeachtet der ausführlichen Demonstrationen der Freundin - eine Anzündestelle weiter hinten im Ofen entdeckt und zum Anzünden für geeigneter befunden.
6) Der große Lacher ist übrigens für den THF weniger lustig (zumindest hat er weniger gelacht als ich): Sobald der THF seinen Arm mit dem brennenden Streichholz in den Gasherd steckt (aus dem inzwischen bereits viel zu lange Gas strömt - das Streichholz ging ja nicht früher an!), kommt ein kleiner Feuerball aus dem Ofen geschossen.
Und das haben wir gelernt:
1) Die Haare verbrennen, ehe man realisiert, was passiert ist.
2) ERST das Streichholz anzünden. Dann das BRENNENDE Streichholz ans Anzündeloch halten - und DANN erst das Gas andrehen.
3) Und: Wer Angst vor Gas & Feuer hat, bringt sich in Gefahr.
4) Naja... und vielleicht auch, dass man jemandem, der Angst vor Gas & Feuer hat, das Anzünden eines Gasofens doch nicht so einfach beibringen kann. Aber ich werde es weiter versuchen - mit längeren Streichhölzern. ;)
Gott sei Dank ist außer einem Schreck und einem sehr eingeschnappten THF nicht viel passiert. Der Ofen war übrigens nach der Aktion nicht an. Das blieb mir überlassen, denn der THF war nach diesem traumatischen Erlebnis zu keinen weiteren Versuchen mehr zu bewegen. Ach ja: Christian - mach doch für unsere Leser mal ein Bild von deinem haarlosen Arm. :)
- einen technisch "hochbegabten" Freund (THF)
- einen Gasherd
- mindestens 10 Zauber-Streichhölzer (die nur dann nicht zünden, wenn der THF sie in Händen hält)
- und eine Freundin, die unbedingt will, dass ihr THF den Backofen selbst anzünden lernt
Und so wird's gemacht:
1) Man schicke den THF in die Küche und sage: "Mach mal den Backofen an." Man achte dabei nicht auf eventuelle Proteste seinerseits wie "Ich kann das nicht!" und "Dann essen wir eben keine Brötchen." oder "Ich werde mich verletzen."
2) Nach immer entnervter klingenden "Der Ofen geht nicht an"-Rufen aus der Küche, geht man mal nach dem Rechten schauen.
3) Man demonstriert die Einfachheit des technischen Geräts, indem man den Ofen anzündet, dann ausmacht und nochmals auf die Öffnung zeigt, an die das Streichholz gehalten werden muss.
4) Wenn der THF sich weiter weigert, muss man darauf bestehen, dass er es dennoch selbst macht - schließlich muss man einen Ofen anzünden können (oder?).
5) Nachdem der THF es endlich geschafft hat, das zehnte Streichholz zu entflammen (die vorherigen erloschen durch ängstliches Zittern der Hand bereits auf dem Weg zum Ofen), fordere man ihn auf, das Streichholz an die Anzündestelle zu halten. Das technische "Fachwissen" des THF wird ihn automatisch dazu verleiten, den Arm viel zu weit in den Ofen zu halten. Dazu muss man wissen: Ein THF sieht besser als der Durchschnittsmensch. Und deswegen hat er natürlich - ungeachtet der ausführlichen Demonstrationen der Freundin - eine Anzündestelle weiter hinten im Ofen entdeckt und zum Anzünden für geeigneter befunden.
6) Der große Lacher ist übrigens für den THF weniger lustig (zumindest hat er weniger gelacht als ich): Sobald der THF seinen Arm mit dem brennenden Streichholz in den Gasherd steckt (aus dem inzwischen bereits viel zu lange Gas strömt - das Streichholz ging ja nicht früher an!), kommt ein kleiner Feuerball aus dem Ofen geschossen.
Und das haben wir gelernt:
1) Die Haare verbrennen, ehe man realisiert, was passiert ist.
2) ERST das Streichholz anzünden. Dann das BRENNENDE Streichholz ans Anzündeloch halten - und DANN erst das Gas andrehen.
3) Und: Wer Angst vor Gas & Feuer hat, bringt sich in Gefahr.
4) Naja... und vielleicht auch, dass man jemandem, der Angst vor Gas & Feuer hat, das Anzünden eines Gasofens doch nicht so einfach beibringen kann. Aber ich werde es weiter versuchen - mit längeren Streichhölzern. ;)
Gott sei Dank ist außer einem Schreck und einem sehr eingeschnappten THF nicht viel passiert. Der Ofen war übrigens nach der Aktion nicht an. Das blieb mir überlassen, denn der THF war nach diesem traumatischen Erlebnis zu keinen weiteren Versuchen mehr zu bewegen. Ach ja: Christian - mach doch für unsere Leser mal ein Bild von deinem haarlosen Arm. :)
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