Montag, 13. September 2010
Für ein Koshery reicht's immer!
Hurra, ich muss nicht verhungern! Habe mein letztes Kleingeld zusammengeklaubt und geh mir davon jetzt mal was Warmes kaufen. Gut, dass in Ägypten ägyptisches Essen billig ist - und vor allem: gut, dass mein Magen so ziemlich alles unbeschwert verdaut. :)
Zurück im wilden Süden
Ich bin wieder in Alexandria. Und kämpfe gleich mit den üblichen Verdächtigen: Mir ist schlecht, ich hab kein Geld zu Hause, Kühlschrank ist leer - und Gas ist aus.
Die letzte warme Mahlzeit gab‘s im Flieger (also vor zwei Tagen). Und schlecht wurde mir davon auch gleich. Im Flugzeug von Kairo nach Alexandria habe ich nur gepennt und das, obwohl ich neben mir einen Deutsch sprechenden Ägypter sitzen hatte, der so aussah, als wäre er in Redelaune. Hinterher tat mir das leid, denn an der Gepäckausgabe hat sich der Ägypter als äußerst nett entpuppt. Wir kamen ins Gespräch und er bot mir an, mich mit nach Mandara zu nehmen. Schon der zweite Sitznachbar im Flieger, der mir das Taxigeld erspart hat. :)
So hatte ich gestern glücklicherweise noch rund 70 Pfund um Wasser, Obst und Joghurt zu kaufen. Das muss jetzt bis morgen reichen, dann geht die Kreditkarte wieder. Scheiß Tageslimit.
Und es gibt Neuigkeiten: Das Fathalla, in dem ich immer einkaufe, ist jetzt ein Stockwerk größer. Mehr zu kaufen gibt es nicht - aber beim Kaufen hat man jetzt mehr Platz. Zwar nicht an der Kasse, aber überall sonst.
Außerdem bin ich seit heute fleißige Studentin: Ich hab schon ein Kapitel gelesen und wild drin rummarkiert.
Freitag, 18. Juni 2010
Zurück in die Zivilisation
Endlich sind wir von der Vorstufe des zivilisierten Menschen zurück auf das Normalniveau gestiegen: Auch wir müssen nicht mehr im Sitzen duschen, sondern zählen uns hiermit wieder zu den Stehduschern. Nach neun Monaten des Aufschiebens habe ich es heute endlich geschafft, einen Duschvorhang zu kaufen und die Schraube an der Aufhängung anzuziehen, damit die Stange gerade hängt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen - doch richtig zu schätzen weiß man es nur, wenn man monatelang kauernd geduscht hat (gelle, Christian *gg*)
Und hier das Resultat meiner Bemühungen.
Montag, 24. Mai 2010
Zulangen erlaubt
Dass Gewalt hier gang und gäbe ist, konnte ich nun schon zum wiederholten Male feststellen:
Kinder und Nannys, die mit blutigen Striemen im Gesicht in der Schule auftauchen (Das Kind wurde wegen schlechter Noten, die Nanny von ihrem Onkel geschlagen, weil sie widersprochen hatte). Aber das sind ja quasi nur indirekte Gewaltspuren.
Neulich durfte ich bereits am frühen Morgen Zeuge einer sehr menschenverachtenden Szene sein: Ein kleiner Straßenjunge hatte sich offenbar erdreistet, etwas zu forsch zu betteln. Der angebettelte Mann stieg aus dem Wagen aus, schüttelte den Jungen, schrie ihn an, packte ihn am Kragen und hob ihn daran hoch. Ich bin zwar mit "La'a"-Rufen dazwischen, aber eigentlich war das dem schimpfenden Mann ziemlich egal. Er starrte mich nur wütend an. Unverständlich: Anstatt wegzulaufen, hat der Junge, als der Mann ihn endlich losließ, weitergemacht. Ich hätte in der gleichen Situation bestimmt sofort die Flucht ergriffen.
Heute Abend dann noch krasser: Ich gehe friedlich durchs Fathalla, als ich zwei raufende Menschen sehe. Mann und Frau, dazwischen das obligatorische Kind im Kinderwagen. Der Mann schubst die Frau, die zetert und schreit was, da gibt er ihr eine Ohrfeige. Der Verkäufer mischt auch noch mit (ob er sie trennen wollte oder auch noch zugehauen hat, war unklar). Erst dachte ich, das war's jetzt. Da werden Streit und Handgreiflichkeiten bedenklicher. Nachdem sich keiner der umstehenden Leute (und das Fathalla ist um 20 Uhr voll!) verantwortlich gefühlt hat, etwas zu sagen, hab ich mein Bestes versucht, indem ich auf Arabisch mein Missfallen ausgedrückt habe. Aber auch heute hat's keinen weiter interessiert. Also blickte ich anklagend und etwas fassungslos in die Runde und wollte nach Sicherheitspersonal Ausschau halten. Aber auch kein Angestellter war zu sichten. Gefühlte Minuten später haben sich dann zwei Männer erbarmt und den Mann von der Frau weggeholt. Die ist aber trotz weinendem Kind nochmal auf den Mann los, was die Situation nicht gerade entschärft hat. Für den Mann hatte ich nur ein Kopfschütteln übrig. Er hat's auch gesehen und mich böse angeschaut. Ein riesiges Gebetsmal auf der Stirn und dann schwächere Schlagen! So praktiziert man den Islam richtig...
Kinder und Nannys, die mit blutigen Striemen im Gesicht in der Schule auftauchen (Das Kind wurde wegen schlechter Noten, die Nanny von ihrem Onkel geschlagen, weil sie widersprochen hatte). Aber das sind ja quasi nur indirekte Gewaltspuren.
Neulich durfte ich bereits am frühen Morgen Zeuge einer sehr menschenverachtenden Szene sein: Ein kleiner Straßenjunge hatte sich offenbar erdreistet, etwas zu forsch zu betteln. Der angebettelte Mann stieg aus dem Wagen aus, schüttelte den Jungen, schrie ihn an, packte ihn am Kragen und hob ihn daran hoch. Ich bin zwar mit "La'a"-Rufen dazwischen, aber eigentlich war das dem schimpfenden Mann ziemlich egal. Er starrte mich nur wütend an. Unverständlich: Anstatt wegzulaufen, hat der Junge, als der Mann ihn endlich losließ, weitergemacht. Ich hätte in der gleichen Situation bestimmt sofort die Flucht ergriffen.
Heute Abend dann noch krasser: Ich gehe friedlich durchs Fathalla, als ich zwei raufende Menschen sehe. Mann und Frau, dazwischen das obligatorische Kind im Kinderwagen. Der Mann schubst die Frau, die zetert und schreit was, da gibt er ihr eine Ohrfeige. Der Verkäufer mischt auch noch mit (ob er sie trennen wollte oder auch noch zugehauen hat, war unklar). Erst dachte ich, das war's jetzt. Da werden Streit und Handgreiflichkeiten bedenklicher. Nachdem sich keiner der umstehenden Leute (und das Fathalla ist um 20 Uhr voll!) verantwortlich gefühlt hat, etwas zu sagen, hab ich mein Bestes versucht, indem ich auf Arabisch mein Missfallen ausgedrückt habe. Aber auch heute hat's keinen weiter interessiert. Also blickte ich anklagend und etwas fassungslos in die Runde und wollte nach Sicherheitspersonal Ausschau halten. Aber auch kein Angestellter war zu sichten. Gefühlte Minuten später haben sich dann zwei Männer erbarmt und den Mann von der Frau weggeholt. Die ist aber trotz weinendem Kind nochmal auf den Mann los, was die Situation nicht gerade entschärft hat. Für den Mann hatte ich nur ein Kopfschütteln übrig. Er hat's auch gesehen und mich böse angeschaut. Ein riesiges Gebetsmal auf der Stirn und dann schwächere Schlagen! So praktiziert man den Islam richtig...
Samstag, 22. Mai 2010
Das Erste wird auch das Letzte sein
Seit vergangenem Donnerstag ist es offiziell: Ich habe mein Wiedererscheinen im nächsten Jahr abgesagt. Und seit dieser Entscheidung gefällt es mir in Alexandria doch gleich viel besser. :)
Noch wissen die Kids nichts vom bevorstehenden "Unglück" - immerhin hatten mehrere in den letzten Wochen gefragt, ob ich denn nächstes Jahr auch wieder käme (vielleicht mögen sie mich doch ein bisschen?). Ich hab immer "insha'allah" geantwortet, aber mein schlechtes Gewissen hat mich arg geplagt - schließlich weiß ich schon länger, dass ich mich gegen ein weiteres Schuljahr entschieden habe.
Noch wissen die Kids nichts vom bevorstehenden "Unglück" - immerhin hatten mehrere in den letzten Wochen gefragt, ob ich denn nächstes Jahr auch wieder käme (vielleicht mögen sie mich doch ein bisschen?). Ich hab immer "insha'allah" geantwortet, aber mein schlechtes Gewissen hat mich arg geplagt - schließlich weiß ich schon länger, dass ich mich gegen ein weiteres Schuljahr entschieden habe.
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